Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 15.04.2010
AUF DER SUCHE NACH FIGUREN

Es muss wohl so 1997 gewesen sein, als ich Irmhild Willenbrink zum ersten Mal auf der Bühne des Kreativ-Hauses mit dem Improvisationstheater IMPRO 005 sah. Faszinierend zu sehen, wie fantasievoll und spannend aus manchmal nur einem einzigen Wort eine ganze Geschichte quasi aus dem Nichts entstand. Über die Jahre hinweg hörte ich von immer mehr Ensembles und Projekten – Grund genug, mir ein genaueres Bild von der Künstlerin zu machen …
Richie Alexander im Kaffeeplausch mit Irmhild Willenbrink.
Ich habe gelesen, dass du Diplompsychologin bist – da muss ich ja aufpassen, wie ich mich hier hinsetze …
Ach Quatsch – da interpretiert man viel zu viel rein.
Es gibt ja viele, die meinen, ihr erworbenes Analyse-Wissen aus dem dritten Semester überall anwenden zu müssen …
Gut, aber was lernt man denn da im Studium? Am Anfang sind da vor allem Statistik und wissenschaftliche Studien. Sehr konkretes wie Körpersprache wird hier überhaupt nicht behandelt. Ich habe mein Studium zwar abgeschlossen, aber nie als Psychologin gearbeitet. Während des Studiums hatte ich bereits eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht und hatte da Patienten, und dann habe ich vor allem Theater gemacht. Ich wollte schon immer Schauspielerin werden, hatte das bloß zuhause nicht gesagt.
Da hattest Du bestimmt schon in Schulaufführungen mitgewirkt.
Eigentlich nicht. An der Schule war zwar viel geplant gewesen, es kam aber anders. „Es war die Lerche“ von Kishon – das ist eine Weiterführung von „Romeo und Julia“ – da hätte ich die alte Amme gespielt. Aber Romeo und Julia waren tatsächlich ein Paar, und die hatten sich kurz vor der Aufführung zerstritten, und dann ist die Aufführung ins Wasser gefallen. Das war der Start [lacht]! Dabei konnte ich die Amme echt gut, ich war so eine richtig alte Hutzelige. Hat nicht sollen sein.
Und das war das einzige Mal, dass es an der Schule Theater gab?
Ja, so unwahrscheinlich das auch klingt. Alle sagen mir, dass sie als Kinder viel Theater gemacht hätten, schon als Maikäfer im Kindergarten und so weiter, nur bei uns lief da nichts. Das hat uns nicht erreicht.
Wie ging es weiter?
Dann habe ich „Die Unterrichtsstunde“ im Filou Theater in Beckum gespielt, das war dann quasi das erste Theater-Ding.
Da bist Du völlig unausgebildet hingegangen?
Genau. Ich habe da einfach angerufen, und da war tatsächlich gerade ein Stück in Planung, mit einem Mann, der eine Schauspielerin suchte. Mit dem habe ich das dann gespielt. Und als ich dann in Münster war, habe ich beim Transit Theater angerufen und mich dort beworben. Da habe ich dann bei Ralf Melzow viel Schauspielunterricht gehabt und bin dann bei einer schon bestehenden Produktion für einen erkrankten Schauspieler eingesprungen. Morgens kam der Anruf: „Hast Du Lust, heute Abend im Pumpenhaus zu spielen?“, und ich habe „Ja“ gesagt.
Das ist wirklich kurzfristig! Fällt es Dir leicht, Texte auswendig zu lernen?
Es wird zunehmend schwerer. Ich muss das schon richtig lernen, aber dann geht es.
Wie hast Du gemerkt, dass Dir das Improvisieren liegt?
Wir haben 1994 mit dem Transit Theater „Milchwald“ von Dylan Thomas gespielt. Da kam dann eine Bekannte, die sagte „Impro wäre doch bestimmt was für Dich, es gibt hier so eine Gruppe, die 005 heißt“ – keine Ahnung, wieso sie das meinte, ich kannte Impro bis da ja auch nicht. Ich bin dann da hingegangen, sollte was vormachen, und alle haben gesagt „Ja super, du bist dabei!“ – und ich habe direkt gemerkt, dass das genau mein Ding ist.
