Thomas Gsella
Stadtgeflüsterinterview in der MZ am 12.03.2009
Ohne Ernst kein Spaß

Beim Münsteraner Gründungsparteitag der „Titanic“-Partei war er leibhaftig dabei, jetzt kommt Thomas Gsella wieder in die Stadt. Dieses Mal, um vorzulesen: Am Montag gibt es seine satirische Prosa und komischen Gedichte auf die Ohren. Und wer ewig lange Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ war, der wird wohl obendrauf ’ne Menge verbalen Senfes dazuzugeben haben. Momentan macht Gsella dies in der Schweiz – und da klingelt jetzt das Telefon.
Swantje Diepenhorst
Herr Gsella, jetzt sitzen Sie irgendwo in der Schweiz. Vermissen Sie Ihre ehemalige Titanic-Redaktion?
Es kommen bestimmt Tage, an denen ich sie vermissen werde, noch ist es aber nicht soweit. Lesereisender zu sein ist der bessere Job. Zwar sehe ich meine Familie kaum, liebe diese Arbeit aber sehr und habe viel Spaß am Rumreisen und Vorlesen. Außerdem schreibe ich ja noch immer für die „Titanic“, zum Beispiel die „Briefe an den Leser“.
Gibt es in der Redaktion Witzblockaden?
Oh ja,die gibt es! Viele denken, dass die Arbeit dort ein einziges Lachereignis sei. Dem ist nicht so. Es wird sicherlich mehr gelacht, als in irgendwelchen langweiligen Tageszeitungsredaktionen und es gibt auch weniger Alkoholiker, trotzdem ist es ganz normale Arbeit, die eine hohe Konzentration braucht.
Wenn schon kein morgendliches Zuprosten: Gibt es andere Muntermacher oder Drogen in der „Titanic“-Redaktion?
Wir haben einen großen Schrank mit allerlei Kräutern und Pillen, an den wir aber leider kaum dran gehen. Ein paar Dauerkiffer gibt’s schon, aber selbst die arbeiten erst und rauchen dann. Außerdem haben wir immer einen Kasten Bier da.
Wo finden Sie diese Lebensklugheiten, die der Leser von Ihnen empfängt?
In meinem unglaublich klugen Hirn, glaube ich. Normalerweise setze ich mich einfach hin und warte, dass mir was einfällt. Ich lese auch andere Gedichte, deren Ton ich parodiere, sofern er mir gefällt. Für ein Gedicht brauche ich zwischen einer Stunde und acht Stunden, das geht vom Vierzeiler bis zum Achtstropher. Je nachdem, was ein Gedicht so braucht.
Das spüren Sie?
Das merke ich. Ich schreibe auf, was mir durch den Kopf geht. Manchmal geht mir auch gar nichts durch den Kopf, dann schreibe ich nichts auf. Meine Erfahrung ist: Je schneller es geht, desto besser ist das Gedicht. Ich hab schon ein paar Sachen in einer Viertelstunde geschrieben, die sofort rund waren. Wenn ich lange rumfeilen muss, ist das der beste Hinweis darauf, dass ich gerade etwas falsch mache oder den Dreh noch nicht gefunden habe.
Was folgt dann? Aggressivität? Zerknüllen Sie dramatisch das Papier?
Gibt’s ja leider nicht mehr, ich mache alles im PC.
Schlagen Sie also den PC gegen die Wand?
Bisher noch nicht. Dass ich nach drei Stunden etwas lösche, kommt aber vor. Wenn’s nur Quatsch oder eine reine Parodie geworden ist und mir nichts Eigenes eingefallen ist, vernichte ich das Gedicht wieder. Schade eigentlich um die alten Gesten des Papierzerknüllens und gegen die Wand schmeißen.
Die taz nannte Sie „Gott der Fußballlyrik“. Trifft die Bezeichnung zu?
