Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 13.05.2010

KNALLHARTE MÄDELS

Auf dem Weg zum Sportplatz höre ich schon von weitem trötende und jubelnde Zuschauer: die Münster Mammuts spielen! Als ich um die Ecke biege, sehe ich sofort die Cheerleader in ihren bunten Kostümen am Rand stehen und ihr Football-Team anfeuern. Nach dem Spiel zeigen die Mädchen mir fast eine halbe Stunde lang diverse Stunts – und manches sieht ganz schön gefährlich aus! Das lassen sie sich aber nicht anmerken. Im Gegenteil, sie haben Spaß, versprühen Energie und verbreiten jede Menge gute Laune! Was der Sport den Mädels bedeutet und ob zwischen Quarterback und Cheerleader Captain was läuft, haben sie mir im Interview verraten…
Annalena Brix trifft die Münster Mammuts Cheerleader.
Hand aufs Herz: Interessiert euch Football überhaupt?
Monique: Ich find, das sieht alles brutal aus, ich guck da lieber nicht so hin. War jetzt auch mein erstes Spiel …
Jacky: Eigentlich ist das schon ganz interessant und manchmal ist das ganz schön schwer zu verstehen. Aber dadurch, dass ich auch die Footballer ganz gut kenne, macht das auch Spaß zuzugucken. Ich find‘s eigentlich ganz spannend!

Du kennst die Footballer ganz gut? Läuft da was zwischen Cheerleadern und Footballern?
Jacky: Nein, also ich kannte die schon vorher beziehungsweise hab sie unabhängig davon kennengelernt! Aber das ist nicht so klischeehaft wie in irgendwelchen amerikanischen Filmen, dass was läuft zwischen dem Quarterback und dem Cheerleader Captain. Das müsste ich wissen (lacht).

Was macht Cheerleading für euch aus?
Julia: Dass man Tanzen und Turnen verbindet, dass beim Training die ganze Zeit Musik läuft und dass man viel mit der Gruppe macht!
Monique: Ja, dass man auch zu Meisterschaften fahren kann und dass man den Sport nicht unbedingt nur so macht, sondern auch Leute damit anfeuern und unterstützen kann.
Jacky: Und ich find vor allem, dass man eben viele neue Leute kennenlernt. Meine besten Freundinnen machen auch alle mit und das hält uns zusammen.

Was für ein Gefühl ist es, Cheerleader zu sein – und verändert euch das?
Steffi: Also, ich bin dadurch selbstbewusster geworden. Ich hab mit 12 angefangen und war ziemlich schüchtern, als ich ankam, und das hat sich stark verändert.
Monique: Man fühlt sich schon stolz, heute auch so das erste Mal mit der Uniform und dass man eine Gemeinschaft ist, eine Gruppe – das macht Spaß!

Was war euer größter Erfolg im Team?
Jacky: Mein größter Erfolg war die Meisterschaft in Lemgo. Das war meine zweite Meisterschaft, das hat mir viel Spaß gemacht und man ist vorher ziemlich aufgeregt. Es ist halt toll, wenn so viele Zuschauer da sind und einem zugucken. Das ist anders als bei jeder anderen Sportart, das ist nicht einfach ein Wettkampf. Das ist irgendwie ein Gefühl und das macht einfach Spaß.

Welche Disziplinen gibt es denn bei Meisterschaften?
Jacky: Es gibt mehrere verschiedene Arten von Cheerleading, es gibt einmal All-Girl, Coed, Jungs und Mädchen zusammen, und es gibt All-Boy, aber auch irgendwie nur in China (lacht). Und dann gibt's noch Kategorien: zum Beispiel Dance, Senior All-Girl Cheer oder Group Stunt, das sind dann fünf Leute.
Steffi: Und Partner Stunt.
Jacky: Ach, stimmt! Das ist dann ein Junge mit ‘nem Mädchen zusammen.

Ursprünglich war das eine reine Männersportart. Wie ist das bei euch?

