Gerald Wissel & Mirco Wenzel
Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 14.05.2009

The Stage Is Yours!

Mich lässt das Gefühl nicht los, dass wir in Deutschland wieder mal hinterher hängen.
In anderen Ländern ist es einfacher mit der Gitarre aus dem Kinderzimmer die Bühnen der eigenen Stadt zu betreten. Gerald Wissel und Mirco Wenzel haben sich diese Bühne im „Sinn und Sünde“ gezimmert und heben dort unbekannte Showtalente in den Fokus der Scheinwerfer. Die erste Veranstaltung gewann „Memories of Fake“! Bei der Nachbetrachtung erzählen mir Gerald und Mirco, warum ihre „Stage“ wirklich für jeden „Open“ ist!

Claus Hensel trifft Gerald Wissel & Mirco Wenzel
Hallo Gerald, hallo Mirco! Ihr seht ziemlich entspannt aus. Gibt es schon ein Fazit der ersten Open-Stage?
Gerald: Wir sind wirklich entspannt. Die Resonanz auf die erste Open-Stage war sehr gut. Das Publikum war echt vom Fach, hatte also Ahnung von dem, was wir dort präsentiert haben.

Wie habt ihr das festgestellt?
Gerald: Na ja, der Abend hatte einen gewissen Wettbewerbscharakter. Das Publikum konnte mit Coins, die an der Kasse verteilt wurden, für ihren Favoriten votieren. Das wurde dann auch mit Überlegung gemacht in dem Sinne, der Künstler bekommt vielleicht nur einen Coin, der anderer Künstler bekommt die restlichen zwei, da er mir besser gefallen hat. Mit dem Publikum haben wir die beste Jury!

Was habt ihr von den Bands für ein Feedback bekommen?
Gerald: Bei den Bands ist der Abend auch sehr gut angekommen. Ich glaube, dass sie gemerkt haben, wie viel Mühe wir uns gegeben haben. Angefangen beim Catering bis zur kostenfreien Technik war alles vorhanden. Man kann also von einer Rundumbetreuung sprechen.

Hand aufs Herz! Schon Kassensturz gemacht?
Gerald: (lacht) Für uns persönlich hat die Veranstaltung finanziell überhaupt nichts gebracht. Ganz im Gegenteil! Wir haben sogar draufgezahlt. Uns war aber klar, dass dies bei den ersten 2-3 Veranstaltungen so sein wird!

Apropos draufgezahlt! Der Sieger hat ein Preisgeld von 250 Euro bekommen. Darf man sagen, woher der Betrag kommt?
Gerald: (schmunzelt) Aus meiner Tasche! Wir haben viele Partner die uns medial unterstützen, darüber sind die Künstler und wir sehr dankbar. Wenn uns aber jemand in anderer Sicht unter die Arme greifen will, sagen wir bestimmt nicht nein!

Jetzt habt ihr beide die Open-Stage zusammen auf die Beine gestellt. Wie habt ihr euch denn gefunden?
Mirco: Wir kennen uns über den Studi-Club aus der Lounge 54. Dort ist Gerald wiederum Inhaber. Ich habe den Studi-Club damals mit ein paar Kollegen aufgebaut.
Gerald: Genau! Mirco war neben „Studenta“ dort Mitveranstalter. Zusammen ergänzen wir uns sehr gut. Auf der einen Seite haben wir das Ambiente mit dem „Sinn und Sünde“ und auf der anderen Seite mit Mirco jemanden, der sich in der Rockszene bewegt, Kontakte hat und einfach Spaß hatte in dem Bereich etwas zu entwickeln.

Das hört sich interessant an. Wo hat man dich denn vorher angetroffen, Mirco?
Mirco: Ich habe vorher Praktika gemacht, die sich in einem kulturwissenschaftlichen Rahmen abspielten. Einmal war das im „Pumpwerk“ in Wilhelmshaven und im „Rock- und Popmuseum“ in Gronau. Da habe ich dann meine ersten Erfahrungen gesammelt, die sich mit organisatorischen Dingen im Rockbereich befassen.

Vom Praktikum zum eigenen Event ist es aber immer noch ein großer Schritt!
Mirco: Ja, aber mich haben schon vorher Veranstaltungen mit einem sozialen Hintergrund, wie hier zum Beispiel die Förderung von Künstlern, gereizt. Des Weiteren ist der Entwicklungsprozess eines Events, bei dem die Finanzierung einiges an Arbeit abverlangt, sehr spannend.

Ich habe irgendetwas von „Mircman-Enterprises“ gelesen. Kannst du darüber etwas sagen?
Mirco: Momentan bin ich das ganz alleine. Es soll aber bei Zeiten eine richtige Firma werden, bei der sich alles um Booking, Eventmanagement und Konzertveranstaltung dreht.

Also doch nicht nur Praktika in der Vergangenheit?
Mirco: (schmunzelt) Seit Anfang letzten Jahres bin ich damit richtig am Start. Ich habe in der Zeit bis heute vereinzelte Konzerte in der Sputnikhalle und im Triptychon organisiert. Das waren dann immer Eintages-Festivals mit 4-5 Newcomer-Bands.

Zurück zur Open-Stage. Macht ihr selbst Musik, oder wie entsteht der Spaß jungen Künstlern eine Plattform zu geben?
Gerald: Bei mir gab es zwei Intentionen. Zum einen hatten wir im „Sinn und Sünde“ den gesamten rockigen Bereich noch nicht abgedeckt. Open-Stage mit Bands geht ja meistens in die Rock-Schiene und wir wollten auch mal Gitarren anbieten als Alternative zu unserem sonstigen Programm. Man kann es auch als Good-Will-Aktion bezeichnen. Das alles dann natürlich in Verbindung mit der Möglichkeit jungen Leuten eine Plattform zu geben.

