Johannes Mayer
Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 30.04.2009
The Late Call

Der Deutsche von heute sucht sein Glück in der weiten Welt. Gewappnet mit null Sprachkenntnissen geht’s für den typischen Auswanderer erstmal ab in den Süden. Weniger typisch ist Johannes Mayer. Mit seiner alten Band The Cedar wurde der Münsteraner Singer/Songwriter überregional bekannt, doch im Juni 2008 spielten sie die letzten Takte in ihrem Proberaum. Johannes zog es nach Stockholm. Von dort aus veröffentlicht er nun unter dem Namen The Late Call sein Debütalbum. Wir haben es gehört. Anscheinend hat er das Glück gefunden.
Sebastian Golla telefoniert mit Johannes Mayer
Hallo Johannes, wann und wie ist dein Plan entstanden, nach Schweden zu gehen?
Ich bin wegen meiner Freundin hierher gezogen. Die Entscheidung stand schon fest, bevor ich mit der Uni in Münster fertig wurde. Also, ich bin jedenfalls nicht der Auswanderer mit Wanderschuhen und Wollpulli, für den Schweden das Paradies darstellt. Es hat sich einfach so ergeben, dass ich hierher kam.
Was würdest du dir von Stockholm in Münster wünschen?
Oh, Stockholm ist eben einfach eine viel größere Stadt. Gefällt einem etwas, dann gibt es gleich noch mal fünf andere Dinge in der Stadt, die einem auch gefallen würden.
Und was vermisst du im Gegenzug an Münster am meisten?
Ich vermisse ziemlich viel. Als erstes meine alten Freunde, die ich jetzt nur noch sehr selten sehen kann. Dann hat Münster so viele schöne Stellen. Ich habe es immer sehr geschätzt, dass die Stadt einen auf gewisse Weise in Ruhe lässt. Man wird nicht gestresst, weil man keine weiten Wege hat. Man braucht nur ein Fahrrad und ein wenig Glück, dass man damit nicht durch Scherben fährt, dann ist alles gut in Münster. Last but not least, auch wenn ich mir dort vermutlich Lungenkrebs vom Passivrauchen geholt habe: Das Café Montmartre.
Schweden ist zwar ein kleines Land, hat aber eine lebhaftere Popmusik-Szene als Deutschland. Warum ist das so?
Meine Einschätzung ist, dass kleine Szenen effektiver und kreativer sind, weil sie enger zusammenarbeiten und sich besser austauschen. Es hat hier nicht lange gebraucht, um einige der interessantesten schwedischen Musiker kennen zu lernen. Geht man auf dieselben Konzerte, trifft man sich ständig und die Idee, miteinander Musik zu machen, liegt da nahe. Und auch wenn es etwas arrogant klingt: Die Schweden haben einfach mehr Geschmack in Sachen Musik…
Mit deinem Projekt The Late Call hast du einen Plattenvertrag beim Hamburger Independent-Label Tapete bekommen. Ist damit der Weg frei für dich zum Beruf als Vollzeit-Musiker?
Das wäre schön. Ich habe genügend Ideen für ein weiteres Album und ich spiele einfach für mein Leben gern. Ob das aber so reibungslos läuft, wird sich noch zeigen.
Der Name The Late Call stammt laut Presseinfo vom Warten auf die Anrufe der Freundin am späten Abend. Schenkst du uns eine Weisheit über Fernbeziehungen?
Man braucht diesen Umschaltknopf im Hirn: So, heute geht mein Flug, meine Bahn oder meine Kutsche zurück in die Heimat. Die vergangenen Tage sind vorbei, ich konzentriere mich jetzt auf das, was als nächstes ansteht. Man muss hart zu sich sein, sonst wird man unglücklich dabei. Hört sich das jetzt abschreckend an?
Dein Debütalbum „Leaving Notes“ ist gerade erschienen. Was erwartet uns musikalisch?
Man hört circa eineinhalb Jahre Detailarbeit und wie man mit so wenigen Mitteln wie nötig so viel Wirkung wie möglich erzeugen kann. Es ist ein ruhiges Album mit sparsamen Arrangements. Ich würde es als moderne Kammermusik bezeichnen. Daran knüpfen die Streichtrios und –quartetts auf der Platte auch bewusst an.
Dein Label vergleicht dich mit großen Singer/Songwritern wie Nick Drake oder Damien Rice. Wer sind deine wichtigsten musikalischen Einflüsse?
Ich habe keinen wichtigsten Einfluss, ich nehme mir Ideen von überall her und interpretiere sie um. Allerdings haben Fleet Foxes und Bon Iver einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
Es sollen auch schon mal Leute deine Stimme mit der von Chris Martin (Coldplay) verwechselt haben. Was hältst du von diesem Vergleich?
