Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 24.07.2009

Oans, Zwoa, Gsuffa!

Natürlich ist München eine Reise Wert und natürlich ist das seit 1810 dortige Oktoberfest das größte Volksfest der Welt. Aber auch Münster kann schunkeln, Maßkrüge stemmen und den Wiesn-Hit des Jahres schmettern. Vom 25. September bis zum 10. Oktober geht das münstersche Oktoberfest in seine vierte Runde. Mitveranstalter Bernd Redeker ist für die diesjährige Wiesn in der Osmohalle guten Mutes. Man darf gespannt sein, was Würschtel Wasmuth, Wiesn Weck, Haxxl Bröker, Brezn Barth, die Heaven-Buam und Russn Redeker auf die Beine gestellt haben.

Claus Hensel trifft Bernd Redeker.
Hallo Bernd! Du klingst erkältet und siehst auch dementsprechend aus!
[Hustet und räuspert sich.] Ja, vielen Dank für die nette Begrüßung! Wenn ich überlege, wie viele Leute in diesem Jahr mit Schweinegrippe im Bett gelegen haben, dann bin ich froh, dass ich momentan nur eine Erkältung habe.

Wenn ich mich richtig erinnere, dann warst du auch in den letzten Jahren zum Münsteraner Oktoberfest angeschlagen. Wäre das Oktoberfest für dich im Sommer nicht besser?
[Lacht] Das muss nun wirklich nicht sein. Es ist richtig, dass eine Woche vor der Eröffnung des Oktoberfestes die Anspannung und der Stress steigt. Die Arbeit häuft sich und da macht sich der Körper schon mal bemerkbar, aber das ist kein Problem.

Ich halte fest: Das Oktoberfest bleibt im Oktober und du wirst in diesem Jahr wieder voll im Einsatz sein!
So ist es! Pitty Duyster hatte im letzten oder im vorletzten Jahr eine fette Lungenentzündung. Der hat komplett flach gelegen. Diesem Herbst sind wir alle fit!

Gorilla-Bar, Hafenarena, Kinoarena, Oktoberfest! Man kennt dich von so vielen Projekten, aber wie bist du eigentlich Münsteraner geworden?
Ich bin in der schönen Zigarren-Stadt Bünde zur Welt gekommen. Das liegt am Rande des Wiehengebirges. In Preußisch Oldendorf bin ich groß geworden. Hört sich zwar klein an, aber es gibt von der A30 sogar eine Autobahnausfahrt Bünde/Preußisch Oldendorf. Ich mach’s mal kurz: Abitur, Bankausbildung, Studium in Münster.

Das klingt sehr klassisch und hat irgendwie nix bis gar nix mit Gastronomie und Veranstaltungen am Hut.
Die ersten Berührungen mit Theke und Zapfhahn hatte ich aber schon zu Schulzeiten. Ich war damals bei uns zu Hause Mitveranstalter der größten Abi-Party. 1.500 Kids liefen dort auf und auch die gleiche Menge Liter Bier ist getrunken worden. 1993 habe ich angefangen Jura zu studieren und dort habe ich meine ersten Gehversuche in der münsterschen Gastronomie gemacht. Zwei Jahre habe ich im Odeon gearbeitet. Ich habe dort die geilste Zeit mitbekommen und die Anfänge der H-Blockx. Es folgte ein Jahr in Südafrika mit Arbeit und Studium. Nach meiner Rückkehr habe ich noch in der Destille gearbeitet und verschiedene Promotion-Jobs bekleidet. Ab dem Zeitpunkt war ich mit der Gastronomie verwurzelt und habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

Hast du dein Studium beendet?
Ich habe es auf Eis gelegt. Zeitlich war das nicht mehr machbar. 2000 hatte ich den Studenten-Weihnachtsmarkt vor dem Landesmuseum in Münster gegründet, 2001 dann die Gorilla-Bar. Der Umfang der Projekte war mit dem Studium kaum noch zu vereinbaren.

Bist du als Student noch eingeschrieben?
Ich will das Studium beenden und bin tatsächlich seit Oktober wieder eingeschrieben. Die Lust ist da, die Zeit ist knapp und irgendwann mache ich den Deckel drauf.