Jetzt fehlt mir aber noch die Info zu eurer eigenen Musikkarriere!
Gerald: (lacht) Also, ich spiel selbst Instrumente, die hier aber nichts zu suchen haben. Obwohl…es handelt sich um eine Geige und bei der ersten Open-Stage war ja auch eine Geige auf der Bühne. Vielleicht könnte ich ja bei der zweiten Open-Stage selbst mitwirken.

Bei der ersten Veranstaltung waren 3 Bands und ein Solokünstler auf der Bühne. Gibt es im Vorfeld ein Casting?
Mirco: Die Künstler haben sich bei uns per Mail oder per Telefon beworben. Einige haben uns Demo-Tapes geschickt, bei anderen haben wir auf der Homepage oder der MySpace-Seite reingehört. Letztendlich haben wir dann eine Entscheidung getroffen und das Teilnehmerfeld zusammengestellt.

Ihr wollt euch aber nicht nur auf Musik beschränken?
Gerald: Nein, wir sind über jede Anmeldung dankbar. Egal ob Comedian, Akrobat, oder sonst eine „verrückte“ Kunst.

Wie würde denn dann ein Casting ablaufen?
Mirco: Natürlich würden wir uns auch hier erstmal im Netz schlau machen. Ansonsten besteht aber auch die Möglichkeit ein Casting direkt bei uns abzuhalten. Das heißt, die Künstler spielen bei uns vor und wir treffen wiederum die Auswahl. Wir sind aber auch nicht abgeneigt, eine vorherige Show der jeweiligen Person oder Gruppe zu besuchen. Vielleicht besteht die Möglichkeit ganz in der Nähe.
Gerald: Genau, da sind wir wirklich flexibel. Vor uns braucht auch kein Mensch Angst zu haben. Wir sind liebe Leute, die einfach Spaß an der Kunst haben. Hier wird keiner, der vorspielt, aufgefressen. Es gibt hier keinen Druck oder Zwang!

Gibt es eine Altersbegrenzung?
Gerald: Gut, dass du das fragst. Nein, keine Altersbegrenzung. Bei uns kann sich jeder, von 1 bis 99 Jahre, anmelden. Zum Beispiel haben wir schon einen Termin ins Auge gefasst, bei dem nur Schülerbands auftreten. Wir können uns aber auch einen Schlagerabend für älteres Publikum vorstellen. Also, keine Scheu! Wir freuen uns über jede Bewerbung. Es wäre natürlich ein Traum, wenn wir sagen können: Jetzt haben wir 250 Bewerbungen und können acht Metiers abdecken.

Was passiert mit den nicht-gecasteten Künstlern?
Mirco: Die sind weiterhin im Topf. Da fällt keiner raus. Jeder hat die Chance dann beim nächsten Termin dabei zu sein.

Bei der ersten Open-Stage hat die Band „Memories of Fake“ aus Ochtrup gewonnen. Wird der Sieger auf eine gewisse Art und Weise weiterbegleitet?
Gerald: Ja klar. Wir nehmen jeden Sieger in eine Kartei auf unserer Internetseite auf. Es soll dann die Möglichkeit bestehen Kontakt mit dem jeweiligen Künstler herzustellen, Infos abzurufen und ihn gegebenenfalls für andere Veranstaltungen zu buchen.
Mirco: Vielleicht noch ne wichtige Info! Jedem Künstler ist es bei der Open-Stage erlaubt seinen eigenen Merch wie, Cd, Poster, Button, unter die Leute zu bringen. Das ist bei dem ersten Event ein wenig untergegangen.

Gibt es Dinge, die ihr bei der zweiten Open-Stage anders machen wollt?
Gerald: Natürlich gibt es immer etwas zu verbessern. Beim nächsten Mal wird es definitiv einen Haupt-Act geben, der auch an dem Abend auftreten wird. Vielleicht wird dieser die Lücke zwischen Open-Stage und angrenzender Party schließen.
Mirco: Eigentlich reden wir hier von Kleinigkeiten. Wir versuchen auf jeden Fall die Umbauphasen zwischen den Bands besser zu kaschieren.

Wie ist da der Schlüssel zum Erfolg?
Gerald: Ein Ansatzpunkt wäre die Moderation! Entweder durch einen Comedian oder einen Menschen, der sozusagen mit dem Mikro in der Hand geboren wurde. Vielleicht hier auch noch mal der Aufruf: Wer sich berufen fühlt, durch den Abend zu führen, der kann sich auch sehr gerne bei uns melden!

Oh, noch ein Jobangebot?
Gerald: (schmunzelt) Jein! Für uns wäre es natürlich super, wenn dies einer ohne Bezahlung machen könnte!

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die 2. Open-Stage am 03.06.09!




Vita:
Die Idee zur Open-Stage lag schon einige Jahre in der Schublade. Die Geburt folgte am 06.05.09 im „Sinn und Sünde“ in Münster. Die Open-Stage zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht altersbegrenzt ist und sich jedermann bei ihr anmelden kann. Wenn ihr also auf dem Kamm blasen könnt oder geknebelt unter Wasser der größte Tenor seid, dann schaut bei www.sinn-und-suende.de vorbei und bewerbt euch unter: info@sinn-und-suende.de, bewerbung@mircman-enterprises.de oder 0251-4145995. Die Veranstalter halten sich bei dieser Vita einmal dezent im Hintergrund und lassen der Stage den Vortritt.

Kommentare

Bisher wurden keine Kommentare abgegeben.

Neuer Kommentar
Sie schreiben als:

Kommentar:





Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
Benutzeranmeldung