Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 16.07.2009

... DIE WILDEN SCHRAUBER DER 3a!

Sabine Dückers, eine junge Lehrerin der Theresienschule in Münster hatte eine tolle Idee: Die Eröffnung einer Fahrradwerkstatt der Kinder für Kinder. Dort lernen die kleinen, warum Schläuche blubbern und wann Glühbirnen leuchten, doch vor allem lernen sie, was es heißt, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen – in diesem Falle wohl eher, etwas auf die Räder zu bringen! Und ich lernte, was es heißt, mit 19 Kids gleichzeitig fachzusimpeln, das schlaucht ganz schön! Hier sind sie...
Thorsten Kambach besucht Henri, Alexandra, Ferdinand, Lara, Manuel, Luisa, Louisa, Paul, Judith, Leonard, Sophia, Gereon, Alexander, Jonas, Manuel und natürlich Sabine Dückers, die Lehrerin der Klasse 3a der Theresienschule.
Ihr seid also die Betreiber der Fahrradwerkstatt der Kinder. Bisher besser bekannt als Klasse-Drei-A. Seid ihr komplett?
Alle: Ja, eh, Nein!
Ferdinand: Max ist nicht da.
Alexander: Und Anne.
Gereon: Jan-Philip auch nicht!
Jonas: Und Max.
 
Wo sind die denn alle?
Henri: Max is´ krank.
Alexander: Und Luisa auch!
Judith: NEIN!
Luisa: Ich bin doch hier!
 
Gut! Wer hatte denn die tolle Idee mit der Fahrradwerkstatt?.
Alle zeigen wie wild auf!

Ihr alle?
Alle: NEEEIN – Frau Dückers!
 
Und ihr repariert hier Fahrräder während der Schulzeit für Mitschüler??
Alle: Ja!
 
Ihr kommt morgens in die Schule und anstatt zu lernen, repariert ihr Fahrräder?
Alle (entsetzt!): Nein!
Alexandra: Immer nur freitags nach der vierten Stunde.
Judith: Nach der Schule.
Alexandra: Ja, nach der vierten Stunde.
 
Das macht ihr also freiwillig!?
Judith: Ja, klar.
Alexandra: Ja.
Luisa: Nur manche sind in Gruppen aufgeteilt. Die kommen dann auf jeden Fall. Die anderen können auch noch kommen, aber die müssen nicht.
 
Das heißt, es können auch Schüler aus anderen Klassen dazu kommen?
Judith: Nee!
Alle: Nein!
Judith zeigt auf.
Judith: Also, es kommen nur Kinder aus unserer Klasse. Aber wir sind jetzt in drei Gruppen aufgeteilt. In dieser Woche sind Louisa, Luisa, Karolin und Hendrik dran. Zum Beispiel. Und Leonard und Sophia. Die anderen können freiwillig kommen. Und in der nächsten Woche sind die anderen dran.
 
Und wer teilt die drei Gruppen ein? Ihr selbst?
Alle: Nein, Frau Dückers.
 
Jetzt erzählt mal von eurer Fahrradwerkstatt. Hier stehen ja so einige Fahrräder rum, sind das alles eure?
Alle: Nein.
Lara. Nicht alles. Wenn wir kaputte Fahrräder haben, dann nehmen wir die mit hierhin und ziehen Schrauben fest.
 
Und wer hat euch das beigebracht?
Lara: Wir haben das Material dafür. Schraubenzieher.
 
Wenn ich mich in eurer Werkstatt so umsehe, sieht das eigentlich eher wie ein Kunstraum aus.
Henri: Das ist der Fahrradraum.
 
Repariert ihr nur Fahrräder oder auch Tretroller?
Ferdinand: Nur Fahrräder.
Henri: Ja, nur Fahrräder.
 
Hat eure Werkstatt einen Namen?
Leonard: Fahrradreparaturwerkstatt der Kinder.
 
Ich hatte ja eigentlich erwartet, euch hier in Blaumännern anzutreffen.
Die meisten: Heee?
Louisa (in ruhigem Ton in die gesamte Runde): Das sind so Anzüge, so blaue.
 
