Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 24.06.2010

MÜNSTER IS(S)T ERSTKLASSIG!

„Lassen wir die Klassenfahrt beginnen!“, ruft Peter Duyster. Prompt sausen zwei original 50er Jahre Oldtimerbusse um die Ecke der Königsstraße. Von den Kellnern des Restaurants Caputo’s werden wir mit einer „Butterbrottüte“ der besonderen Art ausgestattet und schon geht es auf zu Münsters erster Kulinarischen Klassenfahrt. Dass gar nicht sture Westfalen aller Altersklassen auf dieser Klassenfahrt herzlich willkommen sind, wie durch eine Prise Nostalgie die richtige Romantik erzeugt wird und warum ein Gastronom ruhig öfter mal fernsehen sollte, erklärt mir Carmelo Caputo, einer der Initiatoren des Events.
Anna Lohmeier fährt Bus mit Carmelo Caputo.
Herr Caputo, dies ist wohl der schnuckeligste Bus, in dem ich je gesessen habe.
Ja, ein ganz normaler Linienbus hätte nicht zu diesem Event gepasst, da wäre die Romantik verlorengegangen. Hier in diesem Oldtimerbus ist nichts so groß, es ist noch alles schön muckelig, man kann sich an den alten Instrumenten erfreuen, die schaffen eine gewisse Nostalgie.

Was erwartet mich denn heute auf unserer Klassenfahrt?
Wir werden heute ein 7-Gänge-Menü verteilt auf das ganze Stadtgebiet genießen. Pro Restaurant wird ein Gang serviert. Solch ein Event hat Münster noch nicht gesehen!

Wie kam Ihnen die Idee dazu?

Die Idee kam durch eine Fernsehsendung, in der über ein ähnliches Event in Kitzbühl berichtet wurde. Dort wurde eine Art Küchenparty veranstaltet. Eine kleine Gruppe von ca. 15 Personen ist mit einem Kleinbus von Hotel zu Hotel gefahren und hat in den Hotelküchen Gerichte probiert und mit den Küchenchefs geredet. Als ich das gesehen habe, dachte ich mir, das könnten wir eigentlich auch machen. Vielleicht in etwas anderer Form, etwas gepflegter, etwas klassischer.

Daher sicher auch der Name Klassenfahrt, oder?

Also, der Name Klassenfahrt kommt natürlich von Klasse, soll aber auch gleichzeitig witzig sein, wie die Klassenfahrten früher. Die Betonung liegt aber auf Klassenfahrt mit Klasse. Deshalb haben wir auch darauf geachtet, dass die teilnehmenden Restaurants zu den führenden hier in Münster gehören. Mit dabei sind die Restaurants Caputo’s, Giverny, Am Aasee, Eggert, Hof zur Linde, Jedermann, die Villa Medici und die Weinbar Ideál.

Mussten Sie Ihren Kollegen die Idee erst schmackhaft machen, oder waren sie direkt Feuer und Flamme?
Ich habe die Kollegen angesprochen und alle waren sofort begeistert. Wir haben uns dann zusammengesetzt, sind das Konzept durchgegangen und waren uns einig, dass es sehr gut zu Münster passen würde.

[Etwa zwei Stunden später und um einige kulinarische Genuss-Erfahrungen reicher verlassen wir heiter Münsters Innenstadt, um den weiten Weg nach Handorf anzutreten.]

Wir sind gerade auf dem Weg zum Eggert, einem Restaurant, das sich durch eine sehr vielfältige Speisekarte auszeichnet.
Das ist richtig. Es ist uns wichtig, eine vielfältige Küche anzubieten. Diese Vielfalt kann natürlich nur erreicht werden, wenn man ganz unterschiedliche Küchen, sprich auch verschiedene Nationalitäten, integriert. Bei der kulinarischen Klassenfahrt kommen wir in den Genuss der italienischen und französischen Küche, sowie auch der deutschen und spanischen. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist, dass wir auf dem Weg nach Handorf die schöne Landschaft des Münsterlandes genießen können.

In den Genuss schöner Ausblicke kommen wir heute häufiger. Grade noch lag der von der Sonne glitzernde Aasee vor uns.
Auf der Terrasse des Restaurants Am Aasee unter den Sonnenschirmen zu sitzen, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und dabei den wirklich sehr guten hausgeräucherten Zarlachs in Kombination mit Pesto-Kartoffelsalat zu genießen, hatte schon ein ganz besonderes Flair. Das Gericht an sich war sehr stimmig und harmonierte perfekt mit dem warmen Wetter.

Haben Sie im Voraus zusammen mit Ihren Kollegen eine Menüfolge konzipiert?
Nein, jeder teilnehmende Gastronom hat für sich entschieden, welche Speisen und Weine serviert werden. Ich könnte mir vorstellen, dass wir beim nächsten Mal auch über das Menü gemeinsam reden werden, aber wir sind alle Profis und ich denke, wenn man sich auf solch ein Event einlässt, weiß man auch, was dazu passt. Wichtig ist, dass es von Menü zu Menü, von Wein zu Wein immer eine gewisse Steigerung gibt, dadurch entsteht die Harmonie einer Menüfolge.