Oho. Ich habe einfach zufällig eine ähnliche Stimme wie er, aber ich benutze sie anders. Deswegen klinge ich meiner Meinung nach nur wie er, wenn ich dick Schnupfen habe.
Neben dir und deiner Gitarre hört man auf „Leaving Notes“ auch das besagte Streichquartett sowie weitere schwedische Musiker. Seid ihr als Band zusammengewachsen?
The Late Call sehe nicht als eine feste Band. Es soll immer viele Kollaborationen geben, auf Platte und live. Ich glaube fest daran, dass das der Schlüssel zu guter Musik ist.
Unter anderem ist auch Henrik Roger mit von der Partie, der Sänger der Münsteraner Band Ghost Of Tom Joad. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Henrik ist ein guter Freund von mir und war gerade in meinem letzten Jahr in Münster eine wichtige Inspirationsquelle. Wir haben öfters zusammen gespielt, hatten ja auch denselben Proberaum. Er hat auch Harmonium auf „Leaving Notes“ gespielt. Ich spüre da eben eine musikalische Verwandtschaft, auch wenn seine Band ganz anders klingt als The Late Call.
Wie sind denn so deine Beziehungen zur Musikszene in Münster?
Ein paar lose Kontakte, wie sollte es auch anders sein. Ich bin ja nicht mehr „aktiv“ dort. Klar, zu meiner alten Band The Cedar und Ghost of Tom Joad habe ich noch Kontakt. Aber ganz ehrlich: So umwerfend ist die Musikszene im Akustikbereich auch nicht gerade. Und dazu kann man nicht die Clowns zählen, die immer samstags akustisch die größten Hits der 90er im Café Dingsbums zum Brunch zwitschern.
Am 16. Mai spielst du das letzte Konzert deiner Deutschlandtour im Amp in Münster. Was erwartest du von der Show?
Das wird ein besonderer Abend, ohne Frage. Egal, wie viele Leute zuhören werden. Vermutlich werde ich nicht ganz kapieren, dass es Münster im Mai 2009 ist und nach dem Konzert in die Querstraße laufen, in der ich gewohnt habe und dann verwundert feststellen, dass der Schlüssel für die Haustür nicht mehr passt.
Welche Pläne hast du nach der Tour noch fürs Jahr 2009?
Mehr Konzerte spielen und das Album unter die Leute bringen, weil es einfach so gut geworden ist. Wenn alles klappt, dann gehe ich im Herbst wieder ins Studio. Hier liegen Songs, die raus in die Welt müssen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Ich bin wegen meiner Freundin hierher gezogen. Die Entscheidung stand schon fest, bevor ich mit der Uni in Münster fertig wurde. Also, ich bin jedenfalls nicht der Auswanderer mit Wanderschuhen und Wollpulli, für den Schweden das Paradies darstellt. Es hat sich einfach so ergeben, dass ich hierher kam.
Was würdest du dir von Stockholm in Münster wünschen?
Oh, Stockholm ist eben einfach eine viel größere Stadt. Gefällt einem etwas, dann gibt es gleich noch mal fünf andere Dinge in der Stadt, die einem auch gefallen würden.
Und was vermisst du im Gegenzug an Münster am meisten?
Ich vermisse ziemlich viel. Als erstes meine alten Freunde, die ich jetzt nur noch sehr selten sehen kann. Dann hat Münster so viele schöne Stellen. Ich habe es immer sehr geschätzt, dass die Stadt einen auf gewisse Weise in Ruhe lässt. Man wird nicht gestresst, weil man keine weiten Wege hat. Man braucht nur ein Fahrrad und ein wenig Glück, dass man damit nicht durch Scherben fährt, dann ist alles gut in Münster. Last but not least, auch wenn ich mir dort vermutlich Lungenkrebs vom Passivrauchen geholt habe: Das Café Montmartre.
Schweden ist zwar ein kleines Land, hat aber eine lebhaftere Popmusik-Szene als Deutschland. Warum ist das so?
Meine Einschätzung ist, dass kleine Szenen effektiver und kreativer sind, weil sie enger zusammenarbeiten und sich besser austauschen. Es hat hier nicht lange gebraucht, um einige der interessantesten schwedischen Musiker kennen zu lernen. Geht man auf dieselben Konzerte, trifft man sich ständig und die Idee, miteinander Musik zu machen, liegt da nahe. Und auch wenn es etwas arrogant klingt: Die Schweden haben einfach mehr Geschmack in Sachen Musik…
Mit deinem Projekt The Late Call hast du einen Plattenvertrag beim Hamburger Independent-Label Tapete bekommen. Ist damit der Weg frei für dich zum Beruf als Vollzeit-Musiker?