Ja, da hat die taz Recht! Sie liegt ja nicht immer richtig, aber da auf jeden Fall! Obwohl es „Mitgott“ noch besser trifft, schließlich muss man in diesem Zusammenhang noch Ror Wolf nennen, dem Begründer der intelligenten Fußballlyrik in Deutschland. Der macht das großartig – ich weiß gar nicht, ob ich jemals so gut werde. Aber ich mache das gern... Und auch gut, glaube ich. So heißt auch mein neues Buch bei Fischer „Nennt mich Gott“.
Fühlen Sie sich durch die Ansage nicht überfordert?
Nein, Gott ist ja auch nicht überall gut. Manchmal ist Gott ein Versager.
Blasphemie! Was denken Sie sich dabei?
Ach, wenn man sich die Welt anguckt und wenn man sich meine Gedichte anguckt, dann kann Gott gar nicht alles richtig machen.
Sind Sie Kirchenmitglied?
Ne, ich bin ausgetreten. Aber ich bin tatsächlich katholisch erzogen. Ich war Messdiener und Solosänger im Kirchenchor. Ich konnte wunderbar singen. Mit meinem Bruder und gefalteten Händen habe ich die Weihnachtsgeschichte gesungen. Die Omas zerflossen vor Rührung.
Was war die Konsequenz?
Ich bin ausgetreten und Kommunist geworden. Aber meine neunjärige Tochter hat sich taufen lassen.
Das durfte sie selbst entscheiden?
Meine Frau und ich haben vereinbart, dass wir unsere Kinder nicht schlagen, und so konnten wir da nicht viel ausrichten. Unsere Tochter hat’s gewollt und wir mussten eben in den sauren Apfel beißen. Aber es ist ja noch genügend Zeit, den Irrtum – falls es einer ist – zu beheben.
Was wäre Ihrer Meinung nach denn der richtige Weg?
Vielleicht ist eine Taufe ja sogar der Anfang eines richtigen Weges, kann ja sein. Meine Tochter wird eine heilende Fee, die nach Afrika geht, um dort Menschen zu helfen. Und es gibt doch einen Gott und ich irre mich. Das glaube ich allerdings nicht. Aber: Aus mir ist was geworden und ich war katholisch.
Was hat das aus Ihnen gemacht?
Ich denke, eine religiöse Erziehung prägt immer. Das grenzt an ein Warnsystem, dem man verfallen ist. Man muss an Sachen glauben, die sich als überhaupt nicht einleuchtend darstellen: Übersinnliche Wesen, Himmel und Hölle, wobei man nie weiß, wo die eigentlich sein sollen.
Das macht Kindern ja ersteinmal nichts aus.
Das stimmt, Geschichten glauben Kinder eh. Belebte Dinge, Tiere, Zauberwesen – deswegen ist Religion auch nicht viel anders als eine ganz schöne Erzählung. Ich habe ohnehin nicht mehr diesen Hardcore-Katholizismus mit Strafen, Feuer und Hölle mitbekommen. Wahrscheinlich macht einen das schon ein bisschen verrückt. Was man aber mitkriegt ist eine gewisse moralische Grundhaltung. Weil die Worte „gut“ und „böse“ eine große Rolle im Christentum spielen. Dadurch bin ich wohl eher ein guter Mensch als ein Schwein geworden.
Waren Sie trotzdem beichten?
Klar, allerdings nur alle drei Wochen. Mir ist immer nichts eingefallen, was ich dem Priester hätte beichten können. Dass ich mir also manchmal etwas ausgedacht habe, konnte ich ebenso wenig nicht beichten – Sünden erfinden ist ja auch eine Sünde. Wenn man das beichtet, geht die komplette Beichte kaputt.
In der aktuellen „Titanic“-Ausgabe geht’s im Artikel „Reuelos im Sündenstuhl“ auch um Beichte. Ist das ein ¾ Hakenkreuz rechts oben auf der Seite?