Die ganze Veranstaltung zeugt ja wirklich von Kollegialität unter Münsters Gastronomen. Gibt es denn in Ihrer Branche gar keine Konkurrenz?
Na ja, Sie sehen das auch in der Innenstadt, es sind viele Restaurants, die als Nachbarn arbeiten und da steht man in einer gewissen Konkurrenz, aber nichtsdestotrotz gibt es da auch eine gewisse Synergie, die man sich von der Zusammenarbeit verspricht. Für den einen oder anderen Gast sind auf der Kulinarischen Klassenfahrt bestimmte Restaurants Neuland und die denken sich: „Hier ist es wirklich schön, hier komme ich gerne mal wieder hin.“

Wenn ich mich so umschaue, fällt auf, dass unsere Reisegruppe vor allem aus Ü-30ern besteht. Ist das auch eher die Zielgruppe des Events?

Also, von Zielgruppe würde ich gar nicht mal reden. Wenn überhaupt sind das diejenigen, die Spaß an gutem Essen haben, an guten Weinen und an schöner Unterhaltung mit anderen Menschen. Wenn man diese Voraussetzungen mitbringt, dann ist es auch egal, wie alt man ist. Als ich mich mit 27 Jahren mit der Villa Medici selbstständig gemacht habe, hatte ich auch schon Freude an gutem Essen, Getränken und allem, was dazu gehört. Natürlich ist das auch immer eine Frage der finanziellen Möglichkeiten, aber eine Veranstaltung wie diese ist ja auch etwas ganz Besonderes, das man sich nicht jeden Tag gönnt.

Mit 148 € ist die Kulinarische Klassenfahrt ja auch nicht ganz billig.
Nein, billig ist das nicht, aber alles ist schon seinen Preis wert. Wir wollten ja auch in der Lage sein, durchweg eine vernünftige Qualität anbieten zu können. Die einzelnen Restaurants haben den Preis schon sehr niedrig gehalten, aber der Bus schlägt natürlich auch zu Buche. Ein großes Gewinngeschäft war der Tag an sich nicht, aber das war auch nicht der Sinn der Sache.

[Erschöpft, aber fröhlich und vor allem gut genährt sitze ich Herrn Caputo gute acht Stunden später im Ideál gegenüber.]

Um mich herum sehe ich nur strahlende Gesichter. Die Klassenfahrt kann wohl als voller Erfolg verbucht werden.
Ich habe noch keine einzige kritische Stimme gehört, die Resonanz ist durchweg positiv. Sowohl die kulinarischen Genüsse als auch das Konzept an sich sind sehr gut angekommen. Man hat schon heute Morgen gesehen, wie locker alle miteinander umgegangen sind und über den Tag hinweg wurde die Stimmung immer ausgelassener.

Ganz konträr zum Bild des reservierten Münsteraners.

Ja, man spricht immer von den sturen Westfalen, aber dieses Bild kann ich nicht bestätigen. Ich habe in meinem Beruf schon so viele Bekanntschaften und sogar Freundschaften entstehen sehen. Oft bei Weindegustationen wie dieser hier im Ideál. Die Gäste freuen sich immer, neue Menschen kennenzulernen, und dadurch entsteht ja auch der Spaß. Ich denke, auch nicht zuletzt darum sind viele der Teilnehmer im Laufe des Tages schon auf mich zugekommen, um sich für nächstes Jahr anzumelden.

Also findet das Event auf jeden Fall wieder statt?

Auf jeden Fall! Aber ich denke, dass es bei einem Mal im Jahr bleiben sollte. Es muss ja auch eine gewisse Spannung erhalten bleiben. Eventuell werden wir die Reiseroute noch etwas erweitern, um auch in den Bussen ein bisschen Bewirtung anbieten zu können. Dennoch könnte ich mir vorstellen, in zwei oder drei Jahren mal eine etwas andere Fahrt zu veranstalten. Das wäre dann ein Event, das großflächiger stattfinden würde, also über die Grenzen des Münsterlandes hinaus. Und außerdem gibt es ja nicht nur Oldtimerbusse, sondern auch andere Arten von Oldtimern.

Dieses Mal haben Sie und Ihre Kollegen die Gäste der Klassenfahrt direkt eingeladen. Wie sollte man vorgehen, wenn man nächstes Jahr auf jeden Fall dabei sein möchte?

Ich rechne damit, dass durch die Mund-zu-Mund-Propaganda viel Interesse für das Event geweckt werden wird. Sicherlich ist es dann am sinnvollsten, sich an mich oder einen der anderen teilnehmenden Gastronomen zu wenden und sich für nächstes Jahr schon mal vormerken zu lassen. Ich muss an dieser Stelle noch ein großes Kompliment an all die Kollegen aussprechen – jeder hat sich reingekniet und jeder hat dafür gesorgt, dass alles zu hundertprozentiger Zufriedenheit verlaufen ist.

Dem kann ich nur beipflichten. Vielen Dank für den erlebnisreichen Tag, die kulinarischen Hochgenüsse und die nette Unterhaltung!



Vita:
Carmelo Caputo wird am 27.02.1966 in der Nähe des Comer Sees geboren. Um eine Hotelberufsschule zu besuchen, kommt er 1977 nach Deutschland, eigentlich nur für ein Jahr. Daraus sind nun schon 33 Jahre geworden. Im Alter von zarten 27 Jahren hat er sich in Münster mit der Villa Medici selbstständig gemacht und diese unter den renommiertesten Restaurants der Stadt etabliert. Vor acht Monaten eröffnete er in der Königsstraße das Caputo’s, einen kleinen Ableger der Villa Medici. Ideen wie die Kulinarische Klassenfahrt muss man anpacken und durchziehen, für Lethargie ist kein Platz, sagt Carmelo. Für Informationen und Anmeldungen zur Kulinarischen Klassenfahrt im nächsten Jahr steht er gerne persönlich zur Verfügung. www.caputos.de

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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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