Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 18.06.2009
VON WILDTIEREN UND KLANGKULTUR

Musikexperte, Nachtmensch und bekennender Westfale - vom Charakter her also „sachlich und erdverbunden“, wie er selbst sagt. Das ist Klaus Fiehe, mit 52 Jahren der älteste Moderator beim Radiosender 1live. Dort ist er für seine schönen Anekdoten berühmt. Manche werden ihn aber auch noch aus der Neue Deutsche Welle-Band Geier Sturzflug („Bruttosozialprodukt“) kennen, für die er in den 80ern Saxophon spielte. Ein Gespräch mit dem Mann, der nach eigenen Angaben über 40.000 Schallplatten besitzt.
Sebastian Golla spricht mit Klaus Fiehe
Du bist Mitglied beim SC Preußen Münster und hast mehrere Jahre lang hier studiert. Welchen besonderen Reiz hat die Stadt Münster für dich?
Durch die vielen Studenten hier ist es eine relativ junge Stadt mit vielen Kneipen und Clubs. Münster liegt leider etwas abseits, ist aber für sich genommen sehr schön. Auch die Landschaft um Münster herum ist hübsch – ich bin früher oft in der Davert spazieren gegangen.
Was ist denn bitte die Davert?
Die Davert ist ein großes, zusammenhängendes Waldgebiet, das vor geraumer Zeit durch den Bau der A43 durchschnitten worden ist. Durch die hohe Feuchtigkeit des Gebietes gibt es dort kaum Spaziergänger. Im Wald selber gibt es Maisfelder für Wildschweine. Schon vor Jahren wurden dort auch Dammhirsche ausgesetzt, es ist also ein extrem tierreiches Geläuf. Man kann in der Davert mehrstündige, absolut einsame Spaziergänge machen und die Landschaft hat wunderschöne Panoramen. Ich finde es sehr inspirierend.
Du bist nicht nur ein Experte für Waldspaziergänge, sondern vor allem für Musik. Gibt es Künstler aus Münster, die in letzter Zeit deine Aufmerksamkeit erregt haben?
Ja... (überlegt) Ich habe in meiner Sendung vor einiger Zeit eine Band gespielt, die Miyagi heißt. Die gefielen mir recht gut. Und Nolte. natürlich noch, eine etwas ältere Band.
Du hast selbst einmal bei Geier Sturzflug Saxophon gespielt. Mitgründer Friedel Geratsch macht zusammen mit Carlo von Steinfurt auch heute noch in orangefarbenen Warnanzügen deutsche Konzertbühnen unsicher. Steht ihr noch in Kontakt?
Leider nur sporadisch. Ich habe noch Kontakt zum Schlagzeuger und zu unserem Fahrer Hannes. Der Kontakt zu Friedel ist leider eingeschlafen, aber wir haben unsere Telefonnummern und können uns jederzeit anrufen.
Nach einem Geier Sturzflug-Konzert soll dir einmal jemand eine Waffe an die Schläfe gehalten haben. Wie ist es dazu gekommen?
Das war in einem besetzten Haus in Bochum oder Herne. Ein Typ war völlig ausgeklinkt, hatte eine Waffe und fuchtelte damit herum. Wir versuchten, ihn mit einem Mikrofonstativ in Schach zu halten. Es war eine eskalierende Situation und plötzlich hatte ich die Pistole am Kopf. Wir waren davon ausgegangen, dass es eine Schreckschusspistole war und ich will auch hoffen, dass es tatsächlich so gewesen ist.
Wurde der Vorfall denn nicht aufgeklärt?
Es wurde keine Polizei gerufen, das wurde damals intern geregelt. Diese besetzten Häuser im Ruhrgebiet waren eine Anlaufstelle für Punks und Wohnungslose. Da waren eben auch ein paar schräge Leute dabei.
Du bist gelegentlich als Saxophonist der Punkband The Bollock Brothers aktiv und warst erst im April mit ihnen auf Tour. Macht es dir noch Spaß, auf der Bühne zu stehen?
Es ist sehr aufregend für mich, denn der Sänger Jock ist unberechenbar. Die Bollock Brothers haben keine feste Setlist, also stehe ich ständig hinter der Bühne und warte auf sein Zeichen. Nach Gutsherrenart und Gutdünken meint er dann immer irgendwann: „Klaus, du musst spielen!“
Und das funktioniert?
Die Auftritte kommen in aller Regel gut an. Jock hat ja jetzt auch ein neues Album herausgebracht, von dem ich allerdings etwas enttäuscht war.
