Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 26.11.2009

WE GOT THE NOISE SO HERE WE GO!

1993 führt ein Schreibfehler dazu, dass nicht die „Donuts“, sondern die „Donots“ eine musikalische Laufbahn einschlagen. Die Jungs sind am Ball geblieben und haben mittlerweile acht Alben veröffentlicht. Oder waren es neun? Egal, sie müssten selbst länger überlegen. Ein studiofreier Tag kommt gerade richtig, um die Vier im Café zu treffen. Vier? Ja, denn Drummer Eike ist verhindert! Guido schafft es noch rechtzeitig, nachdem er Papa Knollmann von seiner neuen Tätowierung überzeugen konnte. Es gibt Kaffee und Tee. Das Tonband läuft …
Claus Hensel trifft Eike, Alex, Ingo, Jan-Dirk und Guido von den Donots.
Wie ist das Wohlbefinden? Was treibt ihr gerade so?
Ingo: Heute geht es uns sehr gut, weil wir mal ausnahmsweise nicht im Studio sind.
Alex: Wie geil das mal ist, wenn man morgens aufwacht und nicht ins Studio muss!
Ingo: Auf jeden Fall! Wir sind momentan im absoluten Studio-Stress. Wir haben die neue Platte so gut wie fertig, aber weil es auf das Ende der Platte und der Produktionszeit zugeht, geht es um die Wurst. Wir sitzen eigentlich jeden Tag von morgens um elf Uhr bis abends um 23 Uhr und schrauben jetzt noch an den letzten Feinheiten fürs Album und hoffen, dass wir es am Ende des Monats fertig stellen. Umso schöner ist es heute mal frei zu haben und im Café zu sitzen.

Jetzt erwarten eure Fans natürlich Infos zur neuen Platte!
Alex: Erscheinungsdatum wird wohl Frühjahr 2010 werden. Wir hatten mal Mitte bis Ende Februar im Kopf, kann aber auch etwas später werden. Allgemein kann man sagen, dass wir uns bis jetzt bei jeder Platte angestrengt haben, aber wir haben uns noch nie so den Arsch aufgerissen wie bei diesem Album.
Guido: Das war schon fast bis zur Selbstaufgabe! Wir sind, mit Aufnahmepausen und Festivals, die wir gespielt haben, schon seit Februar am Aufnehmen. Am Ende kam man ins Studio und hatte ’ne riesen Bumsrübe, wenn nur die Tür aufging. Aber es war cool und es hat letztendlich Früchte getragen. Da vergisst man auch wieder die Kopfschmerzen.

Mit „Coma Chameleon“ habt ihr die Messlatte sehr hoch gesetzt. Wie gestaltet sich dann jedes neue Projekt?
Alex: Dadurch, dass auf „Coma Chameleon“ für uns eher ungewöhnliche Songs waren wie zum Beispiel „Stop The Clocks“ haben wir uns sehr befreit gefühlt. So, als könnten wir uns nun alles erlauben, in jede Richtung gehen. Die letzte Platte hat uns in diesem Sinne keinen Druck geliefert.

Beim Pokern lernt man, dass man sich auch mal von einem guten Blatt trennen muss. Habt ihr alte Demos, die ihr noch nicht verwendet habt, in den Müll getreten oder neu aufgefrischt?
Guido: Im Groben sind wir eigentlich von null angefangen. Wir haben aber auch in alte Sachen noch mal reingehört. Teilweise waren die aber so was von über, dass wir uns nur das Beste rausgepickt haben.
Ingo: Ich find es immer viel frischer, komplett neu anzufangen als alte Ideen zu zerpflücken. Das gibt am Ende der Produktion noch mal neue Motivation.

Heutzutage machen Bands Konzeptalben. Was sind eure thematischen Anreize Songs zu schreiben?
Jan-Dirk: Ich glaube, bei uns ist das total ungeplant und es passiert einfach. Als wir damals anfingen Songs zu schreiben, haben wir uns eine stilistische Richtung zurechtgelegt. Als wir fertig waren, haben wir gemerkt, dass es überhaupt nicht in die Richtung ging. Wirklich, also null! Wir haben dann gemerkt, wir müssen einfach kommen lassen. Irgendwer hat dann eine Riff-Idee, ein Songschnipsel oder eine Melodie, und die anderen geben ihren Senf dazu. Meistens ist es dann so, dass der Song instrumental steht und dann Text und Gesangsmelodie drübergelegt werden. Alle machen alles. Aber so geplant und thematisch? Irgendwie sind wir dafür zu verpeilt!

Immerhin euer neuntes Album!
Alex: Wirklich? Lass’ mal kurz überlegen. Das interessiert mich jetzt.
Ingo: Pedigree Punk, Tonight’s Karaoke Contest Winners,
Better Days Not Included, Pocketrock, Amplify the Good Times, Got the Noise, The Story So Far – Ibbtown Chronicles, Coma Chameleon!
Guido: Zählen wir die Metal-EP mit?
Ingo: Dann wären wir sogar bei zehn Platten!
Jan-Dirk: Heiland Sack!

Gibt es Songs, die ihr überhaupt nicht mehr gerne spielt?
Alex: Es gibt immer ein paar Songs die wir komplett rauskicken. Einfach, weil man die Sachen zu oft gespielt hat oder sie nicht mehr mag. Es kommen aber auch manchmal wieder welche zurück!
Ingo: Das ist lustig. Lustig ist aber auch, dass es Songs gibt, die wir quasi noch nie live gespielt haben, die es nie ins Live-Set geschafft haben. Da haben wir gemerkt, die funktionieren auf Platte, aber nicht auf der Bühne.

