Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 20.05.2010

5 x 8 x 30 = !

Am Samstag habe ich Geburtstag. Das ist jedes Jahr das Gleiche. Doch diesmal gibt es ein ganz besonderes Geschenk von Thomas Pieper, der mir nämlich extra ein Festival der elektronischen Musik ausrichtet. Oder etwa doch nicht so ganz für mich? Nein, natürlich nicht, doch toll wird’s trotzdem. Thomas und ich sprachen gestern ganz ungeniert über übermorgen, die nächsten Jahre und natürlich tausend andere Dinge. Hier sind sie.
Thorsten Kambach im Gespräch mit Thomas Pieper, dem Mann vom Heaven.
Vor drei bis fünf Jahren sprachen wir über das Heaven. Das Heaven war eure Idee und zwar eine gute. Nun habt ihr wieder nachgedacht. Was kam dabei raus?
Wir haben seit Jahren immer mal wieder über die Idee eines elektronischen Clubfestivals hier in Münster nachgedacht, was sich aufgrund der vielen Locations im Hafen sehr anbieten würde. Wir haben ja selber einige Läden, aber es gibt auch sehr schöne andere Läden, die uns nicht gehören. Doch aufgrund enormer Arbeit, diverser Neueröffnungen und des täglichen Stresses, haben wir die Idee zum Festival immer so ein bisschen vor uns her geschoben. Aber im letzten Jahr ist uns aufgefallen, dass wir in 2010 unser fünfzehnjähriges Firmenjubiläum haben, so dass wir uns gesagt haben, wenn nicht jetzt, wann dann?

Das Dockland gibt es erst seit fünfzehn Jahren?
Ja.

Das kam mir viel länger vor.
Partys veranstalten wir schon länger, aber unsere Firma Dockland gibt es seit fünfzehn Jahren.

Na gut, also ist das Festival gleichzeitig ein Geburtstag.
Genau, denn wir möchten das richtig groß aufziehen. Das soll jetzt nicht ein einmaliges Ding werden, sondern sich in den nächsten Jahren als fester Bestandteil der Münsteraner Kulturszene etablieren.

Wird das etwa dann das Eurocityfest auf Techno?
NEIN! (lacht) Nichts gegen das Eurocityfest, im Übrigen haben wir auch beim Festival einen Partner, der beim Eurocityfest maßgeblich beteiligt ist, nämlich das Jovel, bzw. die Leute, die dahinterstehen. Aber trotzdem nein, denn das Festival wird weit entfernt sein von kirmesartigen Installationen wie Fressbuden und Karussells, die werden da nicht stattfinden, sondern wirklich ein reines Festival für Liebhaber der elektronischen Musik. Kein Schnickschnack drum herum. Der Schickschnack, den wir bieten, sind hochkarätige nationale und internationale Künstler von Weltformat.

Ordentliches Weltformat muss es schon sein.
Genau. Dazu gehört auf jeden Fall Amerikas Favorite DJ „Bad Boy Bill“, dazu gehört die erste Garde der Trance-Künstler wie „Menno de Jong“ und „Dash Berlin“, die gerade einen Preis nach dem anderen einheimsen.

Also nur die Musik zählt, nicht die Effekte?
Nicht ganz, denn natürlich gehören auch schöne Videoanimationen und Dekorationen in den verschiedenen Clubs absolut dazu. Aber dazu gehören keine Pommes- und Würstchenbuden à la Hafenfest oder dergleichen.

Vielleicht sollten wir kurz definieren, was eigentlich ein Festival ist. Eigentlich doch nichts weiter als eine große Partynacht in verschiedenen Clubs, die unter einem Motto stehen, oder?
Deswegen heißt es bei uns ja auch Clubfestival. Das kannst du auslegen, wie du willst, auch eben so, dass es eine Party in mehren Clubs gleichzeitig ist. Genauso wie man auch beim Rock am Ring sagen kann: eine große Party.