Du hast in deinem Leben schon viele Musikstars getroffen. Welche Begegnung hat bei dir einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassen?
Ich freue mich heute noch über mein frühes Zusammentreffen mit Oasis zu einem Zeitpunkt, als sie noch kaum einer kannte. Ich glaube, ich war der dritte oder vierte in Deutschland, der sie interviewt hat. Und dann auch noch beide Brüder zusammen, was heute kaum noch geht. Das waren damals zwei, die sich extrem stritten und über andere Bands herzogen. Sie waren überhaupt noch nicht medial geprägt und trugen alles auf der Zunge, was sie gerade bewegte.
Um zwei münsteraner Institutionen, die du noch aus deiner Zeit hier kennen dürftest, ist es momentan schlecht bestellt. Ich möchte dich, fragen, was du mit diesen Orten verbindest. Da ist zunächst der Plattenladen Elpi, der nach rund 30 Jahren kürzlich seinen normalen Geschäftsbetrieb beendet hat...
Elpi war immer gut sortiert und auch ich habe dort Platten gekauft. Ich habe dort mal eine Gruppe von Schülern beobachtet, die 14 bis 15 Jahre alt waren und zu meiner großen Verwunderung AC/DC Platten kaufen. Daran wurde mir wieder einmal klar, wie interessant für Leute jedweden Alters die Musik ist, die vor ihrer Zeit gewesen ist. Das ist ein stehendes Bild, das ich mit Elpi verbinde.
Zweitens ist da die Destille, die aufgrund von Anwohnerbeschwerden ihre Konzession zu verlieren droht...
Das war einmal meine Stammkneipe. Ich habe ein Herz für etwas bunkige Studentenkneipen. Auch wenn nicht immer meine Musik lief war die Destille für mich die Keimzelle der altehrwürdigen münsteraner Studentenszenerie. Man konnte dort immer gut an der Theke stehen und schnell an Bier kommen.
Noch eine letzte Frage: Du hast zwar einen MySpace-Account, aber kein Handy. Warum?
Ich bereue es inzwischen, einen MySpace-Account zu haben. Ich finde MySpace im Prinzip langweilig, aber manchmal möchte man sich etwas herunterladen oder einen Künstler anschreiben. Deswegen bin ich letztendlich Mitglied geworden. Ein Handy brauche ich nicht, weil ich kein Reporter mehr bin. Wäre das so, dann hätte ich ständig Interviewtermine und könnte Bescheid sagen, dass ich eine halbe Stunde später komme, wenn ich im Stau stehe. So mache ich alles per Mail oder direkt per Telefon.
Vielen Dank für das Interview!
Durch die vielen Studenten hier ist es eine relativ junge Stadt mit vielen Kneipen und Clubs. Münster liegt leider etwas abseits, ist aber für sich genommen sehr schön. Auch die Landschaft um Münster herum ist hübsch – ich bin früher oft in der Davert spazieren gegangen.
Was ist denn bitte die Davert?
Die Davert ist ein großes, zusammenhängendes Waldgebiet, das vor geraumer Zeit durch den Bau der A43 durchschnitten worden ist. Durch die hohe Feuchtigkeit des Gebietes gibt es dort kaum Spaziergänger. Im Wald selber gibt es Maisfelder für Wildschweine. Schon vor Jahren wurden dort auch Dammhirsche ausgesetzt, es ist also ein extrem tierreiches Geläuf. Man kann in der Davert mehrstündige, absolut einsame Spaziergänge machen und die Landschaft hat wunderschöne Panoramen. Ich finde es sehr inspirierend.
Du bist nicht nur ein Experte für Waldspaziergänge, sondern vor allem für Musik. Gibt es Künstler aus Münster, die in letzter Zeit deine Aufmerksamkeit erregt haben?
Ja... (überlegt) Ich habe in meiner Sendung vor einiger Zeit eine Band gespielt, die Miyagi heißt. Die gefielen mir recht gut. Und Nolte. natürlich noch, eine etwas ältere Band.
Du hast selbst einmal bei Geier Sturzflug Saxophon gespielt. Mitgründer Friedel Geratsch macht zusammen mit Carlo von Steinfurt auch heute noch in orangefarbenen Warnanzügen deutsche Konzertbühnen unsicher. Steht ihr noch in Kontakt?
