Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 22.07.2010

DAS GENUSS-PRINZIP

Mein Magen knurrt. Es ist Essenszeit. Zeit für was Leckeres – Zeit, mich verwöhnen zu lassen! Wär' doch bloß schon Wochenende … Dann wüsste ich genau, wo ich hingehen müsste, um mein leibliches Wohl zu finden – zum Schlossplatz. Denn von Freitag bis Sonntag zaubern dort einige der besten Köche aus dem Münsterland edelste Gaumenfreuden und das zu einem Preis, den sich auch arme Gourmetseelen wie ich leisten können: "Münster verwöhnt" öffnet zum siebten Mal seine kulinarischen Pforten! Warum das erste Ma(h)l eine Katastrophe war, dass Leberkäse bestimmt nicht auf der Speisekarte steht und was ich denn jetzt gegen mein akutes Hungergefühl tun kann, verrät mir der Veranstalter höchstpersönlich.
Daniela Wolff schlemmt mit Severin Romero – via Telefon.
Herr Romero, sind Sie verwöhnt?
Ähm … wie meinen Sie das denn jetzt? (Lacht) Also, von Haus bin ich's eigentlich nicht, aber ich lasse mich gerne verwöhnen – in allen Bereichen, vor allem wenn's um Kulinarisches geht.

Na, das habe ich mir ja fast gedacht. Was essen Sie denn am liebsten?
Ein einfaches Rinderfilet mit fleur de sel, einer Kartoffelbeilage und dazu gibt es einen guten Wein.

Was für ein Wein passt denn da?
Ein Rotwein. Jetzt im Sommer würd's auch ein leichter, kühler Rosé tun.

Wer kocht bei Ihnen zu Hause?
Ich selbst! (Ein stolz klingendes Lachen) Am liebsten nach Rezept – mit Variationen. Wobei ich gelernt habe, dass man da bei Desserts nicht experimentieren sollte – sonst kommt nicht das raus, was man sich vorgestellt hat …

Sind Sie ein Fachmann in Sachen Haute Cuisine?  
Also, ich mache "Münster verwöhnt" ja seit 2004 und habe in den letzten Jahren viel dazu gelernt. Nicht nur ich bin älter, auch mein Gaumen ist reifer geworden.

Wie kamen Sie auf die Idee für "Münster verwöhnt"?
Ich hatte damals von der Gourmetmeile im Ruhrgebiet erfahren – Dortmund à la Carte, Essen verwöhnt, Schermbeck genießen – und so weiter. Mich hat es gewundert, dass es so eine Gourmetveranstaltung in Münster noch nicht gab, wo sie doch gerade hier eine Daseinsberechtigung hat.

Warum gerade Münster?
Naja, ich selbst komme ja aus Ochtrup, das hat nur 20.000 Einwohner.

"Ochtrup verwöhnt" …
Nee, nee. Unmöglich. Wir haben hier auch nur drei Restaurants. Aber "Münster verwöhnt", das passt einfach. Da ich damals eigentlich nur das Schloss kannte, war die Wahl für die Location schnell getroffen und dann kam eines zum anderen. Ich habe, das muss man schon sagen, echte Pionierarbeit geleistet. Von den 180 gehobenen Restaurantbetriebe aus dem Münsterland, die ich angeschrieben hatte, zeigten nur ganz wenige überhaupt Interesse an dem Konzept. Hochwertige Gerichte zum kleinen Preis anbieten – da war die Skepsis sehr groß. Mit nur 14 Betrieben haben wir den Schritt dann gewagt. Aber ich war mir von Anfang an sicher, dass so etwas ein Erfolg werden muss – und ich habe Recht behalten!

