Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 27.05.2010

DER SCHÖNSTE PLATZ IST IMMER AN DER THEKE

Lisanne, Julian und Stefan haben ein gemeinsames Lieblingstier, den Zapfhahn. Sie sehen ihn jeden Tag, wenn sie sich aus ihren Betten pellen. Vor einem Jahr waren die drei auf Wohnungssuche in Münster und zogen kurzerhand in eine renovierungsbedürftige Kneipe plus Theke, Zapfhahn und Kegelbahn. Verrückt! Vor ein paar Wochen schmissen sie eine Party für ca. 350 Leute, da sie im Finale des Gewinnspiels der Biermarke Grolsch standen. Der Sieg war nur noch Formsache und ab sofort wohnen Lisanne, Julian und Stefan in der „Grolsch-WG“!
Claus Hensel trifft Julian, Lisanne und Stefan.
Wie habt ihr diese Bude gefunden?
Stefan: Die Räumlichkeiten waren ganz normal in einer Kleinanzeige ausgeschrieben. Da war aber von einer WG noch nicht die Rede. Es war noch nichts umgebaut und alles sah aus wie „Kraut und Rüben“.
Julian: Das war eine etwas merkwürdige Anzeige. Da stand etwa: „Wohnung (70 qm) für 750 Euro kalt (plus Kneipe)!“ Da haben wir erst mal beim Vermieter angerufen, was das überhaupt heißt, mit Kneipe?!

Ist bei euch nun jede Woche Party, seitdem ihr in einer Kneipe wohnt?

Stefan: Nicht ganz so extrem, aber für Geburtstage und andere Termine bietet sich die „Wohnung“ schon an.
 
Wie seid ihr auf die Biermarke Grolsch und das Gewinnspiel aufmerksam geworden?

Stefan: Eigentlich wollten wir schon bei der ersten Runde des Gewinnspiels mitmachen. Irgendwie hat das nicht hingehauen. Eines Tages saßen wir bei einem leckeren Bier im Rick’s Café und haben Mitbewohnerinnen gecastet, also Lisannes’ vermeintliche Vorgängerinnen.
Lisanne: Als ich dann gecastet wurde, habe ich sofort erfahren, dass wir eventuell bei der „Grolsch-WG“ mitmachen.
 
Nochmals: Ihr habt im Rick’s ein Casting durchgeführt?
Julian: Genau! Da gab es eine Bewerberin, die meinte: „Kneipe? Super! Dann könnten wir ja auch bei der „Grolsch-WG“ mitmachen!“ [lacht] Tja, die Bewerberin haben wir nicht genommen, aber die Idee war gut.
 
Was musstet ihr auf euch nehmen, um den Titel „Grolsch-WG“ zu gewinnen?
Stefan: Zuerst richtet man sich auf der entsprechenden Seite seinen eigenen Blog ein. Dort kann man Bilder und Videos hochladen. Daraufhin gab es vier verschiedene Arten, Punkte zu erlangen, um in die Endrunde zu kommen. Zum einen mussten sich Buddies anmelden und registrieren lassen.
 
Buddies?
Stefan: Einfach Freunde, wie bei anderen Internetportalen. Dann gab es Punkte durch bestimmte Wochenaufgaben.
 
Was habt ihr da in der Woche so gemacht?
Stefan:
Highlight war mit Sicherheit das „Bügel-Steak“!
 
Was habt ihr da denn schon wieder veranstaltet?
Stefan: Grolsch gibt es in einer Bügelflasche und plötzlich gab es in einer Woche das Thema „Bügeln“. In Osnabrück haben sich daraufhin Leute mit einem Bügelbrett in die Innenstadt gestellt und losgelegt.
Julian: [schmunzelt] Man sollte so außergewöhnlich bügeln, wie man noch nie gebügelt hat! Das haben wir dann auch gleich mal ausprobiert und dokumentiert. Alles zu sehen auf der „Grolsch-WG“- Internetseite.
Stefan: Wir hatten gedacht, wir müssen eigentlich mal grillen. Da wir zu dieser Zeit keinen Grill hatten, blieb uns nur das Bügeleisen. Das hat hervorragend funktioniert.
Lisanne: Das Bügeleisen war sowieso zu nichts mehr zu gebrauchen, da haben wir unser Steak dann mit gebügelt. Sehr lecker! Danach konnte man das Bügeleisen aber noch weniger verwenden!
 