Leider nur sporadisch. Ich habe noch Kontakt zum Schlagzeuger und zu unserem Fahrer Hannes. Der Kontakt zu Friedel ist leider eingeschlafen, aber wir haben unsere Telefonnummern und können uns jederzeit anrufen.
Nach einem Geier Sturzflug-Konzert soll dir einmal jemand eine Waffe an die Schläfe gehalten haben. Wie ist es dazu gekommen?
Das war in einem besetzten Haus in Bochum oder Herne. Ein Typ war völlig ausgeklinkt, hatte eine Waffe und fuchtelte damit herum. Wir versuchten, ihn mit einem Mikrofonstativ in Schach zu halten. Es war eine eskalierende Situation und plötzlich hatte ich die Pistole am Kopf. Wir waren davon ausgegangen, dass es eine Schreckschusspistole war und ich will auch hoffen, dass es tatsächlich so gewesen ist.
Wurde der Vorfall denn nicht aufgeklärt?
Es wurde keine Polizei gerufen, das wurde damals intern geregelt. Diese besetzten Häuser im Ruhrgebiet waren eine Anlaufstelle für Punks und Wohnungslose. Da waren eben auch ein paar schräge Leute dabei.
Du bist gelegentlich als Saxophonist der Punkband The Bollock Brothers aktiv und warst erst im April mit ihnen auf Tour. Macht es dir noch Spaß, auf der Bühne zu stehen?
Es ist sehr aufregend für mich, denn der Sänger Jock ist unberechenbar. Die Bollock Brothers haben keine feste Setlist, also stehe ich ständig hinter der Bühne und warte auf sein Zeichen. Nach Gutsherrenart und Gutdünken meint er dann immer irgendwann: „Klaus, du musst spielen!“
Und das funktioniert?
Die Auftritte kommen in aller Regel gut an. Jock hat ja jetzt auch ein neues Album herausgebracht, von dem ich allerdings etwas enttäuscht war.
Du hast in deinem Leben schon viele Musikstars getroffen. Welche Begegnung hat bei dir einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassen?
Ich freue mich heute noch über mein frühes Zusammentreffen mit Oasis zu einem Zeitpunkt, als sie noch kaum einer kannte. Ich glaube, ich war der dritte oder vierte in Deutschland, der sie interviewt hat. Und dann auch noch beide Brüder zusammen, was heute kaum noch geht. Das waren damals zwei, die sich extrem stritten und über andere Bands herzogen. Sie waren überhaupt noch nicht medial geprägt und trugen alles auf der Zunge, was sie gerade bewegte.
Um zwei münsteraner Institutionen, die du noch aus deiner Zeit hier kennen dürftest, ist es momentan schlecht bestellt. Ich möchte dich, fragen, was du mit diesen Orten verbindest. Da ist zunächst der Plattenladen Elpi, der nach rund 30 Jahren kürzlich seinen normalen Geschäftsbetrieb beendet hat...
Elpi war immer gut sortiert und auch ich habe dort Platten gekauft. Ich habe dort mal eine Gruppe von Schülern beobachtet, die 14 bis 15 Jahre alt waren und zu meiner großen Verwunderung AC/DC Platten kaufen. Daran wurde mir wieder einmal klar, wie interessant für Leute jedweden Alters die Musik ist, die vor ihrer Zeit gewesen ist. Das ist ein stehendes Bild, das ich mit Elpi verbinde.
Zweitens ist da die Destille, die aufgrund von Anwohnerbeschwerden ihre Konzession zu verlieren droht...
Das war einmal meine Stammkneipe. Ich habe ein Herz für etwas bunkige Studentenkneipen. Auch wenn nicht immer meine Musik lief war die Destille für mich die Keimzelle der altehrwürdigen münsteraner Studentenszenerie. Man konnte dort immer gut an der Theke stehen und schnell an Bier kommen.
Noch eine letzte Frage: Du hast zwar einen MySpace-Account, aber kein Handy. Warum?
Ich bereue es inzwischen, einen MySpace-Account zu haben. Ich finde MySpace im Prinzip langweilig, aber manchmal möchte man sich etwas herunterladen oder einen Künstler anschreiben. Deswegen bin ich letztendlich Mitglied geworden. Ein Handy brauche ich nicht, weil ich kein Reporter mehr bin. Wäre das so, dann hätte ich ständig Interviewtermine und könnte Bescheid sagen, dass ich eine halbe Stunde später komme, wenn ich im Stau stehe. So mache ich alles per Mail oder direkt per Telefon.
Vielen Dank für das Interview!


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