Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 22.07.2009
KEIN JOB WIE JEDER ANDERE

Eigentlich bin ich zum Interview mit Sebastian Schneberger verabredet.
Wir wollen uns in Handorf in seinem Polopferdestall treffen, doch
anstatt dem Schneberger Hallo zu sagen, begrüßen mich lautstark 17
Pferde. Mit Schneberger wollte ich über das am Wochenende stattfindende
Polopicknick sprechen, da er aber nicht da ist, wende ich mich an eines
der 17 Pferde. Sein Name ist Picaza und wie es der Zufall will, ist
Picaza der Star im Poloteam „Los Nocheros“. Im Vier-Augen-Gespräch
erzählt die zwölfjährige Stute von ihrem Alltag als Polopony, ihrer
Jugend und ihrem Traum vom Altwerden.
Thorsten Kambach im Gespräch mit Picaza, dem Polopferdstar des kommenden Polopicknicks am bevorstehenden Wochenende.
Am Wochenende ist wieder einmal Polopicknick. Da wirst du mehr als gefordert sein. Wie bereitest du dich auf das Turnier vor?
[Grinst dreideutig] Zweimal am Tag trainieren und auf die richtige Entspannung achten.
Das klingt nicht soo anstrengend, wenn du mich fragst. Immerhin bist du ein Pferd und nicht aus Zucker!
Hahaha! Wenn du wüsstest, das ist echt ’ne Schweinemaloche! Besonders anstrengend ist meine morgendliche Konditionsarbeit. Dabei sitzt unser Pfleger auf mir, während wir 30 Minuten galoppieren.
Ihr? Wer noch?
Ich und meine Pferdekollegen. Unser Pfleger hat beim Trainieren bis zu fünf weitere Ponies an der Hand. Und du kannst dir nicht vorstellen, was es heißt, 30 Minuten im Verbund zu galoppieren, das ist nicht ohne!
Da magst du Recht haben. Aber machst du nur Konditionstraining? Das klingt mir nicht gerade nach speziellem Polotraining.
[Wiehert lauthalls] Das kommt danach, denn nachmittags heißt es dann endlich „Stick and ball“.
„Stick and ball“?
Si! Dribbeln. Mein Reiter und ich lieben das Zusammenspiel mit dem Schläger.
Hört sich ziemlich elegant an. Aber du siehst auch ziemlich elegant aus für ein Pferd.
Lass uns nicht über Eleganz reden, denn es gibt auch verdammt harte Tage. Da kommen langsame Trainingsspiele oder Gymnastik hinzu!
Aha, harte Tage also. Da haste dir einige Stunden zum Grasen auf der Wiese redlich verdient.
[Guckt verträumt von einem Stallende ans andere] Ach ja, ach ja!
Du hast das Zusammenspiel mit deinem Reiter angesprochen. Was ist dabei gut, was gefällt dir weniger?
Wenn sich ein Reiter beim Aufsteigen schon in den Sattel fallen lässt, dann ...
Ja, dann?
DEN WÜRDE ICH AM LIEBSTEN DIREKT WIEDER AUS SELBIGEM KATAPULTIEREN! Gute Spieler verlagern ihr Gewicht zur Seite und zeigen mir so, wo ich hin soll. Sie müssen die Zügel als „Lenkrad“ kaum benutzen.
Was ist das Geheimnis deines immensen Erfolges als Polopony?
[Sichtlich geschmeichelt] Kannst du die Frage noch mal wiederholen, vielleicht etwas lauter (damit meine Kollegen das auch hören)?
Was ist das Geheimnis deines immensen Erfolges als Polopony?
Der olle Sebastian (Schneberger, d. Red.) sagte mal: „Ein gutes Pony arbeitet wie ein Joystick“. Ohne dass der Reiter viel Kraft einsetzen muss, reagiere ich blitzschnell, stoppe ab, drehe und galoppiere wieder los.
Worin siehst du die Vor- und Nachteile in deinem Job?
Wir haben ein halbes Jahr Ferien. Das ist ein Vorteil, den Ackergäule nicht haben. Außerdem komme ich unheimlich viel rum, sehe was von der Welt – das ist super. Mal bin ich am Strand, mal im Schnee. In der Regel also an wunderschönen Plätzen.
Mir fällt auf, dass du Schuhe trägst! Du kleiner Snob!
Snob? Ha! Im Gegenteil! Im Sommer müssen wir Schuhe tragen. Aus Eisen allerdings! Das Besondere an unseren Eisen: Die haben nur einen Stollen hinten außen, damit wir beim Drehen nicht hängen bleiben.
