Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 03.09.2009
Rocko-Mania

Eigentlich sollte dieses Telefon-Interview schon früher über die Bühne
gehen, aber Rocko Schamoni war im wohlverdienten Urlaub. Da will man ja
nicht stören. Heute habe ich ihn erholt und redselig an der Strippe.
Über Deutschland tut sich ein gähnendes Sommerloch auf und das
Interview ist das einzig angenehme und interessante an diesem Tage.
Dorfpunk Rocko berichtet von Radsport, den Wortmuskeln und dem Kater im
Kopf! Im Grunde sprechen wir über irgendwas!
Claus Hensel telefoniert mit Rocko Schamoni.
Ich nehme es mal vorweg, Herr Schamoni, dieses Interview hat kein Konzept! Ich frage also mal irgendwas.
Gut! Das ist kein Problem.
Sie kommen gerade aus dem Urlaub. Wie war’s?
Super! Ich habe eine Art Bergtrip gemacht. Das fing am Bodensee an, Chiemsee, hin zum Brandnertal und dem Ortasee in Italien. Da war dann immer Bergsteigen, Radfahren und Trinken angesagt!
Sportlich! Ging es dann zu Fuß oder mit dem Rad über die „grüne Grenze“?
Nee! Wir sind nicht rübergewandert, sondern mit dem Auto gefahren. Wir waren immer an einem Ort. Sind dort rumgelatscht oder umhergefahren und haben uns alles angeschaut. Wenn es uns zu langweilig wurde, kam der nächste Ort dran. Unsere Hauptbleibe war dann am Ortasee. Das ist ein kleiner Nebensee vom Lago Maggiore. Alles ziemlich untouristisch dort. Die Landschaft ist aber sehr beeindruckend. Man denkt, man steht im Dschungel, da die Natur durch das Klima so explodierend ist. Plötzlich stehst du vor komischen Wasserbecken und Wasserfällen. Weit und breit gibt es keine Menschen mehr. Eine andere Welt mitten in Europa.
Wie und wann kam das Fahrrad zum Einsatz?
Wir sind an verschiedenen Nachmittagen um den Bodensee und den Chiemsee gefahren.
Rocko Schamoni auf dem Rad! Tourenrad oder Rennrad?
Über die Jahre habe ich mich immer mehr spezifiziert. Mittlerweile habe ich ein gutes Trekkingrad. Das wiegt 8,5 Kilogramm! Extremst schnell! Eine Art Rennrad, nur mit einem höhergelegten Lenker. Da drauf macht mir keiner so schnell was vor!
Das klingt professionell! Wie viele Kilometer haben Sie insgesamt auf dem Rad verbracht?
Puh … Ich sage mal vielleicht 500 Kilometer.
In zwei Wochen?
Nein! Wir waren über vier Wochen dort unten.
Sport hat eine große Bedeutung in Ihrem Urlaub, oder können Sie sich auch an den Strand knallen?
Das habe ich früher mal gemacht, aber das ist vorbei. Am Strand zu liegen ist total öde! Da habe ich keinen Bock mehr drauf. Das kommt mir wirklich wie Zeitverschwendung vor. Dann liege ich da und warte, dass ich Hautkrebs bekomme. Ich gehe lieber in die Berge, bekomme mehr Luft ab, betätige mich und sehe etwas! Manchmal ist das sogar ein wenig gefährlich und abenteuerlich. Das passt mir aber mehr, als wenn ich an einem vollen Strand liege und die Geschlechterparade mache.
Ich fasse zusammen: Natur, Berge, Abenteuer, Erholung, keine Menschen, keine Schweinegrippe!
Ich konnte das in den Bergen und am See in Italien gar nicht so verfolgen. Ich habe überhaupt nicht geschnallt, ob das noch aktuell war mit der ganzen Schweinegrippe. Im Wald habe ich sie auf jeden Fall nicht getroffen.
Die Bundesliga ist vier Spieltage alt. Sind Sie Fußball-Fan?
