Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 29.04.2010
ICH BAU ’NE STADT FÜR DICH

Vor zwei Jahren fand es das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie eine gute Idee, was Tim Reinermann und sein Kommilitone Daniel Geißler sich da ausgedacht hatten. Es finanzierte den beiden BWLern großzügig den Start eines eigenen Unternehmens. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn es ist unser geliebtes Münster – ein virtueller Rundgang durch unsere originalgetreu nachgebildete Domstadt. Tim treffe ich nicht im Cyberspace, sondern in echt – zu einem realen Stadtrundgang!
Malte Limbrock spaziert mit Tim Reinermann.
Ein Spaziergang durch unsere City bei Sonnenschein und mitten in der Realität ist nicht zu toppen, oder?
Auf jeden Fall! Wir wollen einen realen Spaziergang ja auch keineswegs ersetzen. Was wir anbieten, ist eine weitere Möglichkeit, die Stadt mit all ihren Facetten kennenzulernen. Natürlich auch für Personen, die die Stadt noch gar nicht kennen – potenzielle Touristen, die sich einen Einblick verschaffen wollen, wo sich zum Beispiel die Lambertikirche, der Domplatz oder die Münster-Information befinden. Wo kann man übernachten, wie geht’s zum Theater? Ein Stadtinformationssystem, grob gesagt.
Hattet ihr die Idee, Münster als 3D-Welt zu erschaffen, ganz von selbst oder gibt es Vorbilder?
Die Idee, die wir damals hatten, war zu dem Zeitpunkt einzigartig. Was wir nicht wussten, war, dass ein Unternehmen parallel das Gleiche entwickelt hat. Witzigerweise kam einer der Gründer auch aus Münster und hatte hier an der Uni studiert. Er hat das dann aber für Berlin hochgezogen, hat mittlerweile auch London und Singapur in 3D dargestellt. Ansonsten ist unsere Idee in Deutschland einzigartig.
Wie sehr geht die 3D-Nachbildung ins Detail? Wir laufen hier jetzt gerade am Prinzipalmarkt entlang. Ist euch das so schön gelungen, wie es in echt aussieht?
Ja, wir glauben schon! Im Innenstadtbereich haben wir sehr detailliert anhand von realen Fotos gearbeitet. Genau wie wir beide es jetzt gerade machen, sind wir hier hergelaufen und haben von allen Objekten Fotos geschossen, davon dann am Computer 3D-Modelle hochgezogen und auf die Modelle die Fotos „gemapt“. Das hört sich jetzt natürlich simpler an, als es in Wirklichkeit war.
Was war besonders kompliziert bei der Nachbildung?
Die Lambertikirche war ziemlich kompliziert wegen der Käfige und vielen Erker. Da wurden wir dann auch hin und wieder drauf hingewiesen, dass die Kirche vielleicht etwas zu kurz geraten sei. Das haben wir dementsprechend nachgebessert. Wir bekommen auch Daten vom Katasteramt, die Breite, Höhe und Tiefe ausweisen, aber Kirchen haben immer die Stockwerkhöhe eins. Das muss man dann ungefähr schätzen oder sich die Informationen irgendwo anders herholen.
Was heißt denn Stockwerkhöhe eins?
Das wäre eigentlich ein Einfamilienhaus. Würde man das dann einfach als 3D-Modell hochziehen, wäre die Kirche nur drei Meter hoch. Das sähe ziemlich komisch aus.
Du bist ja kein ausgebildeter Informatiker. Woher kommt das nötige Know-how für eine solche Sache?
Wir sind da so reingewachsen. Wir modellieren ja nur selbst. Für das Programmieren haben wir Informatikstudenten oder Geo-Informatikstudenten eingestellt.
Hat das Programm auch einen Community-Charakter?