Du bist fraglos ein richtiger Polostar. Als Star spielt das Publikum aber natürlich eine wichtige Rolle. Was erwartest du von deinen Fans?
I love you all!
… ?
Nein, jetzt mal im Ernst, mein Traum-Publikum schaut mir gebannt zu, konzentriert sich auf mein Spiel. Und vor allem: applaudiert.
Applaudiert. Applaudiert.
Bist du eitel?
Nicht so sehr wie die Reiter, da könnte ich dir Geschichten erzählen, da fällst du vom Believen ab!
Vom Believen??
Ja, das ist Denglish. Durch die viele Rumreiserei entwickelte sich diese Form von Sprache bei mir automatsch.
Wie wichtig ist denn eigentlich der Reiter beim Polo?
Die Stars sind wir. 70 Prozent eines guten Polospielers machen sein Pony aus.
Picaza, wo sind deine Wurzeln?
Meine Jugend habe ich wie alle meine Kollegen in Argentinien auf einer Ranch in der Pampa von Buenos Aires verbracht.
Hot!
Damm hot! Mit vier Jahren wurde mir das erste Mal ein Sattel aufgelegt. Dann kam ich zu einem Trainer, der mit mir jeden Tag Brötchen geholt hat. Seine Kinder ritten mit mir zur Schule und fuchtelten mit dem Poloschläger so lange vor meinem Kopf rum, bis ich keine Angst mehr hatte. Natürlich musste ich arbeiten. Kühe treiben und so. Um später auf dem Spielfeld die Kollegen abzudrängen zu können. Mit sechs Jahren kam ich dann nach Deutschland.
Wie lange kannst du den Sport noch machen? Was kommt danach?
Wir können aktiv im Geschäft bleiben, bis wir etwa 20 Jahre alt sind. Dann geht es entweder zurück nach Argentinien, um noch Nachwuchs zu zeugen oder aber man wird Berater.
BERATER??
Ja, wir beraten quasi jüngere Spieler, die noch nicht so viel Erfahrung haben. Oder es geht auf die Wiese, was auch nicht schlecht ist. Also insgesamt: Rosige Aussichten.
Bevor es aber soweit ist, steht das Polopicknick in Münster an. Was erwartest du von dem Wochenende?
Das Tolle am Polopicknick ist, dass der Spaß im Vordergrund steht. Dadurch ist das Zusammenspiel der Mannschaften lockerer, sehr freundschaftlich und superfair. Kommst du auch?
Aber sicha!!! Ich war ja letztes, vorletztes und vorvorletztes Jahr auch dabei. Hast du mich da gar nicht gesehen? Ich saß am Spielfeldrand in einem Fatboy (Sitzkissen, d. Red.) und habe euch bewunken, bestaunt und bejubelt. Toll war’s. Absolut!
Dann freue ich mich, dich am Wochenende zu treffen!
Gerne! Vielen Dank für das Gespräch!
[Grinst dreideutig] Zweimal am Tag trainieren und auf die richtige Entspannung achten.
Das klingt nicht soo anstrengend, wenn du mich fragst. Immerhin bist du ein Pferd und nicht aus Zucker!
Hahaha! Wenn du wüsstest, das ist echt ’ne Schweinemaloche! Besonders anstrengend ist meine morgendliche Konditionsarbeit. Dabei sitzt unser Pfleger auf mir, während wir 30 Minuten galoppieren.
Ihr? Wer noch?
Ich und meine Pferdekollegen. Unser Pfleger hat beim Trainieren bis zu fünf weitere Ponies an der Hand. Und du kannst dir nicht vorstellen, was es heißt, 30 Minuten im Verbund zu galoppieren, das ist nicht ohne!
Da magst du Recht haben. Aber machst du nur Konditionstraining? Das klingt mir nicht gerade nach speziellem Polotraining.
[Wiehert lauthalls] Das kommt danach, denn nachmittags heißt es dann endlich „Stick and ball“.
„Stick and ball“?
Si! Dribbeln. Mein Reiter und ich lieben das Zusammenspiel mit dem Schläger.
Hört sich ziemlich elegant an. Aber du siehst auch ziemlich elegant aus für ein Pferd.
Lass uns nicht über Eleganz reden, denn es gibt auch verdammt harte Tage. Da kommen langsame Trainingsspiele oder Gymnastik hinzu!
Aha, harte Tage also. Da haste dir einige Stunden zum Grasen auf der Wiese redlich verdient.
[Guckt verträumt von einem Stallende ans andere] Ach ja, ach ja!
Du hast das Zusammenspiel mit deinem Reiter angesprochen. Was ist dabei gut, was gefällt dir weniger?