Kommen Dir Deine beruflichen Erfahrungen im Alltag auch zugute? Als Schauspieler kann man ja zum Beispiel sicher viel überzeugender lügen.
Das würde ich in Frage stellen. Es ist ein großer Unterschied, ob man auf der Bühne steht oder privat ist. Es gibt bestimmte Fähigkeiten, die ja jeder hat. Typische Situation „Vorstellungsgespräch“ – da macht man sich ja auch bewusst Gedanken, ob man gerade interessiert guckt oder wie man sich gibt. Aber eigentlich fällt mir auch gar keine Situation im Alltag ein, wo ich mich so verstellen wollen würde …
Besteht denn die Gefahr, dass Du durch das viele Improvisationstheater, das Du machst, bei geschriebenen Stücken ins Extemporieren gerätst?
Nein, gar nicht, das kann ich sehr gut trennen. Wobei ein bisschen Improvisation mit festen Texten ja durchaus möglich ist. Jetzt gerade im Rahmen von „Freuynde + Gaesdte“ – wenn wir da in einer Kneipe spielen, dann kommt da hin und wieder etwas Neues hinzu. Oder es fällt uns spontan noch ein Gag ein, dann machen wir das auch.
Worum geht es bei diesem Ensemble?
Marcell Kaiser und Zeha Schröder haben „Freuynde + Gaesdte“ gegründet und holen sich immer Leute dazu, und da spiele ich regelmäßig mit. Die Auftrittsorte sind keine Bühnen, sondern Kneipen und ähnliches, zum Beispiel das Blaue Haus. Es werden dort neue und klassische Stücke gespielt, letztere werden kneipentauglich gemacht.
Wie geht das?
Erst einmal werden sie gekürzt. Die Originale sind mitunter dreieinhalb Stunden lang oder noch länger. Dann muss man sehen, wie man es inszeniert, denn es gibt weniger Leute als Rollen. Man muss sich als Akteur auf die Gegebenheiten einstellen – es laufen Kellner herum, Gäste kommen und gehen. Die, die sich das anschauen, wollen eben etwas essen, ihr Bier trinken, und sehen, dass der Schauspieler damit umgehen kann, wenn da jetzt mal ein Tablett umkippt.
Ist das für einen Künstler nicht unbefriedigend, wenn die Zuschauer unaufmerksam sind?
Die Zuschauer sind ja nicht unaufmerksam. Es ist nur so, dass sie gerne ein Bier dabei trinken. Ich finde das völlig in Ordnung. Wenn wir jetzt ein völlig ernstes, dramatisches Stück spielen würden, dann würde mich das vielleicht stören, aber das tun wir ja nicht, das hätte in der Kneipe keinen Platz.
Dann gibt es auch noch die Klinik-Clowns …
Da sind wir ein Team von insgesamt sechs Leuten, die immer zu zweit in die Krankenhäuser gehen. Ich gehe immer mit Marcell Kaiser, der gelernter Weißclown ist. Und so ziehen wir dann über die Stationen. Wir machen das für die Kinder, aber auch für deren Eltern. Für die Kinder ist es wirklich gut, wenn sie die Erwachsenen mal lachen sehen. Es gibt da wirklich schwerkranke Patienten, die zusätzlich zu ihrer Krankheit auch noch der besorgten Mutter gegenüber ein schlechtes Gewissen haben, weil sie so mitleidet. Das wirkt dann sehr entlastend.
Habt ihr Euch das selber ausgedacht?
Ich hatte mit Marcell ein Kabarett-Duo-Programm „Die Leute“, und wir sind dann zusammen von Christian Heeck vom Kulturreferat der Uniklinik Münster angesprochen worden, die Verstärkung für das Team suchten. Wir haben zugesagt, uns die rote Nase aufgesetzt und losgelegt. Das ist eben auch Improvisation: Wir gehen immer neu in die Zimmer, gucken, was uns da begegnet – das ist immer anders, es gibt kein festgelegtes Programm.
Und was genau passiert dann? Ihr reißt die Tür auf und schmeißt Konfetti?
