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Stadtgeflüster Münster

24

Oha, der Job von Jack Bauer setzt offensichtlich einiges an Belastbarkeit voraus. Eigentlich gräbt er sich in sämtlichen Staffeln der Erfolgsserie „24 – TwentyFour“ durch bergeweise Scheiße. Das ist nicht übertrieben, wenn auch etwas vulgär ausgedrückt – aber bei dem kranken Mist, der da teilweise abgeht, dürfte Herr Bauer selbst nicht anders darüber denken. Mal wird seine Familie entführt, dann seine Freunde ermordet, er selbst wird in einem chinesischen Gefängnis misshandelt und ständig muss er der US-Regierung den Hintern retten: im wahrsten Sinne des Wortes ein 24-Stunden-Job. Da bleibt nur zu hoffen, dass ihm all die Mühen irgendwann eine schöne Rente in der Karibik einbringen – ich wäre schon seit der ersten Staffel in der Klapse.

Acapella

Puh, das spaltet aber mal gewaltig, so ähnlich wie Pantomime oder Freejazz. Applaus? Tomaten? Oropax? Man ist etwas unentschlossen. Es sind halt keine Instrumente dabei, sondern nur Stimmen. Die allerdings singen nicht nur zusammen ein Lied wie im Chor, sondern sorgen auch für den Rhythmus. Das hört sich oft ganz gut an, es kann aber auch sein, dass das unfreiwillig komisch bis bescheuert wirkt, oder sogar für leichte Fremdscham sorgt, also bei mir zumindest. „Mein kleiner grüner Kaktus“ kann ich mir zum Beispiel durchaus anhören, aber nicht gut ansehen – wenn ihr versteht, was ich meine.

Aushilfskellner

„Er erlangte in unserem Unternehmen schnell die Unersetzbarkeit eines Aushilfskellners“. Das haben wir neulich einem ehemaligen Praktikanten ins Arbeitszeugnis geschrieben. Vor dem Arbeitsgericht hat dann unser Anwalt, der Idiot, dem Richter gesagt, das wäre doch nur nett gemeint gewesen. Die Verhandlung musste anschließend zweimal unterbrochen werden, weil der Richter einen Lachkrampf bekommen hat. Als er sich wieder gefangen hatte, meinte er, so was könne man überhaupt nicht nett meinen. Wir haben den dann aber nach der Verhandlung bei Pinkus Müller so abgefüllt, dass wir einen Deal gemacht haben. Im Arbeitszeugnis des Praktikanten steht jetzt: „Er erledigte die ihm übertragenen Aufgaben stets mit der Geschwindigkeit eines Binnenschiffers“.

Campingtoilette

Gut, ihr wollt es nicht anders. Bei einer normalen Toilette ist es ja so: Die Hinterlassenschaft wird mit dem Abziehen auf eine Reise geschickt. Das Zeug ist binnen Sekunden räumlich und tatsächlich sehr weit weg von euch. Bei einer Campingtoilette sieht das zwar so aus, ist aber ganz anders. Mit dem abziehen ist ES zwar nicht mehr zu sehen, aber noch ganz nah bei euch. Es wird nur wenige Zentimeter unter euch chemisch aufgelöst, aber nicht in ein paar Sekunden, sondern richtig schofel langsam. Man kann diese Fäkalientanks natürlich regelmäßig entleeren, aber manchmal vergisst der Papi das am Gardasee-Campingplatz. Möglicherweise kann man den Füllstand des Tanks am Gesichtsausdruck des Fahrers erkennen, was noch zu beweisen wäre.

Choleriker

Ein falsches Wort, ein schales Bier und der Wirt hat keine Zähne mehr – wie konnte das passieren? Der Choleriker ist quasi ein kleiner Human-Schnellkochtopf, der herrlich an die Decke gehen kann, herrlich dann, wenn man es nicht selbst abbekommt. Fälschlicherweise wird aber jeder, der mal ausrastet, gleich als Choleriker oder Wüterich bezeichnet. Tatsächlich sind es manchmal einfach die Umstände selbst, die tatsächlich zum Ausrasten sind – wer dann nicht ausrastet, wäre quasi ein devoter Idiot.