Wenn sich ein Reiter beim Aufsteigen schon in den Sattel fallen lässt, dann ...
Ja, dann?
DEN WÜRDE ICH AM LIEBSTEN DIREKT WIEDER AUS SELBIGEM KATAPULTIEREN! Gute Spieler verlagern ihr Gewicht zur Seite und zeigen mir so, wo ich hin soll. Sie müssen die Zügel als „Lenkrad“ kaum benutzen.
Was ist das Geheimnis deines immensen Erfolges als Polopony?
[Sichtlich geschmeichelt] Kannst du die Frage noch mal wiederholen, vielleicht etwas lauter (damit meine Kollegen das auch hören)?
Was ist das Geheimnis deines immensen Erfolges als Polopony?
Der olle Sebastian (Schneberger, d. Red.) sagte mal: „Ein gutes Pony arbeitet wie ein Joystick“. Ohne dass der Reiter viel Kraft einsetzen muss, reagiere ich blitzschnell, stoppe ab, drehe und galoppiere wieder los.
Worin siehst du die Vor- und Nachteile in deinem Job?
Wir haben ein halbes Jahr Ferien. Das ist ein Vorteil, den Ackergäule nicht haben. Außerdem komme ich unheimlich viel rum, sehe was von der Welt – das ist super. Mal bin ich am Strand, mal im Schnee. In der Regel also an wunderschönen Plätzen.
Mir fällt auf, dass du Schuhe trägst! Du kleiner Snob!
Snob? Ha! Im Gegenteil! Im Sommer müssen wir Schuhe tragen. Aus Eisen allerdings! Das Besondere an unseren Eisen: Die haben nur einen Stollen hinten außen, damit wir beim Drehen nicht hängen bleiben.
Du bist fraglos ein richtiger Polostar. Als Star spielt das Publikum aber natürlich eine wichtige Rolle. Was erwartest du von deinen Fans?
I love you all!
… ?
Nein, jetzt mal im Ernst, mein Traum-Publikum schaut mir gebannt zu, konzentriert sich auf mein Spiel. Und vor allem: applaudiert.
Applaudiert. Applaudiert.
Bist du eitel?
Nicht so sehr wie die Reiter, da könnte ich dir Geschichten erzählen, da fällst du vom Believen ab!
Vom Believen??
Ja, das ist Denglish. Durch die viele Rumreiserei entwickelte sich diese Form von Sprache bei mir automatsch.
Wie wichtig ist denn eigentlich der Reiter beim Polo?
Die Stars sind wir. 70 Prozent eines guten Polospielers machen sein Pony aus.
Picaza, wo sind deine Wurzeln?
Meine Jugend habe ich wie alle meine Kollegen in Argentinien auf einer Ranch in der Pampa von Buenos Aires verbracht.
Hot!
Damm hot! Mit vier Jahren wurde mir das erste Mal ein Sattel aufgelegt. Dann kam ich zu einem Trainer, der mit mir jeden Tag Brötchen geholt hat. Seine Kinder ritten mit mir zur Schule und fuchtelten mit dem Poloschläger so lange vor meinem Kopf rum, bis ich keine Angst mehr hatte. Natürlich musste ich arbeiten. Kühe treiben und so. Um später auf dem Spielfeld die Kollegen abzudrängen zu können. Mit sechs Jahren kam ich dann nach Deutschland.
Wie lange kannst du den Sport noch machen? Was kommt danach?
Wir können aktiv im Geschäft bleiben, bis wir etwa 20 Jahre alt sind. Dann geht es entweder zurück nach Argentinien, um noch Nachwuchs zu zeugen oder aber man wird Berater.
BERATER??
Ja, wir beraten quasi jüngere Spieler, die noch nicht so viel Erfahrung haben. Oder es geht auf die Wiese, was auch nicht schlecht ist. Also insgesamt: Rosige Aussichten.
Bevor es aber soweit ist, steht das Polopicknick in Münster an. Was erwartest du von dem Wochenende?
Das Tolle am Polopicknick ist, dass der Spaß im Vordergrund steht. Dadurch ist das Zusammenspiel der Mannschaften lockerer, sehr freundschaftlich und superfair. Kommst du auch?
Aber sicha!!! Ich war ja letztes, vorletztes und vorvorletztes Jahr auch dabei. Hast du mich da gar nicht gesehen? Ich saß am Spielfeldrand in einem Fatboy (Sitzkissen, d. Red.) und habe euch bewunken, bestaunt und bejubelt. Toll war’s. Absolut!
Dann freue ich mich, dich am Wochenende zu treffen!
Gerne! Vielen Dank für das Gespräch!


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