Das wäre schön. Ich habe genügend Ideen für ein weiteres Album und ich spiele einfach für mein Leben gern. Ob das aber so reibungslos läuft, wird sich noch zeigen.
Der Name The Late Call stammt laut Presseinfo vom Warten auf die Anrufe der Freundin am späten Abend. Schenkst du uns eine Weisheit über Fernbeziehungen?
Man braucht diesen Umschaltknopf im Hirn: So, heute geht mein Flug, meine Bahn oder meine Kutsche zurück in die Heimat. Die vergangenen Tage sind vorbei, ich konzentriere mich jetzt auf das, was als nächstes ansteht. Man muss hart zu sich sein, sonst wird man unglücklich dabei. Hört sich das jetzt abschreckend an?
Dein Debütalbum „Leaving Notes“ ist gerade erschienen. Was erwartet uns musikalisch?
Man hört circa eineinhalb Jahre Detailarbeit und wie man mit so wenigen Mitteln wie nötig so viel Wirkung wie möglich erzeugen kann. Es ist ein ruhiges Album mit sparsamen Arrangements. Ich würde es als moderne Kammermusik bezeichnen. Daran knüpfen die Streichtrios und –quartetts auf der Platte auch bewusst an.
Dein Label vergleicht dich mit großen Singer/Songwritern wie Nick Drake oder Damien Rice. Wer sind deine wichtigsten musikalischen Einflüsse?
Ich habe keinen wichtigsten Einfluss, ich nehme mir Ideen von überall her und interpretiere sie um. Allerdings haben Fleet Foxes und Bon Iver einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.
Es sollen auch schon mal Leute deine Stimme mit der von Chris Martin (Coldplay) verwechselt haben. Was hältst du von diesem Vergleich?
Oho. Ich habe einfach zufällig eine ähnliche Stimme wie er, aber ich benutze sie anders. Deswegen klinge ich meiner Meinung nach nur wie er, wenn ich dick Schnupfen habe.
Neben dir und deiner Gitarre hört man auf „Leaving Notes“ auch das besagte Streichquartett sowie weitere schwedische Musiker. Seid ihr als Band zusammengewachsen?
The Late Call sehe nicht als eine feste Band. Es soll immer viele Kollaborationen geben, auf Platte und live. Ich glaube fest daran, dass das der Schlüssel zu guter Musik ist.
Unter anderem ist auch Henrik Roger mit von der Partie, der Sänger der Münsteraner Band Ghost Of Tom Joad. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Henrik ist ein guter Freund von mir und war gerade in meinem letzten Jahr in Münster eine wichtige Inspirationsquelle. Wir haben öfters zusammen gespielt, hatten ja auch denselben Proberaum. Er hat auch Harmonium auf „Leaving Notes“ gespielt. Ich spüre da eben eine musikalische Verwandtschaft, auch wenn seine Band ganz anders klingt als The Late Call.
Wie sind denn so deine Beziehungen zur Musikszene in Münster?
Ein paar lose Kontakte, wie sollte es auch anders sein. Ich bin ja nicht mehr „aktiv“ dort. Klar, zu meiner alten Band The Cedar und Ghost of Tom Joad habe ich noch Kontakt. Aber ganz ehrlich: So umwerfend ist die Musikszene im Akustikbereich auch nicht gerade. Und dazu kann man nicht die Clowns zählen, die immer samstags akustisch die größten Hits der 90er im Café Dingsbums zum Brunch zwitschern.
Am 16. Mai spielst du das letzte Konzert deiner Deutschlandtour im Amp in Münster. Was erwartest du von der Show?
Das wird ein besonderer Abend, ohne Frage. Egal, wie viele Leute zuhören werden. Vermutlich werde ich nicht ganz kapieren, dass es Münster im Mai 2009 ist und nach dem Konzert in die Querstraße laufen, in der ich gewohnt habe und dann verwundert feststellen, dass der Schlüssel für die Haustür nicht mehr passt.
Welche Pläne hast du nach der Tour noch fürs Jahr 2009?
Mehr Konzerte spielen und das Album unter die Leute bringen, weil es einfach so gut geworden ist. Wenn alles klappt, dann gehe ich im Herbst wieder ins Studio. Hier liegen Songs, die raus in die Welt müssen.
Vielen Dank für das Gespräch!


Kommentare
Bisher wurden keine Kommentare abgegeben.