Nö! Ich hege zwar Sympathie mit St. Pauli und war auch schon ein paar Mal beim HSV im Stadion, aber im Grunde ist für mich der Fußball in den letzten zehn Jahren total verkommen. Es geht nur noch darum, wer die meiste Patte hat. Derjenige Verein kann sich die besten Trainer und Spieler leisten. Innerhalb von zwei bis drei Jahren hat sich ein Verein dann so umgekrempelt, da er sich mit neuen Gesichtern bestückt hat. Ich weiß gar nicht mehr, was das mit der Identität eines Vereins und einer Stadt zu tun hat. Bei einer WM oder EM, die ich mir gerne anschaue, kann ich sagen, jetzt spielt Russland gegen Polen oder Deutschland gegen Brasilien. Da macht es auch Sinn, dass sich die Nationalspieler zweier Länder miteinander messen. Wenn ich mir aber ein Spiel von Bayern gegen Bremen oder ein Champions-League-Spiel anschaue, dann weiß ich nicht, ob die Spieler der einen Mannschaft in einem halben Jahr nicht im anderen Team spielen. Insofern ist das alles für mich austauschbar. Es geht bei den großen Vereinen nur noch darum, das meiste Geld zu eruieren und sich die besten Spieler zu kaufen. Total langweilig!
Sie freuen sich also, dass Bayern München momentan so schlecht spielt?
Es gehört ja zum guten Ton, gegen Bayern zu sein. Das bin ich als Kind mal nicht gewesen, da mein Vater aus Weilheim kommt. Somit bin ich Halb-Bajuware. Mein Vater hat mir aber früh beigebracht, eigentlich 1860-München-Fan zu sein. Ich habe also nichts dagegen, wenn es den Bayern mal nicht so gut geht, das kann für die Bundesliga nur zum Vorteil sein.
Nächste Woche, am 10. September, sind Sie in Münster unter dem Titel „Rocko Schamoni liest irgendwas“ auf Tour. Was erwartet die Zuschauer?
Also dieses „Irgendwas“, was von meinem sehr geschätzten Tour-Booker betitelt wurde, steht nur aus einer Flapsigkeit darin. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass er das in die Vorankündigung setzt. Er fragte mich, was ich lese, und ich sagte, dass ich „irgendwas“ aus den Büchern, die ich geschrieben habe, lese. Da stell’ ich mir einen Mix zusammen. Daraus entstand dann „Rocko liest irgendwas“. Also, ich lese aus meinen Werken, auch Sachen, die ich noch nie live gelesen habe. Außerdem lese ich aus meinem vierten Buch, das im nächsten Jahr erscheinen wird.
Was verbinden Sie mit Münster?
Münster war für uns auf Tour immer eine wichtige Stadt. Ich weiß überhaupt nicht, warum das so ist. Münster ist schon immer eine Pop-Metropole gewesen. Ich hatte dort schon früher ganz tolle Konzerte mit den Goldenen Zitronen und den Toten Hosen. Es kam zu der Zeit viel Rockabilly-Musik aus Münster, später noch extrem ambitioniertes Pop-Zeug. Ich weiß nicht, warum sich das dort so festgesetzt hat. Es gibt Städte, da funktioniert das eher und in anderen weniger. Aus Paderborn kommt zum Beispiel keine Band, die ich kenne. Aus Münster aber eine ganze Menge. In diesem Sinne hat die Stadt ein sehr gutes Standing bei uns auf Tour.
In Münster beißt sich das Studentische mit dem Konservativen!
Das Studententum gibt Münster natürlich einen wahnsinnigen Kick. Da ist ja auch immer etwas los in der Stadt. Vielleicht hat es damit etwas zu tun. Das Konservative ist für die Kunst sowieso zuträglich. Das wissen wir auch schon seit ein paar Jahren. Vielleicht ist es wirklich diese Mischung.
Gibt es neben der Tour noch andere aktuelle Projekte?
Wir werden mit Studio Braun jetzt einen Spielfilm machen, der seit sieben Jahren schon in Arbeit ist und im nächsten Frühjahr gedreht werden soll. Ab Dezember läuft das Theaterstück „Dorfpunks“ am Hamburger Schauspielhaus weiter. Hier hatten wir bisher über 25000 Zuschauer. Im nächsten Jahr werden wir auch unser nächstes Stück am Schauspielhaus vorbereiten. Das hat dann Anfang September Premiere. Also Film, Theaterstück und das schon angesprochene neue Buch.
Wie arbeiten Sie an einem Buch?
