Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 10.06.2010

JUMP

Martin Grauert springt so weit wie ein Känguru und läuft so schnell wie Usain Bolt. Und das allein mit der Kraft seiner Beine. Na ja, zugegeben, er hat ein kleines Hilfsmittel: Zwei Hightech-Glasfaser-Sprungstelzen, auch bekannt als Powerizer oder Siebenmeilenstiefel, verleihen ihm die nötige Schubkraft für derartige Höchstleistungen. Seit rund einem Jahr machen Martin und einige andere Springinsfelds mit diesem Equipment Münsters Straßen unsicher. Im Interview spricht Martin von Maschinenhasen, Ampelflirts und der Alternative zum Fahrrad …
Urs Spindler trifft Martin Grauert.
Martin, wie groß bist du denn ohne künstliche Hilfsmittel?
Ohne Stelzen bin ich eins achtundachtzig. Die Stelzen machen mich noch mal ungefähr vierzig Zentimeter größer.

Wärest du nur eins sechzig, könnte man denken, du wolltest da was kompensieren …
Nee, das muss ich zum Glück nicht. Obwohl es schon ein gutes Gefühl ist, wenn du knapp einen halben Meter über allem anderen stehst. Jeder muss zu dir aufschauen, das ist nicht schlecht.

Du fällst auch etwas mehr auf, als Student Klaus mit Joggingschuhen und Trainingshose.
Ja, neunzig Prozent der Leute gucken, wenn ich irgendwo entlang laufe. Und fünfzig Prozent drehen sich noch mal um, wenn ich vorbei bin. Ich glaube, viele kennen den Sport einfach noch nicht, auch wenn die Stelzen schon seit einigen Jahren auf dem Markt sind. Es ist halt ein außergewöhnliches Sportgerät.

Was tuscheln die Leute denn so, wenn du vorbeispurtest?
Zum Teil höre ich da ganz lustige Sachen. Maschinenhase hatte ich vorhin, Hoppelhase, Känguru. „Der sieht ja aus wie aus Star Wars“ hatte ich auch schon mal.

Hast du von da oben schon mal Frauen angegraben?
Ja klar, das kommt schon mal vor. Die Blicke bekomme ich so oder so. Die erste Hürde ist damit überwunden und dann kann man auch gut ins Gespräch kommen.

Die Stelzen werden auch „Siebenmeilenstiefel“ genannt. Bist du damit wirklich schneller als zu Fuß?
Ja, wenn ich mit den Stelzen zügig jogge, bin ich schneller, als wenn ich ohne sprinten würde. Manchmal überhole ich auch einen Fahrradfahrer. In dem Sinne stimmt Siebenmeilenstiefel schon. Aber eigentlich ist das nur der Name einer Marke, die die Teile anbietet. Ich nenne sie eher Sprungstelzen.

Egal ob Stelze oder Stiefel: Wie funktioniert denn der Sprungmechanismus?
Im Prinzip besteht die Stelze aus einem Gerüst aus Aluminium und einer Feder aus Glasfaser oder Carbon. Die Federn gibt es in verschiedenen Stärken, je nachdem, wie viel du wiegst. Bei 30 Kilo geht es los, 120 Kilo ist das Maxium. Die Feder drückt sich bei Belastung durch und das sorgt dann für den Sprungeffekt. Dann ist unten noch ein Gummifuß montiert, der ist abgerundet, damit man eben runde, flüssige Bewegungen machen kann. Und das ist im Prinzip das ganze Geheimnis.

Hast du manchmal Angst, dass dir mitten im Sprung die Feder bricht?
Bei stärkerer Belastung besteht die Möglichkeit, dass die Federn brechen. Ich habe den Fehler gemacht, meine Stiefel eine Zeit lang im Kofferraum liegen zu lassen. Da haben sie ein paar Blessuren abbekommen, gegen Schläge ist die Glasfaser ein bisschen empfindlich. Wer da auf Nummer sicher gehen will, kann sich einfach einen zusätzlichen Federschutz besorgen. Aber so ohne weiteres brechen die nicht.

Auch wenn die Feder hält: Man kann sich mit den Stelzen ganz gut lang machen, oder?
Ja, ich hab mich schon drei, vier Mal richtig hingelegt. Zum Beispiel letzten Herbst, schön vor der Ampel am Amtsgericht. Da habe ich ein paar nasse Blätter übersehen und dann lag ich da. Beim Springen passiert das nicht so leicht, da kann man das gut austarieren. Aber wenn man läuft, kommt man mal ins Straucheln und dann kann man den nächsten Schritt nicht schnell genug machen. Auch mit Protektoren bist du gegen ein paar Blessuren nicht gewappnet, weil du ziemlich schnell unterwegs bist und ja auch aus einiger Höhe fällst.

Wie oft hast du denn auf der Nase gelegen, bevor du die ersten Schritte geschafft hast?
Der Anfang ist gar nicht so schwer. Ich hab die Stelzen zuerst bei einem Kumpel ausprobiert und gehen konnte ich schon nach zehn Minuten. Erst stützt man sich auf seinen Partner, dann hangelt man sich von Laterne zu Laterne und dann klappt es meistens schon. Nach einer halben Stunde habe ich schon die ersten Jogging-Versuche gemacht. Das Springen traut man sich dann nach und nach.