Nein, so gerade nicht. Es gibt eine kleine Übergabe von einer Schwester, die Plan hat, was auf der Station los ist. Die sagt dann: „In das Zimmer könnt ihr nicht rein, in das Zimmer nur mit Mundschutz, in das Zimmer besser nicht, da wird gerade gestorben, in dem Zimmer sind Noroviren, in dem Zimmer versteht das Kind kein Deutsch …“ Es ist überall unterschiedlich. Wir klopfen dann an und fragen, ob wir reinkommen dürfen, und dann gehen wir als die Clowns Lollo und Harry ins Zimmer und arbeiten mit dem, was wir vorfinden – wenn zum Beispiel gerade gefrühstückt wird, wird eben das thematisiert.
Gab es auch Situationen, wo das mal in die Hose gegangen ist?
Ja, so etwas gibt es. Du kommst dann in ein Zimmer, ein kleines Kind sieht dich und fängt an zu schreien. Clownsphobie. Haben wir auch schon erlebt.
Das liegt aber nicht daran, dass sie Stephen-King-Verfilmungen gesehen haben, oder?
Nein, das sind ganz kleine Kinder. Das ist ein in der Psychologie bekanntes Phänomen: Sie sehen eine rote Nase und bekommen Angst.
Magst Du Clowns?
Eigentlich fand ich Clowns immer schrecklich. Diese karierten Hosen und diese großen Schuhe … Ich fand das immer total doof. Aber durch die Arbeit jetzt hat sich das Verhältnis natürlich geändert. Clown ist nicht gleich Clown. Es gibt da den Dummen August oder den Karnevalsclown, aber richtig gute Clowns sind schon echt toll, das sind richtige Anarchos. Die machen, was sie wollen und gehen an alles ganz naiv heran. Und das ist eben toll, wenn du mit Ärzten naiv umgehen kannst und sie in ihrer festen Position in Frage stellen kannst.
Ist es Dir ein Anliegen, „unkonventionell“ zu sein?
Ja. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Figuren und neuen Geschichten. Durch meine Arbeit in der „Off-Szene“ habe ich dazu die Möglichkeit, Neues in den mir schon bekannten Figuren zu entdecken. „Nathan der Weise“ hat man schon in der Schule gelesen und durchgenommen, und dann spielt man das in einer Kneipe und hat auf einmal eine ganz neue, eigene Geschichte mit Nathan, und man lernt den Sultan noch mal auf einer ganz anderen Ebene kennen. Das ist sehr befriedigend.
Vielen Dank für das Gespräch!
Ach Quatsch – da interpretiert man viel zu viel rein.
Es gibt ja viele, die meinen, ihr erworbenes Analyse-Wissen aus dem dritten Semester überall anwenden zu müssen …
Gut, aber was lernt man denn da im Studium? Am Anfang sind da vor allem Statistik und wissenschaftliche Studien. Sehr konkretes wie Körpersprache wird hier überhaupt nicht behandelt. Ich habe mein Studium zwar abgeschlossen, aber nie als Psychologin gearbeitet. Während des Studiums hatte ich bereits eine Ausbildung zur Physiotherapeutin gemacht und hatte da Patienten, und dann habe ich vor allem Theater gemacht. Ich wollte schon immer Schauspielerin werden, hatte das bloß zuhause nicht gesagt.
Da hattest Du bestimmt schon in Schulaufführungen mitgewirkt.
Eigentlich nicht. An der Schule war zwar viel geplant gewesen, es kam aber anders. „Es war die Lerche“ von Kishon – das ist eine Weiterführung von „Romeo und Julia“ – da hätte ich die alte Amme gespielt. Aber Romeo und Julia waren tatsächlich ein Paar, und die hatten sich kurz vor der Aufführung zerstritten, und dann ist die Aufführung ins Wasser gefallen. Das war der Start [lacht]! Dabei konnte ich die Amme echt gut, ich war so eine richtig alte Hutzelige. Hat nicht sollen sein.
Und das war das einzige Mal, dass es an der Schule Theater gab?
Ja, so unwahrscheinlich das auch klingt. Alle sagen mir, dass sie als Kinder viel Theater gemacht hätten, schon als Maikäfer im Kindergarten und so weiter, nur bei uns lief da nichts. Das hat uns nicht erreicht.
