The Boss Hoss: Guss Brooks und Ernesto Escobar de Tijuana
Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 20.05.2009
Damn Good! Damn Hot! All True!

Ach ja, der gute alte Wilde Westen! Dieser fing schon damals in einem Studio in Maschen an. Nobody war ein Niemand, später dann der Größte. Horst Buchholz verdiente sich, unter einem Boss mit Haarausfall, in einem mexikanischen Dorf etwas Lob und Anerkennung und Robert Ford ließ Jesse James ins Gras beißen. Unbeeindruckt von allem besuchten vor kurzem Guss Brooks und Ernesto Escobar de Tijuana von „The BossHoss“ den Umschlagplatz für Biberfälle in Münster. Die Gäule sattelten vor dem Dachboden, drinnen saß ein Trio mit vier Fäusten, ließ bei Bohnenkaffee die musikalischen Gedanken kreisen und die Sonne am Horizont verschwinden.
Claus Hensel trifft Guss Brooks (4.v.l) und Ernesto Escobar de Tijuana (2.v.r).
Ernesto: So, jetzt wird aufgenommen!
Genau, schön laut sprechen! Wie lebt es sich so in Berlin am Mississippi? Ich habe gehört, es ist eure Heimat.
Ernesto: Börlin am Mississippi … Das ist richtig.
Ist das genau dort, wo Marshall Klaus Wowereit für Recht und Ordnung sorgt?
Ernesto: Lord Wowereit!
Guss: So sieht das aus.
Die NDR-Talkshow hat einmal nachgeprüft, dass es in Amerika mehrere Börlins [Anm. d. Red.: Ich spreche nun auch nur noch von Börlin statt Berlin] gibt, aber keines, das am Mississippi liegt.
Guss: Das ist das, was im Sumpf verschwunden ist.
Aus welchem Stadtteil dieser Goldgräberstadt kommt ihr denn?
Ernesto: Das ist der Ostteil!
Ich war am 1. Mai in Kreuzberg.
Ernesto: Ach, wie aufregend. Du warst das?!
Guss: [Lacht] Und wir kriegen wieder den Ärger ab.
Als um 19 Uhr die ersten Flaschen und Steine flogen war ich aber schon weg. Einige Leute, die mir in der U-Bahn entgegenkamen, sahen aber verdächtig aus.
Guss: Alle in Schwarz gekleidet, oder?
Genau! Was war mit euch? Ich habe euch vermisst in Kreuzberg.
Guss: Ja, es gab zwar eine Konzertanfrage, aber irgendwie hat sich das nicht ergeben.
Ich kannte leider keine Band dort.
Guss: Im letzten Jahr haben die „Einstürzenden Neubauten“ dort gespielt.
Ernesto: Die Ärzte waren auch schon da. Zwar unter einem anderen Namen, aber sie waren es wirklich. Kleine Bühne in der Ecke, das war super.
Ich muss euch leider sagen, dass ich enttäuscht bin!
Guss: [Erstaunt] Wieso?
Ich dachte, ihr erscheint in Cowboy-Klamotten!
Guss: [Lacht] Na ja …
Ernesto: [Zeigt auf Guss] Aber er ist doch in Cowboy-Klamotten!
[Anm. d. Red.: Guss trägt einen Parker und Leder-Boots, Ernesto trägt Cowboystiefel und eine Jeans-Jacke] Zieht ihr den Klamottenstil nicht geradlinig durch? Ist das nicht euer Leben?
Guss: Teils, teils … Privat mal so mit Cowboystiefeln umherlaufen, ist natürlich am Start, aber du kannst nicht den ganzen Tag mit Cowboyhut durch die Gegend rennen. Außer man sitzt am Strand und benötigt ein wenig Schatten.
Strand? Du meinst jetzt am Mississippi in Börlin?
Guss: [Lacht] Genau! Strandbar.
Ernesto: Wir waren vor drei Wochen in Los Angeles und haben dort in der Wüste einen Videodreh gehabt. Da spazieren die Jungs wirklich so rum. Natürlich auch aus praktischen Gründen. Ich habe dort auch gerne meinen Hut aufgehabt. Du kannst natürlich nicht im Prenzlauer Berg mit einem Cowboyhut alleine am Tisch einen Kaffee trinken.
Guss: [Lacht] Dann sitzt du wirklich alleine am Tisch!
In Münster gibt es mehrmals im Jahr eine Kirmes, die sich Send nennt …
[Anm. d. Red.: Das Handy von Guss klingelt und er nimmt ab.]
Guss: Hallo? Ja, ich ruf zurück!
Ernesto: [Lacht] Mama, ich ruf zurück!
Guss: Tschö!
Ernesto: So! Das wäre auch geschafft.
Guss: [Hat bereits aufgelegt.] Das musste ja sein, das musste einfach sein! Ich mach’ jetzt mal auf lautlos.
Kein Problem … Wir waren beim Send. Ich hätte mich gerne mit euch beim Ponyreiten oder in der Boxbude getroffen!
Guss: Schade, das wäre bestimmt lustig geworden, aber die Kirmes kennen wir nicht.