Buddies und Wochenaufgabe! Wie habt ihr weitere Punkte gewonnen?
Julian:
Bier trinken!
Stefan: Genau! Die weitere Möglichkeit Punkte zu gewinnen, war Bier zu trinken. Entweder man ging in eine dieser Grolsch-Kneipen hier in Münster, wo eben Grolsch vertrieben wird. Für jede gekaufte Flasche bekam man einen Punkt. Oder man kaufte das gute Nass kistenweise in Getränkeläden.10 Punkte gab es pro Kiste.
Lisanne: Alle Käufe wurden auf einer Punktekarte dokumentiert und an Grolsch geschickt.
 
Wie locker seid ihr in die Endrunde gekommen?
Stefan: Schon locker! Wir hatten knapp 600 Punkte.
Lisanne: Im Grunde hatten wir nur eine richtige Verfolger-WG. Die Anderen kamen punktemäßig nicht an uns heran.
Julian: Die Anderen haben sich nicht so richtig um die Wochenaufgaben gekümmert, aber gerade dort gab es recht viele Punkte. Die anderen WGs haben mehr Bier getrunken!

Wie ging es weiter, als ihr wusstet: „Finaaale, oho“?
Julian: Grolsch hat uns 400 Euro und 48 Kisten Bier in die Hand gedrückt und dann waren wir gefragt. Freundlicherweise hatte Grolsch darauf hingewiesen, dass je nach Party für die WGs Zusatzkosten entstehen können. Letztendlich haben wir das Budget erst kurz vor der Party bekommen. Dekoration und andere Vorbereitungen haben wir so vier Wochen vor der Party begonnen.

Wann habt ihr erfahren, dass ihr im Finale seid?

Julian: Wir haben irgendwann beschlossen, dass wir im Finale sind! Theoretisch konnte man über den Bierkistenkauf ins Finale kommen. Als wir zum Schluss viele Punkte hatten, haben wir einfach angefangen, die Party zu organisieren und wenn es nachher nicht geklappt hätte, dann hätten wir noch etliche Kisten kaufen müssen.
Lisanne: Die definitive Zusage für das Finale haben wir zwei Wochen vor der Party bekommen.
 
Eure frühe Vorbereitung hat euch also den Arsch gerettet?

Lisanne: Auf jeden Fall! In zwei Wochen hätten wir keine Party auf die Beine stellen können. Wir hatten ja gerade mal unsere Zimmer, die Küche und den Rest der Bude renoviert. In der Kneipe sah es noch so verheerend aus wie beim Einzug. Da hieß es nochmals: Renovieren und Streichen was das Zeug hält!
 
Ihr habt eine Party für 350 Leute geplant. Wie gewinnt man die Nachbarn für sich oder stellt sie ruhig?
Julian: Wir haben ganz viel Geld in die Hand genommen, sind in einen Supermarkt gegangen und haben für jeden Nachbarn jeweils einen Piccolo und eine Packung Merci gekauft.

Und? Stand die Nachbarschaft
auf Sekt und Schokolade?

Lisanne: Es gab dazu auch noch eine Einladungskarte zur Party. Wir hatten seit unserem Einzug noch keine Einweihungsparty. So haben wir beides verbunden.
 
Hat die Nachbarschaft den Altersschnitt auf der Party gehoben?

Stefan: Die Älteste war 83 Jahre alt!
Lisanne: Viele Nachbarn kennen unsere Wohnung noch als richtige Kneipe.
Stefan: Laut deren Aussagen war aber noch nie so viel los!
 
Gab es Probleme mit der Polizei?
Julian: Irgendwann um 04:30 Uhr kam ein Streifenwagen. Wir sollten ein wenig den Bass rausnehmen. Das war alles!
 
