Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 29.07.2010

VON INNEN SCHÖN

Menschen wie griechische Götter, eine Frau, die Gewichte so schwer wie ihr Körpergewicht stemmt, braungebrannte Typen mit Tätowierungen auf jedem der riesigen Muskelstränge – die trifft man im Muscle Gym von Guido Falk. Sein Studio am Kanonengraben hat in den letzten Jahren einen Haufen Preise gewonnen und die Athleten, die von Guido Falk ausgebildet werden, gehören zu den besten in Deutschland. Er selbst ist das genau Gegenteil aller Bodybuilder-Klischees: höflich, geistreich und gebildet, fast schon ein kleiner Philosoph. Ein Gespräch mit Bodybuilder-Coach Guido Falk über geile Genetik, schöne Ärsche und falsche Vorurteile.
Arne Schulz trifft Guido Falk.
Ein krasses Vorurteil über Bodybuilder, bitte.
Bodybuilder sind faul und gefräßig und auch andere Sachen. Aber ich will das nicht so unterstützen. Auch ein Arnold Schwarzenegger, der für viele vielleicht nur als Terminator durchgeht, der ist ein Wahnsinnsmann. Unglaublich. Der hat mit 18 Jahren in München an der Rezeption von einem Fitnessstudio gesessen und Eiweißdrinks gemischt. Und was aus dem geworden ist, das ist unglaublich. Im Bodybuilding gibt es eine Vielzahl von Leuten, die was drauf haben. Das sind alles keine Dummen. Bei den Fußballern lachen wir uns auch nicht immer halbtot.

Bodybuilder sind dumm wie Fußballer, das wäre mir auch eingefallen. Aber das stimmt nicht?
Ich glaube, dass die großen Irritationen dadurch entstehen, dass Bodybuilding und unser Wettkampfsport so vermischt werden. Es wird nicht getrennt zwischen Schönsein und unseren Regeln, zwischen Nacktsein, Fetisch, Pornographie und unserem Sport, zwischen so viel unnormaler Muskelmasse und unserem Sport. Und damit haben wir ewig zu kämpfen.

Wie meinst Du das?
Beim Bodybuilding geht es darum, seinen Körper zu formen. Leider kann ein Bodybuilder seinen Körper aber nicht ablegen. Michael Schumacher würde ja nicht mit seinem Formel1-Auto durch Münsters Straßen fahren. Wichtig ist nur, und das gebe ich auch meinen Athleten mit: Wir müssen durch Leistung auffallen und nicht durch Äußerlichkeiten, Tätowierungen und so weiter. Benehmt euch vernünftig, sag ich immer, und überzeugt durch euren Sport. So, dass meine Eltern gerne zu einem Wettkampf kommen. Da müssen wir uns einfach mal vorbildlich und vernünftig verhalten und uns nicht immer nur über die Anderen beschweren.

Dann geht's also gar nicht um den geilsten Körper?
Der Sport verlangt ein wahnsinnig hohes Maß an Disziplin. Und jeder Athlet ist anders. Als Trainer muss man sich auf die Leute einstellen können, sie motivieren. Bei den Wettkämpfen Athleten zu sehen, die sich zu 99 % perfekt vorbereitet haben, ist wirklich toll. Auf der anderen Seite: diese genetischen Sachen, die man nicht manipulieren kann. Zu sehen, wie gut der liebe Gott es mit denen gemeint hat. Ich fühle mich da immer wie einer, der vorm Mount Everest steht und sagt: Ey, was wurde hier geschaffen. Beeindruckend!

Warst Du selbst mal Bodybuilder?
Ja, aber ich bin erst mit 20 dazu gekommen. Davor war ich Springreiter. Ich hatte einen Freund, der hat schon länger in einem Studio trainiert und kannte sich aus. Und dann hat das eigentlich direkt Spaß gemacht. Vor allem dieses Training in der Gruppe. Mit 25 war dann aber schon Schluss, wegen eines chronischen Magenleidens. Diese Diäten, die man vor einem Wettkampf machen muss, gingen dann einfach nicht mehr. Der Arzt hat mir damals gesagt: Wenn Ihnen wirklich was an dem Sport liegt, Herr Falk, dann suchen Sie sich eine andere Position.