Ihr ward nun aber schon öfters in Münster. Was ist bei euch hängen geblieben?
Guss: [Schmunzelt] Aufgrund der vielen Fahrräder habe ich vorhin gedacht, dass man hier nicht so weit entfernt von Holland ist.
Na ja … mehr Drahtesel als Hengst. Wohl nichts für richtige Cowboys wie euch?!
Guss: Ansonsten ist die tolle Atmosphäre in Münster hängen geblieben. Wir haben bis jetzt dreimal hier gespielt. Das war beim Stadtfest. Mit den H-BLOCKX auf dem Domplatz. Zehnjähriges Jubiläum ihrer Band, oder mal wieder zehnjähriges Jubiläum. Wie auch immer sie es nennen wollen. Das 1000. Konzert, oder so.
Ernesto: Das war eine coole Geschichte. Die Jungs um Henning haben uns immer als „Opener“ für ihre Show spielen lassen und irgendwann haben sie bei uns nachgefragt, ob wir nicht mal etwas zusammen machen wollen. Wir haben dann auch die ganze H-BLOCKX-Crew kennen gelernt, sind auf die Bühne gegangen und haben das ganze Ding gerockt! [Lacht] Nach unserem Auftritt kam Henning und meinte: „Hey, vielen Dank! Jetzt müssen wir noch vor die Menge! Fuck you!“
Ihr seid sieben Cowboys in der Band.
Guss: Das hat aber nichts mit den „Glorreichen Sieben“ am Hut.
Verstehe! Dann frag’ ich da mal nicht weiter. Aber wie einigt man sich bei sieben Charakteren in der Band?
Guss: Der musikalische Kopf der Band ist der Hoss. Er schreibt die Songs und produziert. Wir kommen aber auch mit Vorschlägen und dann wägen wir ab, das geht, das geht nicht. Da gab es eigentlich noch nie gro-ßen Ärger. Jeder bringt sich da auf seine Weise ein, besonders auch bei den Cover-Songs.
Am 19. Juni kommt eure neue Platte „Do Or Die“ in die Läden. „Jeder Tag kann dein erster sein“, ist eine große Hauptaussage der Scheibe. Ziemlich positiv für die heutige Zeit!
Guss: Die Aussage ist jetzt nicht auf einer aggressiven Schiene zu betrachten. Man muss aber auch mal positiv denken. Wirtschaftskrise, die Leute sind deprimiert. Vielleicht musste einfach mal die Spitze des Berges überschritten werden. Der Plattenname „Do Or Die“ ist aber auf keinen Fall wörtlich zu betrachten. [Lacht] Sterben ist vielleicht nicht so angesagt. Es bedeutet vielmehr: Wenn du die Chance hast, dann nutze sie.
Auf euren ersten Alben waren viele Cover-Songs, dann habt ihr ein wenig davon abgelassen. Wie sieht es bei der neuen Platte aus?
Ernesto: Es werden maximal drei Songs werden, obwohl wir noch einiges in der Hinterhand haben. Wir sieben noch aus.
Ihr siebt noch aus?
Guss: [Lacht] Eigentlich stecken wir noch mitten in den Aufnahmen. Wir sind momentan ganz schön am schwitzen, produzieren an vorderster Front.
Cowboys schießen! Mit wem würdet ihr euch gerne duellieren?
Guss: Meinst du jetzt mit richtigen Pistolen oder Wasserpistolen?
Natürlich im übertragenen Sinne!
Guss: Ach so, aber es ist doch gerade groß im Gespräch, Waffen zu verbieten. Auch Paintball fällt darunter.
Ernesto: Duellieren?
Guss: Eigentlich mit niemandem. Es könnte schmerzhaft sein. Höchstens ein Duell an der Bar: Wer schafft mehr Whiskey?
Das ist doch super! Mit wem würdet ihr euch da gerne messen?
Ernesto: Hm, Heidi Klum!
Guss: Heidi Klum? Ich glaube, die ist ziemlich trinkfest, du unterschätzt die. Der Seal ist bestimmt so ruhig, weil Heidi den immer unter den Tisch säuft.
Als ihr letztes Jahr in Münster gespielt habt, hat mir eine Freundin, sie ist großer BossHoss-Fan, eine verrückte Geschichte erzählt. Nora war angeblich in der Stadt, sieben Cowboys wären ihr entgegengekommen, einer hätte sie gegen die Wand gedrückt und abgeknutscht, am Ende war die Story natürlich erfunden.
Guss: [Lacht laut]
Ernesto: [Schmunzelt] Mir ist das noch nie passiert.
Guss: Ich kann mich auch nicht daran erinnern, aber man soll ja niemals nie sagen. Auf diesem Wege schöne Grüße an Nora. Das nächste Mal, lass dich nicht von irgendwelchen Leuten mit Cowboyhüten auf der Straße anquatschen. Es könnte auch jemand anders sein.
Am 4. Juni spielt ihr in der Halle Münsterland!
Guss: Ja! Das wird eine richtig gute Party. Freut euch auf einige Überraschungen!
Dann schwingt mal die Hufe und vielen Dank für das Interview!


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