350 Gäste waren auf eurer Party. Kanntet ihr alle Personen?

Stefan: Um Gottes Willen! Ein gutes Drittel hatten wir noch nie gesehen.
Julian: Wer weiß schon, wer das alles war!
 
Die letztendliche Entscheidung über den Gewinner hat eine Jury getroffen. Hat die Jury sich auf der Party zu erkennen gegeben?
Lisanne: Inkognito sind die nicht erschienen.
Stefan: Die Jury bestand aus drei Gruppen, die an dem Abend umhergefahren sind. Die letzte Gruppe kam um 0:30 Uhr. Um 02:30 Uhr kamen die meisten der Jurymitglieder wieder, um weiter zu feiern. Wir haben uns dort schon gedacht, dass es vielleicht für uns gereicht haben könnte.
 
Nach welchen Kriterien hat die Jury bewertet?
Lisanne: Auf jeden Fall die Stimmung auf der Party und den guten Umgang mit Alkohol. Wir haben daraufhin auf unserer Party Spenden gesammelt, anstatt Eintritt zu nehmen.
Stefan: Wir sollten verantwortungsbewusst mit Alkohol umgehen und da wir beim Trinken schlecht Verantwortungsbewusstsein zeigen können, sind wir auf die Spendenidee gekommen. Es sollte also keine „Wir hauen uns tierisch einen rein“-Party werden. So haben wir knapp 700 Euro für den Malteser Hilfsdienst gesammelt!
 
Ihr habt die Leute sicherlich nicht nur mit Bier unterhalten. Wie sah es mit Musik aus?
Stefan: Wir hatten einen DJ und zwei Live-Bands. Bei den Bands handelte es sich um „Me & My Monkey“ und „Toon-Fish“, nur um das auch mal zu betonen!
 
Grolsch hatte euch schon darauf hingewiesen und ihr hattet es schon befürchtet: Wie steht es denn nun um eure Zusatzkosten aufgrund der Party?
Stefan: [lacht] Wir haben minimal etwas drauflegen müssen.
 
Also derbe!?
Stefan: Aber richtig derbe! Mit allen Dingen, von Wohnung streichen bis zusätzlichen Getränken, sind wir nochmals mit 1 200 Euro dabei!
 
Stellt euch vor, ihr hättet nicht gewonnen!
Julian: Dann hätten wir eine dicke Dachlatte gehabt …
 
Als Gewinn bekommt ihr doch jetzt aber auch für vier Monate die Miete bezahlt!

Julian: Ja! Jetzt ist auch alles wieder gut.
 
Wie geht’s nun weiter mit euch?
Stefan: Nun trinken wir vier Monate lang jeden Tag eine Kiste Grolsch und haben jede Woche für drei Stunden eine Putzfrau im Haus.
 
Ihr bekommt also wirklich vier Monate lang 48 Kisten Grolsch?
Stefan: Es gibt natürlich Bedingungen. Entweder schmeißen wir jeden Monat wieder eine Party oder wir unterstützen andere Partys. All das wird wiederum auf der Internetseite dokumentiert.
 
Was wünscht ihr euch für die Zukunft?
Stefan: Unseren Titel zu verteidigen!
 
Vielen Dank für das Gespräch!


Vita:
Lisanne Willing (21), Julian Köster (25) und Stefan Krieger (29) leben in Münster unter spektakulären Bedingungen. Ihr Wohnzimmer ist eine ehemalige Kneipe. Als die Biermarke Grolsch ein Gewinnspiel ins Leben rief, überlegten die drei nicht lange und zogen in den „Kampf“. Ihr Gewinn für vier Monate: jeden Monat 48 Kisten Grolsch, jede Woche eine Putzfrau, Mietbezahlung durch Grolsch und ein Design-Kühlschrank. Doch ganz oben steht der Titel. Die WG „Bar jeglicher Vernunft“ darf sich nun „Grolsch-WG“ nennen. www.grolsch-wg.de

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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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