Jeder der sich anmeldet, wird als Avatar dargestellt, mit dem er die Stadt besichtigen kann. Und weil wir das Programm über das Internet anbieten, hat er die Möglichkeit, jeden anderen, der gerade parallel eingeloggt ist, zu sehen. Das heißt, man kann sich an virtuellen Schauplätzen verabreden, statt wirklich rauszugehen. Das kann bei Katerdepression, Liebeskummer oder was auch immer einen gerade plagt, ganz nützlich sein. So kann man auch gemeinsam die Stadt erkunden. Touristen und Münsteraner können sich gegenseitig austauschen. Es besteht auch die Möglichkeit, untereinander zu chatten oder auch zur kompletten Gemeinschaft zu sprechen.
Wie lange habt ihr gebraucht, das Programm auf die Beine zu stellen?
Wir haben im November 2007 das Unternehmen gegründet. Uns kam zugute, dass der Informatiklehrstuhl der Uni Münster schon Grundzüge des Modells entwickelt hatte. Mit denen haben wir eine Kooperation vereinbart und das Modell stetig weiterentwickelt. Die Internetversion gibt es seit Ende Januar. Also zweieinhalb Jahre haben wir schon gebraucht.
Wie war die Resonanz bisher?
Am ersten Tag hatten wir bereits dreihundert Downloads von Münsteranern und Touristen, seitdem kommen jeden Tag etwa 50 dazu. Die Resonanz ist gut.
Wie hat sich denn die Version von Berlin als Vorreiter bisher entwickelt?
Berlin hatte nach einem dreiviertel Jahr ungefähr eine Million Nutzer. Das wurde sehr gut angenommen.
Es gibt im Netz nun aber schon sehr viele Communitys, in denen man Leute treffen und chatten kann. Wo liegt der zusätzliche Nutzen eures Angebotes?
Wir bieten zusätzlich eine Plattform, auf der man die Stadt besser kennenlernt. Das normale Chatten ist bei uns hinterlegt mit einer realen Stadt. Wenn man mal keine Lust hat, rauszugehen, sich aber dennoch in der Stadt bewegen möchte, hat man die Möglichkeit, das virtuell zu machen. Viele Annehmlichkeiten, die man im normalen Stadtleben hat, kann man auch dort genießen.
Kann man auch einen Kaffee trinken?
Das kann man bei uns noch nicht. In Berlin geht das zum Beispiel schon. Man kann ihn zwar nur virtuell trinken, aber immerhin.
Braucht man besondere Systemvoraussetzungen, damit das Programm läuft?
Man braucht etwa 160 Megabyte freien Speicher, aber die hat man heutzutage ja in der Regel frei. Die Grafikkarte sollte nicht zu schlecht sein. Wenn man einen ganz alten Laptop hat, wo oft schlechte Grafikkarten drin sind, könnte es eventuell „ruckeln“.
Hast du einen Arbeitsalltag wie ein richtiger Geschäftsmann?
?Ich bin schon den ganzen Tag mit unserer Firma beschäftigt. Wir versuchen ja stetig, das Produkt weiterzuentwickeln und Kunden zu gewinnen. Wir bilden in dem Modell ja auch Unternehmen ab, die wir zuvor natürlich ansprechen müssen. Das nimmt viel Zeit in Anspruch.
Kannst du mit der Geschichte reich werden?
Keine Ahnung. Das wird sich noch zeigen. Ich gebe alles!
Jetzt, wo wir hier gerade den Domplatz überschreiten. Gibt’s in der virtuellen Welt denn auch den Wochenmarkt?
?Bisher noch nicht. Wir haben – was wechselnde Ereignisse angeht – Anfragen bekommen. Es gibt auf jeden Fall die Idee, solche Dinge einzubauen.
Und was ist mit Baustellen und aufgerissenen Straßen? Ist im Stadtmedium immer alles heile?
Ja. Wir weisen aber schon auf neue Objekte hin, die von allgemeinem Interesse sind. Wenn zum Beispiel der Neubau am Landesmuseum fertiggestellt ist, wird das natürlich integriert. Wenn in Roxel aber jemand das Dach seines Einfamilienhauses neu deckt, interessiert das die Allgemeinheit eher weniger.
Welche Informationen bekommt man über die Objekte?