Ja, genau, das sind die typischen Anzüge, die Arbeiter in einer Werkstatt meistens tragen.
Louisa: Ah ja, das stimmt!
Lara: Wenn wir die Tür aufmachen, da hängt ein tolles Bild, das haben Jan-Philip und Max gemalt. Dann kann man einen Zettel abreißen, wo man draufschreiben kann, mein Fahrrad ist vorne am Licht kaputt.  und dann kann man den in den Briefkasten werfen. Aber der Briefkasten, den müssen wir erst noch anmontieren.
Frau Dückers: Der Hausmeister wird das machen.
 
Habt ihr, bevor ihr hier in der Fahrradwerkstatt angefangen seid, schon mal was anderes repariert?
Alle: Ja.
Sophia: Schutzflicken.
Judith: Da hinten an der Wand steht ein Fahrrad, das reparieren wir für eine Lehrerin!
 
Macht euch die Werkstattarbeit mehr Spaß als Schulunterricht?
Alle: Jaaa!
 
Warum?
Manuel: Das macht einfach mehr Spaß
Jonas: Ja, das macht irgendwie mehr Spaß. Da kann man auch rumlaufen und quatschen.
 
Seht ihr eure Arbeit in der Fahrradwerkstatt als berufsvorbereitende Maßnahme? Möchtet ihr später in einer Fahrradwerkstatt arbeiten?
Alle: Nein!
Louisa: Nur Jetzt.
Henri: Nur jetzt als Hobby.
Judith: Ja, genau, Hobby.
 
Was möchtet ihr denn dann machen?
Sophia: Bauernhof oder Reiterhof.
Gereon: Ich will gerne SEK-Mann werden.
Alexandra: Malerin.
 
Kunst? Du möchtest Bilder malen?
Alexandra: Ja.
Leonard: Forscher.
Henri: Ich dachte, du willst gerne zaubern?
Leonard: Das auch, aber irgendwas davon.
 
Auf jeden Fall also Forscher oder Zauberer, das ist doch gut, da hast du mehr Auswahl!
Leonard: Ja!
Paul: Ich werde Tierfotograf.
 
Judith, was willst du werden?
Judith: Ich? ... weiß ich noch nicht.
(Links außerhalb): Ich werd´ Popstar.
Judith: Dann werde ich Sängerin!
 
Was repariert ihr denn am liebsten am Fahrrad.
Ferdinand: Licht. Das macht am meisten Spaß.
Manuel: Ja, ich finde es macht Spaß, die Glühbirnen zu testen. Man nimmt ein Kabel und eine Batterie. Dann hält man das Kabel an die Batterie und dann noch die Lampe an die andere Seite. Und wenn sie leuchtet, ist sie heil.
Sophia: Ich flicke am liebsten Schläuche. Da muss man erst einen Schlauch nehmen und den versuchen, aufzupumpen. Und dann ins Wasser halten. An der Stelle, wo es blubbert, da ist eben das Loch. Das muss man mit Schmiergelpapier anrubbeln. Da Kleber drauf, drei Minuten lang. Danach den Flicken aufkleben und fertig.
Henri: Zehn. Zehn Minuten!
Alle: Grummel – grummel, denk – denk ...
Frau Dückers: Nein, drei Minuten reichen.
Sophia: Wir benutzen Sanduhren.
Judith: Um die Zeit zu messen. Drei Minuten.

Gute Idee! Wer hatte denn die Idee? Frau Dückers?
Alle: JA!
Sophia: Aber die Sanduhren sind alle kaputt.
Lara: ich repariere auch am liebsten das Vorderlicht. Oder die Bremse. Mit der Bremse ist das nämlich so, man muss vorne die Bremse drücken und dann versuchen, das Fahrrad nach vorne zu schieben. Und wenn der Reifen hochgeht hinten, dann ist die Bremse funktionstüchtig.
 