Donaldismus

Irgendwann muss ja mal einer damit angefangen haben, wir fragen uns gerade, wie breit er wohl war und wovon genau. Die Donaldisten beschäftigen sich tatsächlich (und zwar ernsthaft) mit der Gesellschaft Entenhausens. Zum Beispiel mit der Art des Kapitalismus von Dagobert Duck, der Sexualität von Daisy, und bestimmt auch der von Oma Duck. Es gibt Untersuchungen, soziologische Aufsätze, jährliche Treffen und natürlich Foren im Netz. Unsere Redaktion verfasst gerade eine Gemeinschafts-Doktorarbeit: „Die zu erwartende sexuelle Orientierung von Tick, Trick und Track – mit einem Vorwort von Gustav Gans“. Ist schon vor Erscheinen auf den Index gesetzt worden, wir klagen aber dagegen. Abwarten.

Dudeismus

Der Dude ist die Hauptfigur des Films „The Big Lebowski“ und 160.000 Menschen beten den Typ und seinen Style an – sie bilden die Masse der Dudeisten. Wenn ihr den Film noch nie gesehen habt, seid vorsichtig. Vielleicht findet ihr ihn erst mal bescheuert und irgendwie schrecklich langsam. Aber so ein bis zwei Tage danach, geht es los: In einer unangenehmen Situation fragt ihr euch plötzlich: Was würde der Dude jetzt tun? In diesem Moment habt ihr euren ersten Schritt zum Lebowski-Jünger getan. Willkommen in unserer Runde.

Dystopie

Dass unsere Welt zum Teufel geht, erzählen verbitterte Grossmütter seit Jahren. Eine Dystopie ist mit dem Zustand zu vergleichen, wenn sie endlich dort angekommen ist: Es herrschen ungerechte, totalitäre Regime; die Kommunikation innerhalb der Gesellschaft ist gestört; die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Sämtliche Probleme der Welt haben sich zu ihrem Höhepunkt gesteigert und in diesem Fall ist ein Höhepunkt ausnahmsweise nicht wünschenswert. Wer sich ein Bild von der Grundstimmung einer Dystopie machen möchte: Insgesamt fühlt es sich so an, als wäre im Bad zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt das Klopapier alle. Und zwar für immer.

Festivals

Jedes Festival ist ein Erlebnis: man verbringt Zeit an der frischen Luft, ist mit seinen Freunden zusammen, genießt gute Musik und ausgelassene Stimmung. Mit solchen Argumenten habe ich meine Eltern zumindest stets dazu gekriegt, mir die Erlaubnis für ein gepflegtes Besäufnis unter Fremden zu geben. Sicherlich, es gibt genügend gesittete, hochkulturelle Festivals, die jener Beschreibung gerecht werden – in vielen Fällen sollte man allerdings hart im Nehmen sein. Denn Festival bedeutet meistens Dosenravioli, Dixi-Klo und drei Tage nicht duschen … also eigentlich ziemlich geil.

Frostbeulen

Begrüsst doch mal euren oder eure Liebste an einem kalten Dezembermorgen mit einem Kaffee am Bett und sagt: Guten Morgen, wie hast du denn geschlafen – mein kleines Kältegeschwür? Wahrscheinlich gibt es noch vor dem ersten Schluck Kaffee einen auf die Fresse, bei „kleine Frostbeule“ hätte es wohl mindestens Küsse gegeben. Sprachlich eigentlich total bescheuert, denn der Begriff „Frostbeule“ ist nicht weniger eindeutig als „Auto“ oder „Hund“. Wie das wohl mit ähnlichen Begriffen aus der Welt der Geschwüre ist? „Mein kleines Eiterbeutelchen, wie geht es denn heute so?“, wäre mal einen Versuch wert. Viel Glück!