Ich hab die Ausgabe leider nicht zur Hand, aber vorstellen könnte ich’s mir. Das kann man machen, das Hakenkreuz ist ja ein altes Zeichen, das die Faschisten nur übernommen haben. Alle Kreuze haben Haken...
Wie das Leben selbst...
Genau.
Wo hört denn der Spaß bei Ihnen auf?
Exakt dort, wo er eben aufhört. Wenn man merkt „Das will lustig sein, ist aber nicht lustig“, dann wird da eben kein Spaß draus gemacht. Bei der „Titanic“ gibt es erstmal keine Grenzen, vielmehr zeigt die 30jährige Erfahrung, ob ein Witz geht oder nicht. Es gibt zu bestimmten Themen einfach keine Witze. Die verbieten sich von selbst, weil sie einfach nicht gut werden. Man kann zum Beispiel versuchen, über Juden als Vernichtungsopfer einen Witz zu machen, aber daraus wird nichts. Klappt einfach nicht.
Wo funktioniert es hingegen?
Man kann durchaus Witze über Behinderte und Alte machen, über Esel, Gauner und Lügner sowieso. Weil die in den verschiedenen Medien rummachen. Wir haben beispielsweise viele Witze über den behinderten Schäuble gemacht, weil er alles andere als ein angenehmer Politiker ist.
Bestätigten Sie verbotene Ausgaben, Gerichtsverfahren, einstweilige Verfügungen und Unterlassungserklärungen in Ihrer Arbeit?
Zum einen sind alle Klagen Presse und Presse hilft uns als Beklagten. Zum anderen ist es schade, weil Klagen einen Mehraufwand bedeuten. „Titanic“ ist das meist verbotene Heft, es sind inzwischen an die 40 verbotenen Ausgaben – von knapp 400! Einige der Klagen sind richtig blöd: Der Engholm hat uns mal 100 000 DM Schmerzengeld und Prozesskosten gekostet, weil wir etwas Wahres angedeutet haben, bevor später die volle Geschichte der Barschel-Affäre ans Licht kam.
Haben Sie ein Beispiel eines aktuellen Politikers?
Auf dem Titel hatten wir vor einiger Zeit Kurt Beck, den wir mit dem durch die bayrischen Wälder streifenden Braunbären verglichen. Stoiber ließ diesen Bären bekanntermaßen erschießen – leider wenige Tage, bevor unser Titel herauskam. Unter dem Bild von Beck stand dann, obwohl der Bezugswitz gestorben war, die Aufforderung „Problembär außer Rand und Band. Knallt die Bestie ab!“ Beck klagte auf einstweilige Verfügung.
Wie fanden Sie das?
Naja, durch die veränderten Umstände ist die ganze Sache ja tatsächlich schief gegangen. Es ist letztendlich aber schon schön, wenn ein wichtiges und kluges Magazin wie die „Titanic“ auch und gerade von denen wahrgenommen wird, die es meint und angreift. Macht schon Spaß, wenn diejenigen dann verärgert sind.
Haben Sie Lieblingsvorurteile, aus denen sich immer wieder eine Pointe rausholen lässt?
Ne, eigentlich nicht. Dass sich Pointen häufig gleichen, liegt daran, dass es nur eine begrenzte Formvielfalt in der Satire gibt und dass sich das Danebenbenehmen und die Missgriffe der Leute, die in den Medien herumlärmen, ähneln. Die Vergehen bleiben die gleichen: Dummheit, Gier, Falschheit und Lüge, Uniformiertheit und Eitelkeiten – das sind die Todsünden, die wir aus der Distanz verfolgen.
Sind Sie selbst ganz frei davon?
Als Satiriker – ja klar!
Es kommen bestimmt Tage, an denen ich sie vermissen werde, noch ist es aber nicht soweit. Lesereisender zu sein ist der bessere Job. Zwar sehe ich meine Familie kaum, liebe diese Arbeit aber sehr und habe viel Spaß am Rumreisen und Vorlesen. Außerdem schreibe ich ja noch immer für die „Titanic“, zum Beispiel die „Briefe an den Leser“.