Wenn du läufst, knallt es jedes Mal ganz schön laut, wenn du die Stelze aufsetzt. Geht das nicht voll auf die Knochen?
Angeblich, also laut Hersteller, ist das Joggen mit den Sprungstelzen gesundheitsschonend, weil die Feder hinten das Gewicht abfängt. Ich habe auch schon von Kritikern gehört, dass der Schlag beim Aufkommen zu extrem ist für die Gelenke. Auf jeden Fall ist es anstrengender als Joggen, weil man mehr Muskeln braucht, um die Sprungbewegung auszugleichen. Wenn du schnell läufst, ist jeder Schritt drei, vier Meter lang. Da wirken schon ganz ordentliche Kräfte. Nach den ersten paar Trainingsrunden taten mir auch Muskeln weh, die ich vorher noch gar nicht kannte.

Muss man denn besonders sportlich sein, um mit den Sprungstelzen gut vorwärts zu kommen?
Ich bin vorher gejoggt, hatte aber ein paar Probleme mit den Sprunggelenken am Fuß.

Ausgerechnet …
Ja, da trifft es sich ganz gut, dass die Sprungstiefel an der Stelle starr sind. Die Bewegung kommt ja immer aus dem ganzen Bein, das nimmt in dem Fall schon die Belastung vom Gelenk. Man muss für den Sport auch nicht irre fit sein. Wobei es schon ziemlich anstrengend ist. Wenn ich eine gute Stunde laufe, bin ich danach platt.

Wo ist denn normalerweise deine Rennstrecke hier in der Stadt?
Wenn ich viel Zeit habe, fahre ich mit dem Bus in die Stadt und laufe ein Mal rund um die Promenade rum. Das ist eine Etappe, die man gut bewältigen kann. Aber eigentlich kann man auf jeder Strecke laufen, die gut asphaltiert ist.

Gerade wenn es Sommer wird, sind in Münster viele Fahrradpolizisten unterwegs. Zählst du eigentlich als Fußgänger?
Gute Frage. Ich warte noch auf den Moment, dass mich mal einer anhält, weil ich auf dem Fahrradweg laufe. Bisher ist das nicht passiert. Aber ich glaube auch, dass ich in dem Moment noch den Überraschungsbonus hätte.

Apropos Verkehrssicherheit: Wie bremst man denn mit Sprungstelzen?
Das geht natürlich nicht – wie beim Joggen – mit dem nächsten Schritt. Der Bremsweg ist auch abhängig vom Untergrund, aber ein Stopp innerhalb von zwei Metern, das kann man schon schaffen. Im Zweifelsfall kann man immer noch ausweichen.

Sie sind schnell, sie sind sicher – sind die Sprungstelzen vielleicht eine Alternative zum Fahrrad für den trendbewussten Münsteraner?
Ja, warum eigentlich nicht? Ich bin auf jeden Fall schneller als einige Radfahrer. Dafür ist man aber nicht besonders ausdauernd mit den Stiefeln und kommt schnell ins Schwitzen. Jede Stelze wiegt immerhin zwei, drei Kilo. Außerdem muss man die Stelzen immer mitschleppen. Insgesamt kommt man vielleicht in kürzerer Zeit von A nach B. Aber bis du allein die Protektoren und die Stiefel angelegt hast, da bist du mit dem Fahrrad schon einen Kilometer weiter.

Sind dir unterwegs schon mal andere Leute mit Sprungstelzen begegnet?
Nein, so eine Zufallsbegegnung habe ich bisher nie erlebt. Aber es gibt eine StudiVZ-Gruppe, über die haben wir uns schon mal mit ein paar Leuten verabredet. Außerdem gibt es einen Verein in Lünen, da bin ich hin und wieder zu Gast. Die treffen sich jeden Sonntag zwischen zwei und sechs Uhr nachmittags in einer kleinen Sporthalle. Da kann man Tricks probieren und Springen üben. Zum Training kann jeder gerne vorbeikommen. Da gibt es auch ein paar Leihstelzen für Gäste, die das erst mal ausprobieren wollen.

Ist das denn ein reiner Studentensport?
Nein, das ist ganz unterschiedlich. Der Älteste bei uns im Verein ist so um die Fünfzig, dann ist eine ganze Familie dabei, mit drei Kindern zwischen fünf und dreizehn Jahren, natürlich noch ein paar Studenten, einige Berufstätige.

Was kann man mit den Sprungstelzen denn noch so machen, außer die Promenade rauf und runter laufen und vielleicht besonders gut die Decke streichen?
Man kann natürlich noch Tricks lernen, die Grätsche zum Beispiel, oder einen Spagat in der Luft. Es gibt auch Leute bei uns im Verein, die vom Turnen kommen und dann mit Sprungstelzen Salti und Schrauben machen. Aber das ist mir doch ein bisschen zu wild.

Danke für das Gespräch!



Vita:
Martin Grauert, 1986 in Ibbenbüren geboren, studiert im fünften Semester BWL in Münster. Schwerpunkt: Steuerrecht. Als Ausgleich zum Aktenwälzen spurtet er seit gut einem Jahr mit Sprungstelzen über die Münstersche Promenade. Mehr Infos zu Sprungstelzen und dem Trendsport "Bouncen" gibt es unter www.quantensprung-ev.de. Für Münsteraner, die Lust auf Stelzensport haben, empfiehlt sich die StudiVZ-Gruppe "7 Meilenstiefel, Poweriser & andere "Springstelzen" in Münster".

Kommentare

Kommentar von unbekannt:
(11.06.2010 22:02 Uhr)

Den habe ich auch schonmal gesehen!

Ziemlich süß

gruß Angie58


Kommentar von Martin:
(16.06.2010 16:55 Uhr)

Oh Süß bin ich...

wenn du es mal ausprobieren willst schreib einfach nochmal


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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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