Jacky: Wir hatten auch mal früher zwei Jungs dabei, aber dadurch, dass die schon älter sind und arbeiten, klappt das nicht mehr so gut.

Würdet ihr sagen, es ist heute sowieso eher ein Frauensport?
Jacky: Ja, leider! Also eigentlich sind Jungs in dem Sport mit das Wichtigste. Wenn man sich gegenseitig hochschmeißt, sind Jungs einfach stärker, das ist halt so. Es ist schade, dass Jungs, die Cheerleading machen, einfach so das Image von Tussis haben oder dass sie eben als weichlich gelten. Eigentlich stimmt das so gar nicht und wir hätten gern viel mehr Jungs.

Was macht ihr denn besonders gern?

Julia: Man hat viele verschiedene Tänze und das find ich so am besten.
Steffi: Ich mag am liebsten Stunten und das Gefühl als Flyer, wenn man dann hochgeschmissen wird, zum Beispiel beim Tossen, oder wenn man sich fallen lassen muss aus der Pyramide. Das Gefühl ist einfach richtig toll!
Monique: Ich find am besten Tumblen, das sind Bodenturnelemente. Wenn man dann nach und nach merkt, wenn man erst Hilfestellung hat, dass man das irgendwann auch alleine schafft. Man merkt sofort, man lernt auch was dabei.

Tanzt ihr nur für die Mammuts?
Jacky: Nein. Man kann uns auch für Auftritte buchen, zum Beispiel für Betriebsfeiern. Man kann uns auch sponsern, dann treten wir natürlich bei allem auf, was mit dem Sponsor zu tun hat. Ansonsten haben wir früher mal Gastauftritte für den UBC Münster gemacht und vielleicht ergibt sich da noch mal was.

Ihr tretet auch beim Sternentag der Aktion Herzenssterne am 15. Mai auf, oder?
Jacky: Genau!

Geht ihr dann auch Blut spenden?
Sanja: Darf ich noch nicht.

Stimmt, ist ja erst ab 18. Apropos Blut – laut einer Studie betreibt ihr den mit Abstand verletzungsreichsten Frauensport. Wie sind eure Erfahrungen?

Monique: Ich hab bis vorgestern noch ein blaues Auge gehabt, weil wir ‘nen Stunt versucht haben und wir nicht richtig gefangen haben. Dann hab ich ein Kinn gegen das Auge bekommen und hatte ‘ne leichte Gehirnerschütterung und ein ganz dickes blaues Auge.
Sanja: Wir hatten auch einmal gestuntet und da hat sich ein Mädchen die Nase gebrochen. Ich denk schon, dass das ziemlich gefährlich ist, was wir machen, auch wenn man's nicht glauben will.
Steffi: Nach jedem Training hat irgendwer irgendwas und wenn es nur so kleine Blutergüsse sind. Das hat man meistens, aber irgendwann merkt man das nicht mehr so (lacht).
Jacky: Das stimmt schon mit dem größten Verletzungsrisiko. Wenn man von oben von der Pyramide runterfällt, fällt man so locker drei Meter runter. Ein Mädchen ist mal mit dem Rücken auf das Knie von einer anderen gefallen und konnte ‘ne Woche lang gar nicht laufen. Oder bei unserer ersten Meisterschaft ist eine umgeknickt, hat sich die Bänder gerissen und musste leider trotzdem in der Pyramide stehen, weil wir sie nicht mehr auswechseln konnten. Ich glaub, es ist eigentlich nicht der förderlichste Sport für die Gesundheit, aber es macht einfach Spaß!

Was zeichnet denn eine gute Cheerleaderin aus?
Sanja: Ich denk mal, dass sie teamfähig sein muss und dass sie Spaß haben muss – auch am Risiko, weil es viel mit Risiko verbunden ist, was wir machen. Und sie sollte sich nicht nur auf eine Art, also Tanzen zum Beispiel, fixieren, sondern alles machen wollen.
Monique: Man muss Disziplin haben. Dass man sich wirklich aufrafft, zum Training geht und fürs Team da ist, auch wenn man ‘nen langen Schultag hatte.