Gesangslehrer

Castingshow-Süchtige kennen diesen Job nur unter dem Begriff „Vocal-Coach“. Ein harter Job, Tauben und/oder Doofen das Schallern beizubringen – vor allem ohne sie während der Ausbildung züchtigen zu dürfen. Wir haben das vor zwei Wochen als Vorschlag an diverse Produktionsfirmen der TV-Branche verschickt, so als quotenorientierten Verbesserungsvorschlag – mein Gott, die sind voll ausgerastet. Aber was soll das? Wenn wir es nicht machen, tun es die Chinesen! Fragt zehn Leute, ob sie für zarte Ohrfeigen bei allzu schiefen Tönen wären. Sie werden erst entrüstet sein, um dann, nach drei Drinks, zu sagen: Ja, wäre schon irgendwie geil – wetten? Macht eine Umfrage und schreibt uns!

Heiliger Gral

Mein Gott, (wie passend, mit diesem Herren anzufangen) wie soll man da noch durchblicken? Irgendwann habe ich mal gelernt, der Heilige Gral sei das Trinkgefäß, welches Jesus beim letzten Abendmahl benutzte und in dem später bei der Kreuzigung sein Blut aufgefangen wurde. So weit, so makaber – wäre die Geschichte über die Jahrhunderte mal so einfach geblieben.
Stattdessen kamen immer mehr Theorien auf den Tisch, was und wo der Heilige Gral angeblich sei. So ziemlich jeder Knilch im Mittelalter schien da seine eigene Meinung zu haben. Naja, während man pestkrank im Bett dahinsiechte, gab es halt auch nicht viel anderes zu tun, als die Bibel auf irgendeine verquere Weise auszulegen.

heute-show

Irgendjemand muss da mit den richtigen Leuten ein Geheimnis haben. Puff, Drogen, zusammen im Supermarkt geklaut, wer weiß das schon genau. Denn diese Redaktion darf so beneidenswert unverschämt, dass es kaum eine andere Erklärung dafür geben kann. Wer sich sogar über den eigenen Sender und seine Gremien lustig macht, als wären es die letzten Schwachmaten, die sich zum Karten spielen und Saufen treffen, der muss einfach diabolisch gut vernetzt sein. Oder in den Gremien sitzen tatsächlich Schwachmaten.

Klaus Kinski

Da hätten wir ihn, den Quoten-Psychopaten unseres Glossars. Kann man hier die berühmte Begrifflichkeit von Genie und Wahnsinn benutzen? Ich fürchte schon, denn so gestört dieser Mensch im echten Leben war, so fantastisch machte er sich auf der großen Leinwand. In seinem gar nicht allzu langen Dasein hat er es geschafft, zur Legende zu werden. Und starb mit 65 Jahren an einem Herzproblem … womit die Frage geklärt wäre, ob der trotz allem eins hatte – allerdings nicht, ob er auch wusste, wie man es benutzt.

Männerrecht

Ja, lacht nur, Weiber, aber ihr habt es einfach übertrieben. Die Rede war von Gleichberechtigung, nicht von Machtübernahme, hahaha. Ach ja, seit Beate Zschäpe und Marine le Pen wissen wir ja jetzt auch, dass Frauen eben doch nicht die besseren Menschen sind, insofern ist der Bonus futsch, Mädels. Also Männer, fasst euch an den Händen (und den Hoden) und sprecht zusammen laut und klar: Mein Sperma gehört mir.

Promenadenflohmarkt

Der nächste wird bestimmt ohne Ende stinken, weil nicht wenige versuchen werden, uns Unwetter-Schrott zu verticken. Man darf schon gespannt sein auf das Meer der Lügen, warum die Sachen denn sonst so komisch müffeln sollten. Der Promenadenflohmarkt ist eines der schönstens Münster-Events, die Stände ähnlich begehrt wie Wohnungen in Münster, es ist immer voll und meistens lustig. Da vor allem in der Nacht von Freitag auf Samstag aufgebaut wird, weiß man manchmal nicht genau, ob man gerade vor einem Flohmarktfreak oder einem kernbreiten Partymenschen steht, der nur mal kurz zum Ausnüchtern über den Flohmarkt latscht. Der nächste ist am 20. September.