Wie ging es weiter?
Dann habe ich „Die Unterrichtsstunde“ im Filou Theater in Beckum gespielt, das war dann quasi das erste Theater-Ding.
Da bist Du völlig unausgebildet hingegangen?
Genau. Ich habe da einfach angerufen, und da war tatsächlich gerade ein Stück in Planung, mit einem Mann, der eine Schauspielerin suchte. Mit dem habe ich das dann gespielt. Und als ich dann in Münster war, habe ich beim Transit Theater angerufen und mich dort beworben. Da habe ich dann bei Ralf Melzow viel Schauspielunterricht gehabt und bin dann bei einer schon bestehenden Produktion für einen erkrankten Schauspieler eingesprungen. Morgens kam der Anruf: „Hast Du Lust, heute Abend im Pumpenhaus zu spielen?“, und ich habe „Ja“ gesagt.
Das ist wirklich kurzfristig! Fällt es Dir leicht, Texte auswendig zu lernen?
Es wird zunehmend schwerer. Ich muss das schon richtig lernen, aber dann geht es.
Wie hast Du gemerkt, dass Dir das Improvisieren liegt?
Wir haben 1994 mit dem Transit Theater „Milchwald“ von Dylan Thomas gespielt. Da kam dann eine Bekannte, die sagte „Impro wäre doch bestimmt was für Dich, es gibt hier so eine Gruppe, die 005 heißt“ – keine Ahnung, wieso sie das meinte, ich kannte Impro bis da ja auch nicht. Ich bin dann da hingegangen, sollte was vormachen, und alle haben gesagt „Ja super, du bist dabei!“ – und ich habe direkt gemerkt, dass das genau mein Ding ist.
Kommen Dir Deine beruflichen Erfahrungen im Alltag auch zugute? Als Schauspieler kann man ja zum Beispiel sicher viel überzeugender lügen.
Das würde ich in Frage stellen. Es ist ein großer Unterschied, ob man auf der Bühne steht oder privat ist. Es gibt bestimmte Fähigkeiten, die ja jeder hat. Typische Situation „Vorstellungsgespräch“ – da macht man sich ja auch bewusst Gedanken, ob man gerade interessiert guckt oder wie man sich gibt. Aber eigentlich fällt mir auch gar keine Situation im Alltag ein, wo ich mich so verstellen wollen würde …
Besteht denn die Gefahr, dass Du durch das viele Improvisationstheater, das Du machst, bei geschriebenen Stücken ins Extemporieren gerätst?
Nein, gar nicht, das kann ich sehr gut trennen. Wobei ein bisschen Improvisation mit festen Texten ja durchaus möglich ist. Jetzt gerade im Rahmen von „Freuynde + Gaesdte“ – wenn wir da in einer Kneipe spielen, dann kommt da hin und wieder etwas Neues hinzu. Oder es fällt uns spontan noch ein Gag ein, dann machen wir das auch.
Worum geht es bei diesem Ensemble?
Marcell Kaiser und Zeha Schröder haben „Freuynde + Gaesdte“ gegründet und holen sich immer Leute dazu, und da spiele ich regelmäßig mit. Die Auftrittsorte sind keine Bühnen, sondern Kneipen und ähnliches, zum Beispiel das Blaue Haus. Es werden dort neue und klassische Stücke gespielt, letztere werden kneipentauglich gemacht.
Wie geht das?
Erst einmal werden sie gekürzt. Die Originale sind mitunter dreieinhalb Stunden lang oder noch länger. Dann muss man sehen, wie man es inszeniert, denn es gibt weniger Leute als Rollen. Man muss sich als Akteur auf die Gegebenheiten einstellen – es laufen Kellner herum, Gäste kommen und gehen. Die, die sich das anschauen, wollen eben etwas essen, ihr Bier trinken, und sehen, dass der Schauspieler damit umgehen kann, wenn da jetzt mal ein Tablett umkippt.
Ist das für einen Künstler nicht unbefriedigend, wenn die Zuschauer unaufmerksam sind?