Da gibt es Infoboxen, die man anklicken kann. Die öffnen sich dann und geben Informationen zu Sehenswürdigkeiten oder Kunden: Öffnungszeiten, Ansprechpartner, besondere Angebote und Links zu Homepages. Wir arbeiten auch daran, tagesaktuelle Informationen über spezielle Angebote, Happy Hours usw. einfließen zu lassen.
Vielen Dank für das Gespräch. Wollen wir uns jetzt ein reales Eis gönnen?
Ja, gerne!
Auf jeden Fall! Wir wollen einen realen Spaziergang ja auch keineswegs ersetzen. Was wir anbieten, ist eine weitere Möglichkeit, die Stadt mit all ihren Facetten kennenzulernen. Natürlich auch für Personen, die die Stadt noch gar nicht kennen – potenzielle Touristen, die sich einen Einblick verschaffen wollen, wo sich zum Beispiel die Lambertikirche, der Domplatz oder die Münster-Information befinden. Wo kann man übernachten, wie geht’s zum Theater? Ein Stadtinformationssystem, grob gesagt.
Hattet ihr die Idee, Münster als 3D-Welt zu erschaffen, ganz von selbst oder gibt es Vorbilder?
Die Idee, die wir damals hatten, war zu dem Zeitpunkt einzigartig. Was wir nicht wussten, war, dass ein Unternehmen parallel das Gleiche entwickelt hat. Witzigerweise kam einer der Gründer auch aus Münster und hatte hier an der Uni studiert. Er hat das dann aber für Berlin hochgezogen, hat mittlerweile auch London und Singapur in 3D dargestellt. Ansonsten ist unsere Idee in Deutschland einzigartig.
Wie sehr geht die 3D-Nachbildung ins Detail? Wir laufen hier jetzt gerade am Prinzipalmarkt entlang. Ist euch das so schön gelungen, wie es in echt aussieht?
Ja, wir glauben schon! Im Innenstadtbereich haben wir sehr detailliert anhand von realen Fotos gearbeitet. Genau wie wir beide es jetzt gerade machen, sind wir hier hergelaufen und haben von allen Objekten Fotos geschossen, davon dann am Computer 3D-Modelle hochgezogen und auf die Modelle die Fotos „gemapt“. Das hört sich jetzt natürlich simpler an, als es in Wirklichkeit war.
Was war besonders kompliziert bei der Nachbildung?
Die Lambertikirche war ziemlich kompliziert wegen der Käfige und vielen Erker. Da wurden wir dann auch hin und wieder drauf hingewiesen, dass die Kirche vielleicht etwas zu kurz geraten sei. Das haben wir dementsprechend nachgebessert. Wir bekommen auch Daten vom Katasteramt, die Breite, Höhe und Tiefe ausweisen, aber Kirchen haben immer die Stockwerkhöhe eins. Das muss man dann ungefähr schätzen oder sich die Informationen irgendwo anders herholen.
Was heißt denn Stockwerkhöhe eins?
Das wäre eigentlich ein Einfamilienhaus. Würde man das dann einfach als 3D-Modell hochziehen, wäre die Kirche nur drei Meter hoch. Das sähe ziemlich komisch aus.
Du bist ja kein ausgebildeter Informatiker. Woher kommt das nötige Know-how für eine solche Sache?
Wir sind da so reingewachsen. Wir modellieren ja nur selbst. Für das Programmieren haben wir Informatikstudenten oder Geo-Informatikstudenten eingestellt.
Hat das Programm auch einen Community-Charakter?
Jeder der sich anmeldet, wird als Avatar dargestellt, mit dem er die Stadt besichtigen kann. Und weil wir das Programm über das Internet anbieten, hat er die Möglichkeit, jeden anderen, der gerade parallel eingeloggt ist, zu sehen. Das heißt, man kann sich an virtuellen Schauplätzen verabreden, statt wirklich rauszugehen. Das kann bei Katerdepression, Liebeskummer oder was auch immer einen gerade plagt, ganz nützlich sein. So kann man auch gemeinsam die Stadt erkunden. Touristen und Münsteraner können sich gegenseitig austauschen. Es besteht auch die Möglichkeit, untereinander zu chatten oder auch zur kompletten Gemeinschaft zu sprechen.