Was ist dann der Unterschied zu einem „normalen“ Clubabend?
Als erstes ist es so, dass wir ein Programm haben, das jegliche Spielarten elektronischer Musik abdeckt, bis auf diese Hard-Techno-Geschichten, die sind nicht unser Ding, die passen nicht zu uns. Es gibt ein Ticket für alle Clubs für die ganze Nacht …

… welche Clubs sind denn dabei?
Da sind das Jovel und das Favela, das sind sozusagen die beiden Fremdclubs, die also nicht zu unserer Firmengruppe gehören, dann gibt es das Fusion, natürlich auch das Heaven und den Coconut Beach. Am Beach findet auch das Opening-Konzert statt, da hoffen wir natürlich auf tolles Wetter. Das Opening machen die „The Koletzkis“, das ist ’ne Berliner Band, die mit „Großstadtmärchen“ ein super Debütalbum hingelegt. Die sind extrem gut besprochen und sie spielen auch auf jedem großen Festival in diesem Sommer. Da freuen wir uns ganz besonders drauf, denn auch in Zukunft wollen wir den konzertanten Aspekt in den Vordergrund stellen. Denn es gibt ja auch gerade in der elektronischen Musik ziemlich viele gute Live-Bands, die es absolut lohnt, zu erleben.

Auch aus Münster?
Nö, nö nö.

Nicht?
Wir reden ja hier von nationalen und auch internationalen Acts, die wir nun mal gebündelt in Münster erleben können. Münster erleben wir ja jeden Tag.

Das Festival geht nur eine Nacht, ist das nicht etwas kurz?
Ich denke, auch hier zählt die Qualität des Festivals und nicht die Quantität. Das Festival findet „nur“ am Samstagabend statt. Es geht um zwanzig Uhr los und geht dann bis in die frühen Morgenstunden.

Du weißt schon, was am Samstag außer deinem Festival besonderes los ist, oder?
Dein Geburtstag?

Wieder einmal. Aber den meinte ich ausnahmsweise nicht.
Dann kann es ja nur noch eins sein, nämlich das Fußballspiel.

DAS Fußballspiel.
Natürlich. Und darum zeigen wir im Heaven in der so genannten Palme (der immense Raucherbereich) das Champions League in ganz groß.

Laut?
(leicht irritiert) Eh, ja, auch laut. Sehr laut.

Ist denn die Palme im Heaven wirklich gut geeignet zum Fußball gucken?

Sehr sogar. Denn die Palme ist ja ein abgetrennter Bereich mit einer Riesenglastrennwand und da haben wir natürlich auch einen Videobeamer, der ein extrem großes Bild wirft und natürlich, schließlich sind wir im Heaven, eine gute Tonanlage. Das knallt. Aber selbst mit Verlängerung geht das Spiel maximal bis elf, zwölf Uhr und betrifft somit höchstens die „The Koletzkis“. Das Festival fängt ja auch eigentlich erst um halb elf an.

Wer von euch wählt denn eigentlich die Künstler für so ein Festival aus und nach welchen Kriterien geht ihr vor?

Anhören. Anhören. Anhören. Das Album von den „The Koletzkis“ zum Beispiel gefiel mir auf Anhieb mehr als gut. Außerdem haben wir natürlich einen Riesenpool an Künstlern. Wenn man so lange dabei ist wie ich und immer schon für das elektronische Musikprogramm im Dockland zuständig war, hat man natürlich ’ne Liste von locker 150 Namen von Künstlern, die da in Frage kämen. Dann geht’s zunächst nach dem Ausschlussprinzip. Wer kann überhaupt, denn es gibt ja noch andere Festivals und Events. Wenn man da den Kreis dann schon mal etwas verkleinert hat, kommen natürlich auch kommerzielle Einschätzungen zum Tragen, wer ist Zielpublikum? Wir haben ja eine gesunde Mischung aus Underground und Kommerz. Kommerz in Anführungsstrichen, ob der Sound kommerziell ist, sei dahingestellt, aber die Namen sind sehr populär. Moonbootica und Bad Boy Bill zum Beispiel, die für sich schon einen enormen Bekanntheitsgrad besitzen. Und wenn man das dann alles abgeklopft hat, trifft man eine Entscheidung. Und die habe ich dann alleine getroffen, irgendwann nach vielem Abwägen und Für und Wider.