Studiengebühren?
[Lacht] So ist es! Die sind auch für mich fällig.

In diesem Jahr gibt es das 4. Münsteraner Oktoberfest. Wie kommt man auf die Idee, dem Westfalen etwas Bayrisches anzubieten?
Na ja, die Idee ist ja an sich nicht schlecht. Im Grunde sind wir zwei Parteien. Zum einen sind das die Heaven-Jungs und wir von der Hafenarena. Zum Glück haben wir das Ding gemeinsam durchgezogen. Am Anfang wollte jeder das Projekt alleine ausrichten, aber die Location konnte nur einmal vergeben werden. Wir waren dann „gezwungen“ das Fest zusammen zu starten. Als i-Tüpfelchen kam dann noch unser Karneval-Präsident Axel Bröker von Getränke Bröker, Gastronomie und Eventservice, mit ins Boot. Das hat sich alles wunderbar entwickelt!

Erfolg aus der Not heraus?
Nach der Hafenarena 2006 hatte ich die Idee, ein Oktoberfest in der Osmohalle auszurichten. Die Jungs vom Heaven hatten wohl den gleichen Einfall. Aus zeitlichen Gründen musste ich meinen Plan streichen, am Coconutbeach wurde das Oktoberfest hingegen aufgezogen. Ein großer Erfolg. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber die Osmohalle für 2007 schon geblockt. Das war der Startschuss für unsere gemeinsame Arbeit. Es war genau die richtige Entscheidung. Ich glaube, eine Firma alleine kann dieses Projekt kaum stemmen. Nun haben wir eine tolle Symbiose. Das Publikum der Hafenarena mit dem Heaven-Publikum – eine richtig geile „Gesellschaft“. Bis jetzt hatten wir keine Ausschreitungen, keine Randale. Alle kommen verkleidet und haben einfach Lust zu feiern. Jedes Jahr sieht man mehr Dirndl und Lederhosen.

In diesem Jahr gibt’s zum ersten Mal Schnupftabak!
Diese Idee entstammt Christian Wasmuths Hirnwindungen und ist sofort in einer großen Runde diskutiert worden. Du musst das planen, du musst dich nach Preisen informieren, du musst es bestellen, du musst das Label entwerfen und so gibt es in diesem Jahr den 1. Münsteraner Schnupftabak zu erwerben. O’schnupft is!!!

Gehört in München doch auch dazu!
Genau! Ich kann dem nicht so viel abgewinnen, aber laut Aussagen unserer „Testschnupfer“ ist das Zeug sehr gut.

Ist es schwer eine bayrische Kapelle für ein westfälisches Oktoberfest zu gewinnen?
Davon leben die Jungs doch! In den nächsten zwei bis drei Wochen finden in Deutschland so viele Oktoberfeste statt, da sind die Kapellen auch außerhalb des bayuvarischen Freistaates unterwegs. Wie im vergangenen Jahr rocken bei uns die „Partyvögel“. Die haben im letzten Jahr schon das halbe Zelt abgerissen. Neu in diesem Jahr sind die „Rebellen“. Die kommen aus Nordbayern, haben schon auf der Wiesn gespielt und werden auch bei uns ’ne Rakete zünden. Das Programm ist dann rund und hat einfach Pfund. Da spielt dann keine Wald- und Wiesenband, sondern Musiker die es drauf haben, Qualität halt. Die bringen das Publikum auf Tische und Bänke!

Das Fest entwickelt sich immer weiter. Gibt es keinen anderen Stellplatz für das Zelt? In München steht kein Zelt in der Halle!
Würde es vielleicht geben, aber der Hafen ist so Trend und so Szene! Dazu hast du eine große überdachte Fläche, somit einen trockenen Biergarten mit Fußball in der Hafenarena und keine wetterbedingten Schwierigkeiten beim Zeltaufbau. Wetterunabhängigkeit spielt eine ganz große Rolle.