Ich habe mit mir eine Abmachung getroffen. Ich setze mich jeden Vormittag eine Stunde hin und versuche, eine Seite pro Tag zu schreiben. Einige Tage fallen aus, so dass ich auf 300 Seiten komme. 50 Seiten streiche ich raus und habe am Ende in einem Jahr ein Buch von 250 Seiten.
Schreiben Sie auch eine Seite pro Tag, wenn Sie nicht an einem Buch arbeiten?
Leider nicht! Das wäre aber die richtige Herangehensweise an das Thema. Ich arbeite wirklich zielorientiert auf ein Buch hin. Wenn ich damit fertig bin, dann lasse ich alles sacken und faulenze erstmal ein halbes Jahr. Das ist aber nicht gut! In dem Moment, wo man alles fallen lässt, da vergeht der Fluss und Formulierungs-Flow. Man baut total Muskeln ab, Wort-Muskeln. Ich kann nur jedem raten, dabei zu bleiben. Egal was man schriftstellerisch macht, es ergibt sich immer irgendwas. Wenn man absetzt, wird man schwächer!
Sie schreiben an einem Buch. Wie sieht es in dieser Zeit mit Party aus?
Ich lasse mir das Feiern durch das Schreiben nicht verbieten. Es kommen wilde und harte Nächte, aber dann muss am nächsten Tag damit umgegangen werden. Manchmal ist das Geschriebene dann schlecht, manchmal auch sehr gut. Verkatert macht man oft ja auch sehr gute Sachen. Wenn man drei bis vier Tage vergammelt, kommt man wieder aus diesem Flow raus. Das ist in der gesamten Kunst so. Man muss anfangen, einen Rhythmus zu erwerben, und dann kommt es von selber. Wenn man aufhört, dann geht es wieder weg.
Ist Hartnäckigkeit das Stichwort?
Ja, man trainiert seine künstlerische Zeugungsfähigkeit. Als ich noch mehr Musik gemacht habe, bin ich manchmal um fünf Uhr morgens aufgewacht und hatte einen kompletten Song, mit Text und Akkorden im Kopf. Ich habe mich dann nur an den Schreibtisch gesetzt und alles runtergeschrieben. Das sind künstlerische Automatismen. Man muss einfach am Ball bleiben und sich auf ein Thema einlassen, dann bekommt man etwas von der anderen Seite geschenkt.
Wann haben Sie denn das letzte Mal partytechnisch über die Stränge geschlagen?
Gestern!
Gestern?
Na logisch! Ich habe heute nicht geschrieben!
Vielen Dank für das Gespräch!
Gut! Das ist kein Problem.
Sie kommen gerade aus dem Urlaub. Wie war’s?
Super! Ich habe eine Art Bergtrip gemacht. Das fing am Bodensee an, Chiemsee, hin zum Brandnertal und dem Ortasee in Italien. Da war dann immer Bergsteigen, Radfahren und Trinken angesagt!
Sportlich! Ging es dann zu Fuß oder mit dem Rad über die „grüne Grenze“?
Nee! Wir sind nicht rübergewandert, sondern mit dem Auto gefahren. Wir waren immer an einem Ort. Sind dort rumgelatscht oder umhergefahren und haben uns alles angeschaut. Wenn es uns zu langweilig wurde, kam der nächste Ort dran. Unsere Hauptbleibe war dann am Ortasee. Das ist ein kleiner Nebensee vom Lago Maggiore. Alles ziemlich untouristisch dort. Die Landschaft ist aber sehr beeindruckend. Man denkt, man steht im Dschungel, da die Natur durch das Klima so explodierend ist. Plötzlich stehst du vor komischen Wasserbecken und Wasserfällen. Weit und breit gibt es keine Menschen mehr. Eine andere Welt mitten in Europa.
Wie und wann kam das Fahrrad zum Einsatz?
Wir sind an verschiedenen Nachmittagen um den Bodensee und den Chiemsee gefahren.
Rocko Schamoni auf dem Rad! Tourenrad oder Rennrad?
Über die Jahre habe ich mich immer mehr spezifiziert. Mittlerweile habe ich ein gutes Trekkingrad. Das wiegt 8,5 Kilogramm! Extremst schnell! Eine Art Rennrad, nur mit einem höhergelegten Lenker. Da drauf macht mir keiner so schnell was vor!