Gibt es bei dem Festival außer der Musik verbindende Elemente?
Ja, eins vor allem, denn wir haben einen Busshuttle, der permanent zwischen den einzelnen Locations hin- und her pendelt. Obwohl eigentlich alles fußläufig erreichbar ist. Kein Drama eigentlich, aber wer will, kann Bus fahren. Ich meine, vom Heaven zum Jovel, da läufste fünf Minuten …

… oder acht.
Ja, aber der Weg ist durchaus zu Fuß zurückzulegen.

Was für ein Spektrum an Publikum erwartest du?
Wir wünschen uns natürlich wie immer sehr viele Münsteraner Studenten. Das ist auch optisch ein sehr gutes Publikum. Aber wir erwarten auch sehr viele Leute von außerhalb, Ruhrgebiet, Rheinland und Holland. Auf jeden Fall ein sehr bunt gemischtes Völkchen.

Wird aber dann wohl wieder ziemlich eng am Hafen, nehme ich an.
Nicht unbedingt, denn wir haben diesmal die Osmo-Hallen als Parkfläche angemietet.

Kann ich mein Auto über Nacht dann dort stehen lassen oder muss ich dann bis Montag auf mein Auto warten?

Kannste stehen lassen und auch am Sonntag schon abholen. Der Platz wird bewacht sein und nicht geschlossen. Von daher alles easy.

Was kostet das?
Die Parkfläche anzumieten?

Das Ticket für das Festival, meinte ich.
18 Euro.

Das ist aber ein fairer Preis.
Finde ich auch, immerhin gibt es acht verschiedene Floors und über dreißig Acts in fünf Läden.

Was vermutest du, wie viele Gäste kommen werden?
Denken und Vermuten sind zwei verschiedene Dinge. Ab 2 000 Gästen bin ich zufrieden. Das ist ja das erste Mal und das erste Mal ist immer schwierig. Gerade bei solchen Aktivitäten.

Ist das nicht bei allem so?
Fast, aber nicht immer. Wenn man zum Beispiel einen Club eröffnet, sollte das erste Jahr mega burnen und auch das beste, wenn nicht das beste, ein sehr gutes werden. Das ist der Unterschied zu Restaurants. Da kann man in den Aufbau mehr Zeit stecken. Aber wenn man eine Disco, einen Club, eröffnet und im ersten Jahr nicht alles abräumt, der hat verloren. Der macht wieder dicht. Das haben wir mittlerweile mit unseren Erfahrungen begriffen. Also bei einer Club-Neueröffnung sollte mindestens eine hundert Meter lange Schlange auf Einlass warten.

Dann geh ich mich besser schon mal anstellen! Bis Samstag!



Vita:
Thomas Pieper, Baujahr '67, wurde in München geboren. Es folgten das Abitur in Münster, Reisen um die Welt und ein Studium in – na? – Münster! 1994 eröffnete er zusammen mit Christof Bernard den legendären House-Club Dockland am Hafen. Den Club gibt es leider nicht mehr, die Firma Dockland aber schon – und die feiert am 22. Mai den Super Sweet Fifteen! Rocken mit The Koletzkis am Beach (21 Uhr), Mondlandung von Moonbootica im Heaven erleben (1 Uhr), ausrasten bei Bad Boy Bill im Fusion (2 Uhr) – oder lieber Trance im Jovel? Alle Infos unter: www.docklands-festival.de.

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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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