Riesenrad

Man kennt ja immer ein paar Spezialisten, die nur auf Gottes Erde wandeln, um an den Nerven ihrer Mitmenschen zu sägen. Oft kann man relativ elegant darüber hinweggehen – man lacht über ihren Mist und denkt sich: Spacken. Innerhalb der Gattung Nervensäge gibt es allerdings eine Gruppierung, bei der es mit der Coolness relativ zügig vorbei ist, und zwar vollkommen zurecht: Das sind die Typen, die im Riesenrad anfangen mit der Gondel zu schaukeln. Für diese Art von Schwachsinn gibt es keine Entschuldigung. Es sei denn, man hat ein absolut fürchterliches Date und möchte die Person am liebsten für immer verschrecken.

Send

Zuckerwatte, Mandeln, Waffeln, Bratwurst – beim Sendbesuch springt die Summe der konsumierten Kalorien leicht in den fünfstelligen Bereich. Aber seit wir Kinder waren, gehört das doch auch irgendwie dazu oder nicht? An einem schönen Familientag auf dem Send erlaubt man sich ganz gerne mal, alle Fünfe gerade sein zu lassen und die Weight-Watchers-App auf dem Handy zu deinstallieren. Und als krönenden Abschluss betrachtet man mit zuckrigen Lippen und einem leichten Kribbeln in der Herzgegend das Feuerwerk. Das kann entweder an der romantischen Stimmung und der hübschen Begleitung liegen … oder eben am Zucker, der sich durch die Herzscheidewand nagt. Wie dem auch sei: Send ist schön.

Soziologie

Unterschätztes Fach, das euch die ganzheitliche Peilung gesellschaftlicher Prozesse und Entwicklungen geben kann – wenn das mal nix ist, oder? Die Soziologie leidet aber noch immer unter ihrem Öko-Laber-Kiffer-Image, dass sie zwar nicht ganz zu Unrecht hat, aber: Wer nicht zuuuuu viel kifft und das, worüber gelabert wird, versteht und es weiterdenkt, der kann ein echter Gehirnpanzer werden. Möglicherweise fährt der spätere Soziologe dann zwar Taxi, aber das ist vielleicht gar nicht so falsch. Denn was gibt es für eine spannendere soziologische Forschung, als wenn alle zehn Minuten ein anderes Leben auf deiner Rückbank Platz nimmt? So gesehen fahren Soziologen vielleicht nicht Taxi, weil sie nix anderes kriegen, sondern weil die das geil finden.

Therapiehund

Manchen Leuten geht es einfach so schlecht, dass das Lachen plötzlich weg ist, dass sie sich an nichts mehr erfreuen können. Und dann kommt da so ein wirklich netter Köter um die Ecke gelatscht und ist einfach furchtbar gut drauf, „nur“ weil schönes Wetter ist, sich einer mit ihm beschäftigt, mit ihm spielt und es was richtig geiles zu essen gibt. Dem ein oder anderen fällt dann wieder ein, dass das manchmal die schönsten Freuden sind, weil sie so einfach sind. Dann vergisst er oder sie einen Moment seine Situation oder windet sich für Augenblicke aus einem unüberwindbar scheinenden Tief. Später freut man sich, dass der Typ auf vier Beinen vielleicht am nächsten Tag wiederkommt, und das trägt durch den Tag und macht ein kleines bisschen gesünder. Manchmal nur kurz, manchmal für immer.

Tretboot

Warum müssen diese zugegebenermaßen spaßigen Dinger eigentlich immer so aussehen wie eingeschmolzene und dann neugeformte Dixi-Toiletten? In den 50er Jahren sahen die Tretboote aus wie richtige Boote, auch die auf dem Aasee, die da noch bis in die 90er Jahre herumgeschippert sind. Da hätten auch der Pate, Elvis oder Chuck Norris mal eine würdevolle Runde mit gedreht und ihre Schenkel trainiert. Aber mit den aktuellen Dingern, (am besten noch mit dem Schwan) trauen sich doch nur noch Leute aufs Wasser, die nichts mehr zu verlieren haben, keine Würde, keinen Ruf, gar nichts. Ja doch, das ist natürlich vollkommen übertrieben, aber Boote sind doch keine Hygieneartikel, wo die Funktion die Form bestimmt – oder etwa doch?