Und dann bist Du Trainer geworden und hast das Muscle Gym eröffnet.
1995 habe ich das Studio aufgemacht. Ich hatte da gerade mein Vordiplom in Erziehungswissenschaft in der Tasche. Aber irgendwie wollte ich immer schon richtig Geld verdienen und was Eigenes machen. Das ging mit Erziehungswissenschaft nicht wirklich. Ich hab das Studium dann geschmissen.

Wie läuft der Laden denn?
Meine Frau und ich sind nicht unzufrieden. Wir machen das ja zusammen hier. Wir haben eine gute finanzielle Basis und das gibt uns die Möglichkeit, uns auf das Bodybuilding zu konzentrieren.

Was macht man denn so den lieben lang Tag als Bodybuilding-Coach?
Ich bin eigentlich das Mädchen für alles. Ich mache Trainingspläne, stell mit denen Diätpläne auf, gebe Tipps beim Posen. Wenn sich ein Athlet für das Bodybuilding entscheidet, dann möchte ich, dass er hier perfekte Bedingungen vorfindet. Letztendlich mach ich das alles nur für die Athleten, auch in meiner Arbeit für den Deutschen Verband. Wir bezahlen denen die Mannschaftsbekleidung, den Flug zur WM oder EM. Wir sagen damit: Du bist ein guter Athlet, ein toller Typ und deswegen unterstützen wir dich.

Dein Coaching gibt's für 35 Euro im Monat. Die Athleten müssen nur Mitglied im Muscle Gym werden.
Ich hab jetzt einen Ausnahmeathleten, den Eugen Stoll, der auf Anhieb Deutscher Meister geworden ist. Der ist bei Weitem noch kein fertiger Athlet. Aber wenn der da oben steht, dann denkt man schon so: Mein lieber Mann, da hat's aber der liebe Gott wirklich gut mit dem gemeint. Das ist faszinierend. Und dem will ich einfach helfen, seine Ziele zu erreichen.

Und diese aufgepumpten Körper findest Du dann schön?
Darum geht's gar nicht. Das ist das Ideal unserer Wettkampfszene. Da geht es nur um die Regeln. Meine Oma hat immer gesagt: Guck mal die da, Guido, die ist von innen schön. Und das ist für mich ganz wichtig. Es gibt Menschen, die für viele sehr schön sind, aber für mich eigentlich nicht. Also, für mich kann eine Frau mit Übergewicht sehr schön sein, aber unserem Wettkampfideal entspricht die dann nicht. Das Wort Schönheit gibt es übrigens auch nicht in unserem Regelwerk, da steht dann so was wie weibliche Ästhetik oder Ausdruck.

"Die ist von innen schön", gibt's das überhaupt im Bodybuilding?
Klar. Es ist faszinierend, wenn jemand in der Lage ist, die Anforderungen des Sports anzunehmen. Das gibt es auch woanders, zum Beispiel beim Springreiten. Wenn Reiter und Pferd eine perfekte Einheit bilden. Oder im Bodybuilding, wenn bei einer Weltmeisterin einfach alles stimmt – Ästhetik, Körper, Ausdruck. Das bewundere ich.

Bei einer Meisterschaft steht man fast nackt auf einer Bühne und lässt sich von tausend Leuten begaffen. Wer tut sich denn sowas an?
Das stimmt, das muss man als Athlet erstmal auf die Reihe kriegen. Du präsentierst dich da aber vor Fachleuten. Niemand würde sagen, der da ist hässlich. Das wäre falsch. Genauso wie ein Bodybuilder nicht schön ist. Er entspricht nur mehr oder weniger unserem Sportideal. Das ist ganz wichtig. Bei den Frauen ist das ja noch schwieriger. Wenn eine Frau auf der Bühne posed, dann unterstellt man mir als Kampfrichter direkt, dass ich denke: Die hat einen geilen Arsch.