Gibt es Dinge, die ihr beim Oktoberfest anbieten und realisieren wollt, aber für 2009 einfach zu früh kamen?
Das ist eine gute Frage. Wir überlegen im nächsten Jahr die Tore auch mal früher zu öffnen. In diesem Jahr geht’s am Wochenende um 18 Uhr im Zelt und samstags um 15 Uhr im Biergarten los, Bundesligakonferenz und Länderspiel auf Grossbildleinwand. Eine Möglichkeit wäre samstags schon um 12 Uhr den Startschuss im Zelt zu geben, um den Tag zu teilen. Das ist aber eine hohe Hausnummer und bedarf intensiver Vorarbeit und nötiger Hilfe. Des Weiteren wird es sicherlich das ein oder andere Standard-Karussell geben. Wir wollen keine Kirmes organisieren, aber neue Attraktionen wären schon fein. „Hau den Lukas“ wäre super, aber du glaubst gar nicht, wie schwer es ist so ein Ding während der Wiesnzeit zu organisieren!

Montag, der 5. Oktober, steht unter dem Motto „Oktoberfest der Gastronomen“. Klär uns auf!
Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, unsere Gastrokollegen aus dem Münsterland einzuladen. Da die Jungs selber am Wochenende ihre arbeitsreichsten Tage haben, wurde wunschgemäß der Montag ausgewählt. Aus gegebenem Anlass haben wir uns dann vor zwei Wochen in die bayrische Tracht geworfen, sind durch die Münsteraner Gastronomie getingelt und haben die Kollegen eingeladen, also Akquise betrieben. [Lacht] So zusagen: Oktoberfestwirte auf Ak-Wies(n)-Tour!

Besteht bei der Ausrichtung des Oktoberfestes noch ein finanzielles Risiko?
Wenn man etwas zum ersten Mal durchführt, dann ist es immer ein Ritt auf der Rasierklinge. Im vierten Jahr haben wir uns aber gut etabliert, sogar sehr gut. Die Resonanz ist super! Das zeigt sich vor allem beim Vorverkauf, da geht überhaupt nichts mehr! Es gibt aber definitiv noch ausreichend Karten an der Abendkasse! Die Kasse öffnet um 18 Uhr! Ich kann nur jedem empfehlen pünktlich zu kommen. Wir haben nicht nur Stehplatzkarten, sondern auch noch Tischkarten für 150 bis 200  Leute pro Tag an der Abendkasse! Wer zuerst kommt mahlt zuerst!

Bleiben noch zwei Fragen. Wie bekommst du den Spagat zwischen Gorilla-Bar und Oktoberfest-Zelt hin und wer macht den Fassanstich?
Da mach ich mir keine Sorgen. Ich habe einen super Partner und tolle Mitarbeiter, die ich dann alle am 5. Oktober mit ins Festzelt nehmen und belohnen werde. Das Baby Gorilla-Bar läuft schon. Das Pendeln zwischen Bar und Zelt lässt sich besonders am ersten Fest-Wochenende nicht vermeiden, da wir Freitag und Samstag in der Gorilla-Bar noch achtjähriges Jubiläum feiern.

Butter bei die Fische, Bernd! Wer macht den Fassanstich!
Das ist noch ein Geheimnis!

Vielen Dank für das Gespräch!






Vita
Bernd Redeker erblickte in Bünde den Tresen der Welt. Abitur und Ausbildung absolvierte er auf dem Lande, bis ihn das Jura-Studium nach Münster-City verschlug. Nur Bares ist Wahres und so heuerte Bernd neben dem Campus in der Münsteraner Gastronomie an. Daraus wurde seine Berufung! Heute ist nicht nur die Gorilla-Bar, die am 14. Dezember alle Rekorde bricht (3.000 Tage durchgehend geöffnet), ein Baby von ihm, sondern auch die Kino- und Hafenarena. Seit drei Jahren hilft er Ende September mit, die Osmohalle in ein bayrisches Tollhaus zu verwandeln. Hat Bernd Zeit zum Entspannen, dann geht’s auf die Insel. Eine Sache bleibt aber bestehen: Sein Lieblingstier ist und bleibt der Zapfhahn. Mehr Infos: www.oktoberfest-muenster.de

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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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