Sehr guter Test. Und die Rücktrittbremse?
Lara: Da muss man fahren und ganz schnell nach hinten treten. Und wenn man dann schnell anhält, dann ist die heile. Wenn nicht, dann ist auch die Rücktrittbremse kaputt.
 
Und wie repariert man eine Rücktrittbremse?
Lara: Das weiß ich jetzt nicht.
Judith: ich mache alles am liebsten.
 
Du machst nichts weniger gerne?
Judith: Nö.
Louisa: Also mir macht auch eigentlich alles Spaß.
 
Und putzen, wer macht das gerne??
Alle zeigen auf!

Wow!
Luisa: Also ich mache auch alles am allerliebsten, aber am allerliebsten mache ich Putzen.
Gereon: ich mache alles gerne, AUSSER putzen!
 
Und was am liebsten?
Gereon: Auch Schlauch flicken und Licht.
 
Etwas hilflos wende ich mich an die Lehrerin, denn ich schaffe es irgendwie nicht, von den Kindern etwas anderes als Schlauch flicken und Licht reparieren zu erfahren:
 
Frau Dückers, das Schlauch flicken und Licht reparieren scheinen ganz klar die Lieblingsbeschäftigungen der kleinen Schrauber zu sein – außer dem Putzen natürlich!

Frau Dückers: Es ist ja so, dass wir jedes Mal wieder was Neues dazu lernen. Denn das ist neben dem Gefühl, im Team zu arbeiten, auch der praktische Nutzen. Und bisher waren das eben Schläuche zu flicken und Lampen zu reparieren. Das ist ja ein langsamer Prozess. Wir haben im Unterricht vorher gelernt, Schläuche und Beleuchtung zu reparieren. Und nun kommen hier in der Werkstatt natürlich andere Kleinigkeiten hinzu. Wie das Ölen von Fahrradketten zum Beispiel.
Lara: Kette ölen ist total witzig. Erst dreht man das Fahrrad auf den Kopf. Dann muss man mit den Pedalen drehen und dabei kann man Öl drüber halten. Und dann einfach drehen. Man kann auch eine andere Flüssigkeit nehmen. Die auch länger hält.
 
Man muss nicht zwingend Öl nehmen?
Lara: ja (läuft los und sucht in Schränken die alternative Flüssigkeit)
Henri: Mir macht auch Schrauben festziehen Spaß.
Sophia: Mit dem Schraubendreher.
 
Ferdinand und Henri verlassen die Runde und machen sich auf die Suche nach dem Werkzeugkasten, den die Fahrradwerkstatt der Kinder heute vom Direktor geschenkt bekommen hat. Lara kehrt zurück mit dem alternativen Kettenöl, Henri und Ferdinand kehren auch zurück, mit dem Werkzeugkasten.

Der Werkzeugkasten sieht sehr professionell aus, toll!
Ich nehme einen Satz Schraubenschlüssel heraus und schaue ihn prüfend an.
Alexandra: Damit repariert man Fahrradständer.
Ferdinand: Ja, wenn der kaputt ist, einfach abschrauben und ´nen neuen dran.
Henri: Einfach aufschrauben und Schrauben rausziehen. Mit ´ner Zange.
 
Mit ´ner Zange?
Frau Dückers: Ja, wir haben ja erst seit heute (!) diesen tollen Werkzeugkasten. Und deshalb haben wir zunächst improvisiert. (Frau Dückers wendet sich an die Klasse) Wie haben wir bis heute die Schläuche von den Rädern runter bekommen?
Alle: Wir haben Plastikbesteck genommen.
Judith: Ja, genau!
 
Kompliment, jetzt habt ihr im dritten Schuljahr schon gelernt, was es heißt, zu improvisieren und zusammenzuarbeiten! Was macht ihr erst im zehnten Schuljahr?? Darüber hinaus habt ihr nun einen richtigen Werkzeugkasten und könnt damit sogar was anfangen –  gemeinsam! Schade, dass wir nicht mehr Platz haben, denn es wäre überaus interessant, weiter mit euch über das Reparieren und das Leben als solches zu reden!

 




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Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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