Aber das denkst Du nicht?
Ich sag es jetzt mal ganz offen: Es gibt viele Ärsche, die sich auf der Promenade präsentieren, die ich schöner finde, als die auf einem Wettkampf. Viele verwechseln das immer und sagen: Bodybuilding ist eine Körper-Kunst. Formel 1, also Autofahren, ist doch auch keine Kunst! Zum schön sein gehört eben, wie meine Oma immer sagt, dass man von innen schön ist.

Einige Bodybuilderinnen verdienen ihr Geld mit richtig unanständigen Fotos im Internet.
Also, ich bin ja gebürtiger Rheinländer. Und wie man bei uns immer sagt: Es gibt nichts, was es nicht gibt. So ist das halt auch im Internet. Ich finde es wichtig, für Männer wie für Frauen, dass man da sein Gesicht bewahrt und nicht in irgendwelche Abgründe stürzt. Ich finde das sogar verwerflich. Ich möchte mir kein Urteil erlauben, warum andere Menschen sich so was angucken. Die haben vielleicht irgendeinen Fetisch. Die fühlen sich angezogen durch die Körper. Aber man kann ja nicht eine Frau nur auf irgendwelche oberflächlichen Bilder reduzieren.

Deiner Frau zum Beispiel sieht man die Bodybuilderin gar nicht so an, finde ich. Also zumindest nicht in weiten Trainingsklamotten.
Das ist eben der Unterschied zum Schwergewicht. Die sind dann 1,65 und wiegen um die 85 Kilo. Das liegt aber auch daran, wie die Bodybuilder sich selbst definieren. Wenn man stolz ist auf die sportliche Leistung, aber auch noch andere Werte hat, dann kann man das auch positiv nach außen tragen. Und rennt nicht mit Muskelshirt und Hotpants durch die Stadt. Und da gibt es leider auch viele bei uns, die sich nur über den Sport definieren und darüber ihre Anerkennung bekommen wollen. Die finden dann auch privat nur noch solche Körper schön. Aber das ist bestimmt der falsche Weg. Ich zum Beispiel wandere gerne mit meiner Frau und meinem Hund. Da ist Bodybuilding kein Thema.

Letzte Frage, an Dich ganz persönlich. Was findest Du, unabhängig vom Sport, am Attraktivsten?
Es fällt mir immer wieder auf, dass ich besonders Frauen schön finde, die nicht 08/15 sind. Frauen, nach denen ich mich umdrehe, werden von anderen oft nicht so gesehen. Ich hab das gerne, wenn es etwas spezieller ist. Ich stehe aber auch auf Rundungen. Und ich finde es schade, dass viele junge Frauen so unglaublich dünn sind. Es gibt nichts über ein schönes Gesicht und über schöne Hände. Im Privatleben ist der Körper für mich gar nicht so entscheidend.

Danke für das Interview, Guido.


Vita:
Guido Falk, Jahrgang 1967, Besitzer des Muscle Gyms und Vizepräsident des Deutschen Bodybuilder- und Fitnessverbandes (DBFV), ist ein extrem ungewöhnlicher Mensch. Einige Indizien: 1. Studierter Bodybuilder, Erziehungswissenschaftler. 2. Verbietet seinen Athleten, mit Hotpants und Muscle Shirt nach draußen zu gehen. 3. Liebt Spießigkeit, wohnt in Kattenvenne und geht gerne wandern mit seiner Frau. 4. Tut alles für den Sport (Kampfrichter, Trainer, Verbandsarbeit), obwohl er die Ärsche auf der Promenade geiler findet. 5. Liebt Bodybuilder für ihre innere Schönheit. Und noch ein interessanter Fact: Guido Falk ist Perfektionist. Zu leiden hat darunter auch sein Hund. Der musste schon an der Qualifikation zur Hunde-Benimm-Weltmeisterschaft teilnehmen. Das Muscle Gym am Kanonengraben gibt es seit 1995. Guido und Nathalie Falk sind die Inhaber. Im Gym betreuen sie die Jugend des SC Preußen Münster, bieten Kampfsport und orthopädisches Training an. Aber in erster Linie geht es um eins: Bodybuilding. In den letzten Jahren hat das Studio mehrere Deutsche Meister hervorgebracht. Größter Erfolg war der Vizeweltmeistertitel von Nathalie Falk im Jahr 2005.

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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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