Das klingt professionell! Wie viele Kilometer haben Sie insgesamt auf dem Rad verbracht?
Puh … Ich sage mal vielleicht 500 Kilometer.
In zwei Wochen?
Nein! Wir waren über vier Wochen dort unten.
Sport hat eine große Bedeutung in Ihrem Urlaub, oder können Sie sich auch an den Strand knallen?
Das habe ich früher mal gemacht, aber das ist vorbei. Am Strand zu liegen ist total öde! Da habe ich keinen Bock mehr drauf. Das kommt mir wirklich wie Zeitverschwendung vor. Dann liege ich da und warte, dass ich Hautkrebs bekomme. Ich gehe lieber in die Berge, bekomme mehr Luft ab, betätige mich und sehe etwas! Manchmal ist das sogar ein wenig gefährlich und abenteuerlich. Das passt mir aber mehr, als wenn ich an einem vollen Strand liege und die Geschlechterparade mache.
Ich fasse zusammen: Natur, Berge, Abenteuer, Erholung, keine Menschen, keine Schweinegrippe!
Ich konnte das in den Bergen und am See in Italien gar nicht so verfolgen. Ich habe überhaupt nicht geschnallt, ob das noch aktuell war mit der ganzen Schweinegrippe. Im Wald habe ich sie auf jeden Fall nicht getroffen.
Die Bundesliga ist vier Spieltage alt. Sind Sie Fußball-Fan?
Nö! Ich hege zwar Sympathie mit St. Pauli und war auch schon ein paar Mal beim HSV im Stadion, aber im Grunde ist für mich der Fußball in den letzten zehn Jahren total verkommen. Es geht nur noch darum, wer die meiste Patte hat. Derjenige Verein kann sich die besten Trainer und Spieler leisten. Innerhalb von zwei bis drei Jahren hat sich ein Verein dann so umgekrempelt, da er sich mit neuen Gesichtern bestückt hat. Ich weiß gar nicht mehr, was das mit der Identität eines Vereins und einer Stadt zu tun hat. Bei einer WM oder EM, die ich mir gerne anschaue, kann ich sagen, jetzt spielt Russland gegen Polen oder Deutschland gegen Brasilien. Da macht es auch Sinn, dass sich die Nationalspieler zweier Länder miteinander messen. Wenn ich mir aber ein Spiel von Bayern gegen Bremen oder ein Champions-League-Spiel anschaue, dann weiß ich nicht, ob die Spieler der einen Mannschaft in einem halben Jahr nicht im anderen Team spielen. Insofern ist das alles für mich austauschbar. Es geht bei den großen Vereinen nur noch darum, das meiste Geld zu eruieren und sich die besten Spieler zu kaufen. Total langweilig!
Sie freuen sich also, dass Bayern München momentan so schlecht spielt?
Es gehört ja zum guten Ton, gegen Bayern zu sein. Das bin ich als Kind mal nicht gewesen, da mein Vater aus Weilheim kommt. Somit bin ich Halb-Bajuware. Mein Vater hat mir aber früh beigebracht, eigentlich 1860-München-Fan zu sein. Ich habe also nichts dagegen, wenn es den Bayern mal nicht so gut geht, das kann für die Bundesliga nur zum Vorteil sein.
Nächste Woche, am 10. September, sind Sie in Münster unter dem Titel „Rocko Schamoni liest irgendwas“ auf Tour. Was erwartet die Zuschauer?
Also dieses „Irgendwas“, was von meinem sehr geschätzten Tour-Booker betitelt wurde, steht nur aus einer Flapsigkeit darin. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass er das in die Vorankündigung setzt. Er fragte mich, was ich lese, und ich sagte, dass ich „irgendwas“ aus den Büchern, die ich geschrieben habe, lese. Da stell’ ich mir einen Mix zusammen. Daraus entstand dann „Rocko liest irgendwas“. Also, ich lese aus meinen Werken, auch Sachen, die ich noch nie live gelesen habe. Außerdem lese ich aus meinem vierten Buch, das im nächsten Jahr erscheinen wird.
Was verbinden Sie mit Münster?