Gibt es bei euch so was wie Tryouts?

Jacky: Vor drei, vier Jahren gab es das noch. Das hat damals wohl auch funktioniert, aber heute ist es ziemlich schwer, Leute dafür zu begeistern. Durch die ganzen Klischees, die im Fernsehen darüber verbreitet werden, wollen die meisten auch gar nicht anfangen mit Cheerleading. Die haben einfach Vorurteile. Deswegen bringt das nichts, ein Tryout zu machen, es sind einfach zu wenige Leute da. In der Regel sind wir für alle offen und schmeißen nie jemanden raus.

Sind die Vorurteile hier größer als in Amerika, wo Cheerleading viel populärer ist?
Monique: Ja, ich denk mal auch, weil ganz viele Leute in Deutschland gar nicht viel davon wissen. In Amerika hat jede Schule ihr eigenes Team und jeder weiß, was da los ist, was man können muss und wie schwierig das auch ist. Das muss in Deutschland noch populärer werden!

Was würdet ihr euch denn wünschen?
Jacky: Ich würd mir wünschen, dass ich nicht jedes Mal, wenn ich sage, ich bin Cheerleader, „Gib mir ein A, gib mir ein B, tanz deinen Namen!“ höre. Das wär mir das Wichtigste. Ich finde, man sollte sich immer erstmal ‘ne Sportart angucken, bevor man so da drüber urteilt.
Steffi: Dann kommt auch immer: „Sind das nicht die mit den Pompons oder Puscheln?“ Das ist auch ein Vorurteil, weil die Leute gar nicht wissen, dass wir Pyramiden bauen oder uns gegenseitig in die Luft schmeißen und dass das eigentlich ziemlich anstrengend ist. Das ist ziemlich schade.
Jacky: Und wenn man sagt, man hat nichts mit Footballspielern, wird einem das auch irgendwie nicht geglaubt.

Tatsächlich hat keiner was mit Footballspielern?
Alle: Nein (lachen).

Gibt es auch irgendwas, was ihr nicht so gut findet? Wenn ihr auf Kommando grinsen müsst und eigentlich ist es gerade total stressig?
Jacky: Also, ich find es manchmal anstrengend, wenn man das Spiel nicht so ganz durchblickt und dann vorne steht und denkt, scheiße, was mach ich jetzt am besten vor, was passt zu der Musik oder zum Spielzug, der jetzt gerade ist. Oder wenn man zum Beispiel was falsch macht, wenn irgendwas runterfällt, dass man sich einfach nichts anmerken lässt und alles noch mal neu macht, auch wenn's einen total genervt hat. Das ist manchmal schwer, weiterzulachen und den Zuschauer nichts merken zu lassen. Und sonst merk ich bei mir selber, dass ich mir das Lachen schon so antrainiert hab, egal was ich mache, ich bin immer am Lachen!

Danke fürs Gespräch!


Vita:
Die Münster Mammuts Cheerleader gibt es schon seit über 20 Jahren. Hauptsächlich unterstützen sie die Juniors und Seniors der Mammuts und nehmen immer wieder an Cheerleading-Meisterschaften teil, wo sie schon zweimal den 5. Platz belegt haben! Wer mitmachen will (gerne auch Jungs), kann einfach mittwochs von 18 bis 20 Uhr zum Training in die Sporthalle der Realschule im Kreuzviertel kommen. Mehr Infos gibt’s unter: www.mammuts.com.

Kommentare

Kommentar von Cheergirl:
(15.05.2010 19:13 Uhr)
Cheerleading for ever!!! GO, FIGHT, WIN!!
Kommentar von unbekannt:
(24.07.2010 13:56 Uhr)
Ich möchte auch soo gerne Cheerleader werden<3
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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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