Markus Barth
Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 7.05.2009
Wünsch dir was!

Ob Markus Barth oft mit Mario Barth verwechselt wird, werde ich nicht fragen – auch die Laune eines Comedians sollte nicht unnötig strapaziert werden. Ich bin gespannt, ob er – wie einige seiner Kollegen – eher Berufskomiker oder das Witzigsein vielmehr ein Charakterzug ist. Ich will mit ihm über Eitelkeiten, Drogengeschichten, persönliche Problemlösungsstrategien und Münster-Erlebnisse sprechen. Dass er subtil an Verfolgungswahn zu leiden scheint, zeigt die unterdrückte Nummer, mit der er mich anruft – und bestätigt sich im Laufe des Interviews.
Swantje Diepenhorst telefoniert mit Markus Barth
Als ich dich gerade auf deiner Homepage gesehen habe, dachte ich: Du bist ja gar nicht mal so hässlich.
Oh, danke schön! Das ist ein gelungener Gesprächseinstieg.
Findest du dich hübsch?
Joa, hm, das kann ich nicht beantworten. Lass das mal besser andere entscheiden. Hauptsache, du sagst nicht, dass ich aussehe wie Peyman Armin aus der „Germany’s Next Topmodel“-Jury.
Gedacht habe ich das tatsächlich. Aber dir ist anzusehen, dass du dich nicht ganz so geil findest.
Ich empfinde mein Aussehen in der Tat nicht als mein herausstechendes Merkmal. Mein Humor ist mir wichtiger ...
Und der macht einen Mann sexy, munkelt man. Wie pflegst du deine Haarlosigkeit auf dem Kopf, in der Nase und in den Ohren?
Ich besitze einen Langhaarrasierer, mit dem ich meine Haare kürze. Ich benutze den ohne Aufsatz, trotzdem sind die Haare dann nicht komplett weg – ich trage also keine Glatze. Einen Nasen- und Ohrhaarrasierer habe ich auch, den benutze ich aber nur, wenn mir langweilig ist.
Stichwort „Langeweile“ – in dem von dir verfassten Tierhoroskop heißt es: „Ein spannender Tag steht Ihnen bevor! Sie werden fressen, schlafen, fressen und schlafen!“ Sehen deine Tage denn anders aus?
Kaum. Wenn du da ab und zu noch das Wort „Auftritt“ einfügst, dann passt das ziemlich genau.
Und „zum Lieblingsdrogeriemarkt dm gehen“ muss auch noch rein.
Oh ja, richtig. Dort bin ich so gerne! Am liebsten kaufe ich Dinge, auf denen „neu“ steht. Ich bin das beste Beispiel dafür, dass diese Marketingstrategie funktioniert. Ich mache von Zeit zu Zeit auch den Vergleich: Ich lege eine alte und eine neue Prinzenrolle „mit verbesserter Rezeptur“ nebeneinander und mache den Geschmackstest.
Schmeckst du einen Unterschied?
Nein. Ehrlich gesagt überhaupt keinen.
Denn darum geht’s ja auch gar nicht.
Eben, es geht um das Kaufempfinden. Nur beim neuen Ariel wirft sich mir ein Problem auf. Das verspricht „strahlende Reinheit ab 15 Grad“. Soweit ich weiß, kommt – insbesondere im Sommer – das Wasser aber wärmer aus der Leitung. Wie schaffe ich es also, das Wasser auf 15 Grad runterzukühlen?
Ich weiß nicht ...
Vielleicht schmeiße ich ein paar Eiswürfel in die Dreckwäsche.
Sammelst Du als treuer dm-Kunde Payback-Punkte?
Um Himmels Willen, da leide ich echt unter Verfolgungswahn. Die sollen gar nicht wissen, dass ich an einem Tag einen Nasenhaarschneider, eine Prinzenrolle und ein Waschmittel gekauft habe – wenn die dann vor meiner Tür stehen und mich fragen, was diese Kombination soll, komme ich in Erklärungsnot. Das geht die gar nichts an!
Du könntest das bei der nächsten Show verarbeiten. Weißt du schon, um welche Themen es bei deinem „Nightwash“-Auftritt in Münster gehen wird?
Noch nicht, das sehe ich dann kurzfristig. Bis dahin kann so viel passieren. Ich nehme auf meiner Homepage gerne Themenvorschläge an!
Dort twitterst du auch. Meinst du, das liest jemand?
Und ob, ich bekomme regelmäßig Feedback. Wer auch immer in Münster twittert, kann mich gerne antwittern und sich Themen für meinen Soloabend wünschen. Ich werde auf jeden Fall versuchen, das einzubauen.
Das ist mal ein Angebot!
Außerdem sagte ein Freund von mir irgendwann, ich müsste die Seite regelmäßiger aktualisieren. Dafür sind die Twitter-Einträge super. Und du hast es doch auch gelesen!
Richtig – ich hatte in diesem Fall durch unser Interview ja auch einen konkreten Anlass. Und ich weiß jetzt, dass du heute Abend zurück-grillst.