Münster war für uns auf Tour immer eine wichtige Stadt. Ich weiß überhaupt nicht, warum das so ist. Münster ist schon immer eine Pop-Metropole gewesen. Ich hatte dort schon früher ganz tolle Konzerte mit den Goldenen Zitronen und den Toten Hosen. Es kam zu der Zeit viel Rockabilly-Musik aus Münster, später noch extrem ambitioniertes Pop-Zeug. Ich weiß nicht, warum sich das dort so festgesetzt hat. Es gibt Städte, da funktioniert das eher und in anderen weniger. Aus Paderborn kommt zum Beispiel keine Band, die ich kenne. Aus Münster aber eine ganze Menge. In diesem Sinne hat die Stadt ein sehr gutes Standing bei uns auf Tour.
In Münster beißt sich das Studentische mit dem Konservativen!
Das Studententum gibt Münster natürlich einen wahnsinnigen Kick. Da ist ja auch immer etwas los in der Stadt. Vielleicht hat es damit etwas zu tun. Das Konservative ist für die Kunst sowieso zuträglich. Das wissen wir auch schon seit ein paar Jahren. Vielleicht ist es wirklich diese Mischung.
Gibt es neben der Tour noch andere aktuelle Projekte?
Wir werden mit Studio Braun jetzt einen Spielfilm machen, der seit sieben Jahren schon in Arbeit ist und im nächsten Frühjahr gedreht werden soll. Ab Dezember läuft das Theaterstück „Dorfpunks“ am Hamburger Schauspielhaus weiter. Hier hatten wir bisher über 25000 Zuschauer. Im nächsten Jahr werden wir auch unser nächstes Stück am Schauspielhaus vorbereiten. Das hat dann Anfang September Premiere. Also Film, Theaterstück und das schon angesprochene neue Buch.
Wie arbeiten Sie an einem Buch?
Ich habe mit mir eine Abmachung getroffen. Ich setze mich jeden Vormittag eine Stunde hin und versuche, eine Seite pro Tag zu schreiben. Einige Tage fallen aus, so dass ich auf 300 Seiten komme. 50 Seiten streiche ich raus und habe am Ende in einem Jahr ein Buch von 250 Seiten.
Schreiben Sie auch eine Seite pro Tag, wenn Sie nicht an einem Buch arbeiten?
Leider nicht! Das wäre aber die richtige Herangehensweise an das Thema. Ich arbeite wirklich zielorientiert auf ein Buch hin. Wenn ich damit fertig bin, dann lasse ich alles sacken und faulenze erstmal ein halbes Jahr. Das ist aber nicht gut! In dem Moment, wo man alles fallen lässt, da vergeht der Fluss und Formulierungs-Flow. Man baut total Muskeln ab, Wort-Muskeln. Ich kann nur jedem raten, dabei zu bleiben. Egal was man schriftstellerisch macht, es ergibt sich immer irgendwas. Wenn man absetzt, wird man schwächer!
Sie schreiben an einem Buch. Wie sieht es in dieser Zeit mit Party aus?
Ich lasse mir das Feiern durch das Schreiben nicht verbieten. Es kommen wilde und harte Nächte, aber dann muss am nächsten Tag damit umgegangen werden. Manchmal ist das Geschriebene dann schlecht, manchmal auch sehr gut. Verkatert macht man oft ja auch sehr gute Sachen. Wenn man drei bis vier Tage vergammelt, kommt man wieder aus diesem Flow raus. Das ist in der gesamten Kunst so. Man muss anfangen, einen Rhythmus zu erwerben, und dann kommt es von selber. Wenn man aufhört, dann geht es wieder weg.
Ist Hartnäckigkeit das Stichwort?
Ja, man trainiert seine künstlerische Zeugungsfähigkeit. Als ich noch mehr Musik gemacht habe, bin ich manchmal um fünf Uhr morgens aufgewacht und hatte einen kompletten Song, mit Text und Akkorden im Kopf. Ich habe mich dann nur an den Schreibtisch gesetzt und alles runtergeschrieben. Das sind künstlerische Automatismen. Man muss einfach am Ball bleiben und sich auf ein Thema einlassen, dann bekommt man etwas von der anderen Seite geschenkt.
Wann haben Sie denn das letzte Mal partytechnisch über die Stränge geschlagen?
Gestern!
Gestern?
Na logisch! Ich habe heute nicht geschrieben!
Vielen Dank für das Gespräch!


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