Die Zuschauer sind ja nicht unaufmerksam. Es ist nur so, dass sie gerne ein Bier dabei trinken. Ich finde das völlig in Ordnung. Wenn wir jetzt ein völlig ernstes, dramatisches Stück spielen würden, dann würde mich das vielleicht stören, aber das tun wir ja nicht, das hätte in der Kneipe keinen Platz.
Dann gibt es auch noch die Klinik-Clowns …
Da sind wir ein Team von insgesamt sechs Leuten, die immer zu zweit in die Krankenhäuser gehen. Ich gehe immer mit Marcell Kaiser, der gelernter Weißclown ist. Und so ziehen wir dann über die Stationen. Wir machen das für die Kinder, aber auch für deren Eltern. Für die Kinder ist es wirklich gut, wenn sie die Erwachsenen mal lachen sehen. Es gibt da wirklich schwerkranke Patienten, die zusätzlich zu ihrer Krankheit auch noch der besorgten Mutter gegenüber ein schlechtes Gewissen haben, weil sie so mitleidet. Das wirkt dann sehr entlastend.
Habt ihr Euch das selber ausgedacht?
Ich hatte mit Marcell ein Kabarett-Duo-Programm „Die Leute“, und wir sind dann zusammen von Christian Heeck vom Kulturreferat der Uniklinik Münster angesprochen worden, die Verstärkung für das Team suchten. Wir haben zugesagt, uns die rote Nase aufgesetzt und losgelegt. Das ist eben auch Improvisation: Wir gehen immer neu in die Zimmer, gucken, was uns da begegnet – das ist immer anders, es gibt kein festgelegtes Programm.
Und was genau passiert dann? Ihr reißt die Tür auf und schmeißt Konfetti?
Nein, so gerade nicht. Es gibt eine kleine Übergabe von einer Schwester, die Plan hat, was auf der Station los ist. Die sagt dann: „In das Zimmer könnt ihr nicht rein, in das Zimmer nur mit Mundschutz, in das Zimmer besser nicht, da wird gerade gestorben, in dem Zimmer sind Noroviren, in dem Zimmer versteht das Kind kein Deutsch …“ Es ist überall unterschiedlich. Wir klopfen dann an und fragen, ob wir reinkommen dürfen, und dann gehen wir als die Clowns Lollo und Harry ins Zimmer und arbeiten mit dem, was wir vorfinden – wenn zum Beispiel gerade gefrühstückt wird, wird eben das thematisiert.
Gab es auch Situationen, wo das mal in die Hose gegangen ist?
Ja, so etwas gibt es. Du kommst dann in ein Zimmer, ein kleines Kind sieht dich und fängt an zu schreien. Clownsphobie. Haben wir auch schon erlebt.
Das liegt aber nicht daran, dass sie Stephen-King-Verfilmungen gesehen haben, oder?
Nein, das sind ganz kleine Kinder. Das ist ein in der Psychologie bekanntes Phänomen: Sie sehen eine rote Nase und bekommen Angst.
Magst Du Clowns?
Eigentlich fand ich Clowns immer schrecklich. Diese karierten Hosen und diese großen Schuhe … Ich fand das immer total doof. Aber durch die Arbeit jetzt hat sich das Verhältnis natürlich geändert. Clown ist nicht gleich Clown. Es gibt da den Dummen August oder den Karnevalsclown, aber richtig gute Clowns sind schon echt toll, das sind richtige Anarchos. Die machen, was sie wollen und gehen an alles ganz naiv heran. Und das ist eben toll, wenn du mit Ärzten naiv umgehen kannst und sie in ihrer festen Position in Frage stellen kannst.
Ist es Dir ein Anliegen, „unkonventionell“ zu sein?
Ja. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Figuren und neuen Geschichten. Durch meine Arbeit in der „Off-Szene“ habe ich dazu die Möglichkeit, Neues in den mir schon bekannten Figuren zu entdecken. „Nathan der Weise“ hat man schon in der Schule gelesen und durchgenommen, und dann spielt man das in einer Kneipe und hat auf einmal eine ganz neue, eigene Geschichte mit Nathan, und man lernt den Sultan noch mal auf einer ganz anderen Ebene kennen. Das ist sehr befriedigend.
Vielen Dank für das Gespräch!


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