Auch in diesem Jahr habt ihr viele Konzerte gespielt. Probt ihr vorher intensiv?
Jan-Dirk: Während der Studio-zeit hatten wir ein paar Konzerte, vor denen wir in den Proberaum gegangen sind. Witzig ist, dass die Finger einfach machen. Man spielt dann einen Song, den man ewig nicht gespielt hat und denkt kurz vorher noch so: „Hä? Wie? Wo fängt der überhaupt noch mal an und wie ist der Refrain?“ Wenn du dann aber dein Hirn ausstellst, läuft das!
Alex: [Lacht] Was noch längst nicht heißt, dass wir auf der Bühne die Sachen gut hinkriegen!

Die Frage wäre da: Merkt nur ihr die Fehler oder auch das Publikum?
Ingo: Lustigerweise ist es genau umgekehrt. Wenn wir denken, wir waren völlig scheiße, dann klopfen dir die Leute auf die Schulter und sagen: „Suuuuper Show!“
Jan-Dirk: Wir sind halt nie eine perfekte Liveband gewesen, aber wir machen Spaß! Das finde ich wichtiger als eine Band, die perfekt spielt, aber dir schlafen die Füße ein. Da kannst du dir genauso gut die Platte anhören und dich in einen dunklen Raum setzen, weil nichts passiert. [Schmunzelt] Bei uns passiert viel!

Viel? Dann gibt’s bestimmt auch mal Streit!
Ingo: Komischerweise überhaupt nicht.
Jan-Dirk: Es ist ausschlaggebend, dass wir uns nicht zusammengefunden haben, um dann Musik zu machen und unser Geld damit zu verdienen. Wir haben aus Langeweile Musik gemacht und sind dann irgendwie die Treppe hochgefallen!
Alex: Geil! Die Treppe hochgefallen! Das hast du noch nie gesagt, aber ich find’s gut.

In diesem Jahr habt ihr bei einigen Toten-Hosen-Konzerten als Support mitgemischt. Wie ist es mit den Jungs?
Ingo: Grandios! Toten Hosen waren mein erstes Rockkonzert. Die Jungs sind total nett. Du wirst als Vorband super gut behandelt, nicht nur von der Band, sondern von der ganzen Crew!

Ihr habt gegen Campino und Co. mal ein Tennismatch bestritten. Wird es in Zukunft eine sportliche Revanche geben?
Alex: Als „sportlichen Wettstreit“ haben die Hosen uns zu einem ihrer Weihnachtskonzerte eingeladen. Da spielen wird dann noch mal Support. [Schmunzelt] Mal gucken, wer da als Sieger von der Bühne geht.

Heute habt ihr eure Freizeit für das Interview geopfert. Was macht ihr sonst, wenn ihr mal nicht musikalisch zusammenhängt? Guido, bist du noch Fußballpräsident von Barrio Hansa?
Guido: [Total ernst] Ja, bin ich noch! [Anm. d. Red.: Großes Gelächter]
Guido: Da ist es momentan aber auch zeitlich sehr eng. Ich war erst zu einem Spiel in dieser Saison, das sofort gewonnen wurde. Mit großer Klappe am Rand die Jungs antreiben ist immer gut! Eigentlich steht bei mir aber auch in der Freizeit Musik an erster Stelle!
Jan-Dirk: Wenn man mal frei hat, heißt es: Freundschaften pflegen und Familie.

Wann gibt es eine neue „Kluftpuppe“ von euch?
[Anm. d. Red.: Die „Relaxte Kluftpuppe“ ist der hauseigene Donots Podcast und mit der Frage sind die Jungs plötzlich in heller Aufregung]
Alex: Ooooh! Alle zwei bis drei Wochen kommt der mahnende Finger: Wir sollten mal wieder eine neue Kluftpuppe aufnehmen! Wir kommen momentan nicht dazu.
Guido: Lass uns keine Mucke mehr machen, lass uns nur noch sabbeln, nur noch die Kluftpuppe!
Alex: [Haut auf den Tisch] Wir müssen wieder die Kluftpuppe aufnehmen!
Guido: Morgen! Morgen ist es soweit!
Jan-Dirk: Morgen müssen wir im Studio zwei Mixe durchhören.

Aber es ist nur auf Eis gelegt?
Alex: Nein, es ist noch nicht mal auf Eis gelegt. Es ist mehr auf …
Guido: ... Sparflamme geworfen!
Ingo: Wir haben noch nicht mal das „Auf-Eis-Legen“ auf Eis gelegt!

Vielen Dank für eure „Freizeit“ und wir sehen uns bei eurem Jahresabschlusskonzert!



Vita
Die Donots sind eine große Familie. Da wundert es auch nicht, dass alle denselben Nachnahmen tragen: Ingo Donot, Guido Donot, Alex Donot, Jan-Dirk Donot und Eike Donot. Von Münster aus starten sie ihre musikalischen Ausflüge ins europäische Umland. Mindestens einmal im Jahr geht’s auch im Flieger nach Japan. 2009 lassen sie mit einem Support bei den Toten Hosen und ihrem eigenen Jahresabschlusskonzert am 27. Dezember im Osnabrücker Rosenhof ausklingen. www.donots.com

Kommentare

Kommentar von moni:
(15.08.2010 20:05 Uhr)
guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
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