Wie war das erste Mal?
Die Hütte war voll, die Organisation eine Katastrophe – ohne Übertreibung! Wir waren auf den Andrang nicht vorbereitet. Ich weiß es noch genau. Anfang Juni 2004 war das. Nach einem total verregneten Frühling brach einen Tag vor Veranstaltungsbeginn die Wolkendecke auf: schönster Sonnenschein. Da wollten die Leute raus und dem Gefühl nach kamen die alle zu unserer Veranstaltung …

Oh je …
Die Gastronomiebetriebe waren teilweise schon am Freitagabend ausverkauft – wir hatten ja keine Erfahrungswerte, welche Mengen verkauft werden würden. Ich glaube zwar, dass die Gäste von dem Chaos wenig mitbekommen haben, aber wenn man als Veranstalter sieht, dass da alles nicht so richtig funktioniert, dass zu wenig Geschirr da ist, es an Personal mangelt, eine Toilette überläuft … puh, dann ist man froh, wenn man das Wochenende überstanden hat!

Und dennoch: Ein voller Erfolg!
Ja! Und seitdem hat sich alles zum Positiven entwickelt. Wir sind, glaube ich, die gehobenste Veranstaltung in Münster und die Stadt identifiziert sich mit "Münster verwöhnt".

Oberbürgermeister Markus Lewe sagt: "So ein Event ist ein Zeichen für die typisch münstersche Lebensart, die unsere Stadt so anziehend macht."
Ja. Er schätzt die Veranstaltung wirklich sehr! Für die Stadt Münster ist das ein Imagetransfer in die Region und auch das Münster Marketing steht voll hinter uns. Andersherum sind wir wirklich glücklich, dass wir jedes Jahr so eine Veranstaltung machen dürfen.

Und inzwischen rennen die Gastronomen Ihnen die Bude ein?
(Lacht) Genau. Das hat sich wirklich gewandelt. Damals wollte keiner, heute möchten alle! Es ist die ideale Werbeveranstaltung für die Restaurants, vor allem bei der tollen Atmosphäre am Schloss. Da kann man zeigen, was man kann. Besser kann man sich nicht präsentieren. Nur können wir schon aus Platzgründen keine weiteren Restaurants dazunehmen – dann müsste erst jemand ausscheiden.

Sie selbst sind ja kein Gastronom. Aus welchem Bereich kommen Sie?
Beruflich komm ich ganz woanders her. Ich bin eigentlich Entwickler und Hersteller von Rollstühlen (lacht); das ist mein beruflicher Werdegang. Aber ich habe schon einige Messen und dergleichen installiert und mache sehr gerne Organisationsarbeit. Das liegt mir ganz gut.

Wollen Sie das Event auch in anderen Städten durchführen?
Nein! Das wäre zu viel Arbeit. So eine Veranstaltung schüttelt man auch nach sieben Jahren Erfahrung nicht einfach aus dem Ärmel. Nach wie vor muss man sich drei bis vier Monate Zeit für die Planung nehmen. Aber ich mache das gerne, da es wirklich Spaß macht, die zufriedenen Gäste zu sehen. Die freuen sich teilweise das ganze Jahr darauf, so etwas mitzumachen. Manche legen sogar ihren Urlaub so, dass sie dabei sein können.

Das ist natürlich toll, wenn die eigene Arbeit in der Form gewürdigt wird.
Das ist herrlich! Wir alle, also die 20 teilnehmenden Gastronomen und ich, sind unheimlich stolz darauf. Ich selbst habe mich immer bewusst im Hintergrund gehalten. Ich bin zwar der Initiator, habe den Denkanstoß gegeben und die ersten Barrieren überwunden, aber die Protagonisten der Veranstaltung sind die Köche. Sie machen die Arbeit – eine Arbeit, die man erst mal bewerkstelligen muss. Sich bei so einem Wetter drei Tage lang in eine Pagode, also eine mobile Küche mit vier bis fünf Gasherden zu stellen, in der es schnell 70 bis  80° C sind, und dabei hochqualitative Produkte zu abzuliefern, das muss man erstmal bewerkstelligen! Wir alle zusammen haben "Münster verwöhnt" zu dem gemacht, was es jetzt ist.