Wie lange habt ihr gebraucht, das Programm auf die Beine zu stellen?
Wir haben im November 2007 das Unternehmen gegründet. Uns kam zugute, dass der Informatiklehrstuhl der Uni Münster schon Grundzüge des Modells entwickelt hatte. Mit denen haben wir eine Kooperation vereinbart und das Modell stetig weiterentwickelt. Die Internetversion gibt es seit Ende Januar. Also zweieinhalb Jahre haben wir schon gebraucht.
Wie war die Resonanz bisher?
Am ersten Tag hatten wir bereits dreihundert Downloads von Münsteranern und Touristen, seitdem kommen jeden Tag etwa 50 dazu. Die Resonanz ist gut.
Wie hat sich denn die Version von Berlin als Vorreiter bisher entwickelt?
Berlin hatte nach einem dreiviertel Jahr ungefähr eine Million Nutzer. Das wurde sehr gut angenommen.
Es gibt im Netz nun aber schon sehr viele Communitys, in denen man Leute treffen und chatten kann. Wo liegt der zusätzliche Nutzen eures Angebotes?
Wir bieten zusätzlich eine Plattform, auf der man die Stadt besser kennenlernt. Das normale Chatten ist bei uns hinterlegt mit einer realen Stadt. Wenn man mal keine Lust hat, rauszugehen, sich aber dennoch in der Stadt bewegen möchte, hat man die Möglichkeit, das virtuell zu machen. Viele Annehmlichkeiten, die man im normalen Stadtleben hat, kann man auch dort genießen.
Kann man auch einen Kaffee trinken?
Das kann man bei uns noch nicht. In Berlin geht das zum Beispiel schon. Man kann ihn zwar nur virtuell trinken, aber immerhin.
Braucht man besondere Systemvoraussetzungen, damit das Programm läuft?
Man braucht etwa 160 Megabyte freien Speicher, aber die hat man heutzutage ja in der Regel frei. Die Grafikkarte sollte nicht zu schlecht sein. Wenn man einen ganz alten Laptop hat, wo oft schlechte Grafikkarten drin sind, könnte es eventuell „ruckeln“.
Hast du einen Arbeitsalltag wie ein richtiger Geschäftsmann?
?Ich bin schon den ganzen Tag mit unserer Firma beschäftigt. Wir versuchen ja stetig, das Produkt weiterzuentwickeln und Kunden zu gewinnen. Wir bilden in dem Modell ja auch Unternehmen ab, die wir zuvor natürlich ansprechen müssen. Das nimmt viel Zeit in Anspruch.
Kannst du mit der Geschichte reich werden?
Keine Ahnung. Das wird sich noch zeigen. Ich gebe alles!
Jetzt, wo wir hier gerade den Domplatz überschreiten. Gibt’s in der virtuellen Welt denn auch den Wochenmarkt?
?Bisher noch nicht. Wir haben – was wechselnde Ereignisse angeht – Anfragen bekommen. Es gibt auf jeden Fall die Idee, solche Dinge einzubauen.
Und was ist mit Baustellen und aufgerissenen Straßen? Ist im Stadtmedium immer alles heile?
Ja. Wir weisen aber schon auf neue Objekte hin, die von allgemeinem Interesse sind. Wenn zum Beispiel der Neubau am Landesmuseum fertiggestellt ist, wird das natürlich integriert. Wenn in Roxel aber jemand das Dach seines Einfamilienhauses neu deckt, interessiert das die Allgemeinheit eher weniger.
Welche Informationen bekommt man über die Objekte?
Da gibt es Infoboxen, die man anklicken kann. Die öffnen sich dann und geben Informationen zu Sehenswürdigkeiten oder Kunden: Öffnungszeiten, Ansprechpartner, besondere Angebote und Links zu Homepages. Wir arbeiten auch daran, tagesaktuelle Informationen über spezielle Angebote, Happy Hours usw. einfließen zu lassen.
Vielen Dank für das Gespräch. Wollen wir uns jetzt ein reales Eis gönnen?
Ja, gerne!


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