Ja, ich freu mich schon. Der Freund, der auch das mit dem Aktualisieren der Homepage gesagt hat, hat mir einen Grill geschenkt. Jetzt treffen wir uns mit ein paar anderen und dann gibt’s viel Fleisch auf den Grill.
Was ist mit Brot und Salat?
Das wird weggelassen, da keine Frauen kommen.
Dafür gibt’s entblößte Bierbäuche?
Wir arbeiten dran!
Bierbauch über Steak, mmmmh. Lohnt sich da die Überlegung, eventuell mal die vegetarische Richtung einzuschlagen?
Ich war schon mal Vegetarier! Weil ich zugesehen hatte, wie mein Vater in unserer Küche einen Stallhasen fachmännisch zerlegt hat. Schon am nächsten Tag habe ich mich aber wieder vom Vegetarismus verabschiedet. Mein Bruder war da etwas ausdauernder. Er hat’s ungefähr drei Jahre ausgehalten. Bis er irgendwann im Sommer neben einem Grill stand mit seinen „pikant marinierten Auberginenscheiben“ und sich dachte: „Wenn der liebe Gott gewollt hätte, dass ich euch esse, hätte er mir keine Zähne gegeben.“ Sprach’s und hat sich ein Steak geschnappt ...
Was isst du sonst außer Fleisch?
Oh, ich bin ein guter Koch! Mit voll ausgestatteter Küche, ich besitze zum Beispiel ungefähr tausend Parmesanreiben. Am liebsten mache ich aber Crème Bruleé.
Du hast so einen Bunsenbrenner? Hammer. Was ist das Unnützeste in deiner Küche?
Hab’ ich nichts! Glücklicherweise bin ich der Wegschmeiß-Typ. Alles, was ich längere Zeit nicht benutzt habe, schmeiße ich weg.
„Simplify your life“-mäßig!?
Ich mache das ganz automatisch. Und denke dann: „Yeah, wieder mehr Platz in der Wohnung.“ Ich verstehe Sammler nicht, die sich mit allem möglichen zumüllen.
„Maximal dicht“ als Programmtitel hab ich nicht ganz verstanden – kiffst du?
Nee, der Kelch ist glücklicherweise an mir vorübergegangen. Der Titel ist entstanden, weil wir das Programm erstmals in einem Club aufgeführt haben, der „4° C“ hieß. Ich war der Einzige, der aus der Schule noch wusste, dass Wasser bei dieser Temperatur seine maximale Dichte hat. Seitdem werde ich auch der Phillip Lahm der Comedy genannt. Statt zu kiffen spiele ich übrigens Akkordeon.
Wie sind die Reaktionen darauf?
Ähnlich: Die einen kotzen, die anderen lächeln und wieder andere verlassen den Raum.
Bist du ein begnadeter Spieler?
Es reicht zumindest aus, vielfältige Reaktionen hervorzurufen. Ansonsten glänze ich eher durch geistige Fähigkeiten als durch körperliche.
Du haust also nicht zu, wenn du in Münster von einem Fahrradfahrer zur Seite geklingelt wirst?
Nein, wenn ich mich drei Zentimeter auf einem münster-schen Fahrradweg befinde und daraufhin lautes Geklingel ertönt – was schon häufig passiert ist –, dann springe ich sofort zur Seite.
Löst du in deinem Leben alle Probleme auf diese Weise? Indem du zur Seite springst?
[Lacht] Ich bin eher der Hosenscheißer! Ich war mal mit einem Freund, zufällig der Homepage- und Grillfreund ...
Ich glaube, du hast nur den einen ...
Ja, richtig, das klingt so. Wir waren in irgendeinem Fahrgeschäft, „Wilder Hopser“ oder so. Eine Freundin bekam ’ne Panik-Attacke und ich hab’ dem Betreiber zugerufen, er soll das Ding bitte abschalten. Stattdessen hat er noch mal richtig aufgedreht. Dann hab’ ich ihm beim Rausgehen ein sehr unflätiges Wort zugerufen, er kam aus seiner Kabine, hat aber leider nicht mir, sondern meinem Kumpel eine gewäschert. Ich war schon vorbei! Die Geschichte muss ich mir von dem Freund seitdem wöchentlich anhören.
So ein Ärger! Dabei wolltet ihr einfach nur Karussel fahren.
Da gibt’s noch eine andere Jahrmarkt-Geschichte, aus der die Feststellung folgte, dass Jahrmarktleute mir suspekt sind. Ich sitze in der Achterbahn, die Bügel schließen sich, in dem Moment höre ich den Typ (junger Mann zum Mitreisen) neben mir sagen: „Ja, Chef, das reparier ich NACH dieser Fahrt!“ Da fährt man doch mit ’nem herrlichen Gefühl ...
Und das Zur-Seite-Springen wird wieder zu einer interessanten Alternative. Danke fürs Gespräch!


Kommentare
Bisher wurden keine Kommentare abgegeben.