Wen wollen Sie denn verwöhnen?
Eigentlich jeden, der unser Konzept interessant findet. Leute, die auf Lebensart stehen, die eine Atmosphäre genießen können und gutes Essen sowie gute Weine zu schätzen wissen. Menschen, die einfach ihre Seele baumeln lassen wollen in einer Atmosphäre, die man sonst in NRW so nicht so leicht findet.

Auch Studenten also?
Durchaus! Gerade für Menschen, die sich den Besuch in einem der edlen Restaurants nicht leisten können oder wollen, haben wir ja ein Preislimit festgelegt: Kein Gericht darf mehr als 8,50 € und eines muss weniger als 5 € kosten. So hat wirklich jeder die Möglichkeit, diese Art von Gastronomie kennen zu und schätzen zu lernen.

Was erwartet uns denn neben dem guten Essen auf der Veranstaltung?
Ein tolles Ambiente. An den drei Veranstaltungstagen haben wir ein Rahmenprogramm: Varieté, eine Oldtimershow, die Kinderkochschule und im Hintergrund jazz- und blueslastige Livemusik.

Ein Genuss für alle Sinne.
Genau richtig! Darum geht's uns!

Haben Sie einen besonderen Tipp für den Besucher?
Na, also einen Stand möchte ich hier natürlich nicht empfehlen. Aber ich rate allen, sich mit Hilfe des Programmhefts einen Plan zu erstellen und so viel wie möglich zu kosten! Vor allem bei Betrieben, die man noch nicht kennt und Speisen, an die man sich noch nie rangetraut hat.

Was würden Sie niemals essen?
Ööhhh … Leberkäse! (lacht)

Bitte? Ich dachte jetzt an so was wie Heuschrecken …
Nee. Also ich mag ja eigentlich alles. Als Halbspanier und Halbmakedonier ist mir schon einiges untergekommen. Aber Leberkäse geht gar nicht!

Ist Essen Kultur?
Absolut! Kultur definiert sich ja gerade auch über Essen, Musik und Genuss – Lebensart wie man so schön sagt. Es ist natürlich schön, die Vielfalt kennen zu lernen. Genau die möchten wir auch unseren Besuchern am Schloss präsentieren.

Bitte wählen Sie: McDonalds oder Burger King?
Also normalerweise würde ich da gar nicht wählen.

Aber jetzt müssen Sie!
Na, wenn das so ist, dann nehme ich McDonalds!

Aha … so einer sind Sie also.
(Lacht) Jahaaa!

Haben Sie denn heute schon zu Mittag gegessen?
Nein. Noch nicht.

Dann haben Sie ja bestimmt auch Hunger. Was gibt’s denn heute Leckeres bei Ihnen?
Heute gibt's bei uns einfach einen schönen Salat mit Hähnchenbruststreifen, ein Glas Wasser dazu, ein Stück Brot, das muss bei uns Spaniern einfach sein – leichte Kost bei dem Wetter!

Herr Romero, dann wünsche ich Ihnen einen Guten Appetit! Vielen Dank fürs Gespräch und viel Erfolg für "Münster verwöhnt!"


Vita:
Münster verwöhnt uns wieder! Vom 23.07. – 25.07.2010 erwarten die Besucher täglich ab 11 Uhr neben Gaumenfreuden aller Art, auch weitere Highlights: Am Freitagabend stimmt Tobias Sudhoff, bekannt aus dem GOP-Varieté, Gäste und Gastronomen auf die Veranstaltung ein. Sonntags dürfen die kleinen Münsteraner an den Herd – von 13 bis 17 Uhr unterrichtet Holger Wegmann, Vizepräsident des VKD, in der Kinderkochschule. Oldtimerfans erfreuen sich an der Ausstellung der Kiepenkerl Klassik. Weitere Infos zu Anfahrt und Programm sowie das Programmheft zum Download gibt's auf www.muenster-verwoehnt.de.

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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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