Gibt es in der Redaktion Witzblockaden?
Oh ja,die gibt es! Viele denken, dass die Arbeit dort ein einziges Lachereignis sei. Dem ist nicht so. Es wird sicherlich mehr gelacht, als in irgendwelchen langweiligen Tageszeitungsredaktionen und es gibt auch weniger Alkoholiker, trotzdem ist es ganz normale Arbeit, die eine hohe Konzentration braucht.
Wenn schon kein morgendliches Zuprosten: Gibt es andere Muntermacher oder Drogen in der „Titanic“-Redaktion?
Wir haben einen großen Schrank mit allerlei Kräutern und Pillen, an den wir aber leider kaum dran gehen. Ein paar Dauerkiffer gibt’s schon, aber selbst die arbeiten erst und rauchen dann. Außerdem haben wir immer einen Kasten Bier da.
Wo finden Sie diese Lebensklugheiten, die der Leser von Ihnen empfängt?
In meinem unglaublich klugen Hirn, glaube ich. Normalerweise setze ich mich einfach hin und warte, dass mir was einfällt. Ich lese auch andere Gedichte, deren Ton ich parodiere, sofern er mir gefällt. Für ein Gedicht brauche ich zwischen einer Stunde und acht Stunden, das geht vom Vierzeiler bis zum Achtstropher. Je nachdem, was ein Gedicht so braucht.
Das spüren Sie?
Das merke ich. Ich schreibe auf, was mir durch den Kopf geht. Manchmal geht mir auch gar nichts durch den Kopf, dann schreibe ich nichts auf. Meine Erfahrung ist: Je schneller es geht, desto besser ist das Gedicht. Ich hab schon ein paar Sachen in einer Viertelstunde geschrieben, die sofort rund waren. Wenn ich lange rumfeilen muss, ist das der beste Hinweis darauf, dass ich gerade etwas falsch mache oder den Dreh noch nicht gefunden habe.
Was folgt dann? Aggressivität? Zerknüllen Sie dramatisch das Papier?
Gibt’s ja leider nicht mehr, ich mache alles im PC.
Schlagen Sie also den PC gegen die Wand?
Bisher noch nicht. Dass ich nach drei Stunden etwas lösche, kommt aber vor. Wenn’s nur Quatsch oder eine reine Parodie geworden ist und mir nichts Eigenes eingefallen ist, vernichte ich das Gedicht wieder. Schade eigentlich um die alten Gesten des Papierzerknüllens und gegen die Wand schmeißen.
Die taz nannte Sie „Gott der Fußballlyrik“. Trifft die Bezeichnung zu?
Ja, da hat die taz Recht! Sie liegt ja nicht immer richtig, aber da auf jeden Fall! Obwohl es „Mitgott“ noch besser trifft, schließlich muss man in diesem Zusammenhang noch Ror Wolf nennen, dem Begründer der intelligenten Fußballlyrik in Deutschland. Der macht das großartig – ich weiß gar nicht, ob ich jemals so gut werde. Aber ich mache das gern... Und auch gut, glaube ich. So heißt auch mein neues Buch bei Fischer „Nennt mich Gott“.
Fühlen Sie sich durch die Ansage nicht überfordert?
Nein, Gott ist ja auch nicht überall gut. Manchmal ist Gott ein Versager.
Blasphemie! Was denken Sie sich dabei?
Ach, wenn man sich die Welt anguckt und wenn man sich meine Gedichte anguckt, dann kann Gott gar nicht alles richtig machen.
Sind Sie Kirchenmitglied?
Ne, ich bin ausgetreten. Aber ich bin tatsächlich katholisch erzogen. Ich war Messdiener und Solosänger im Kirchenchor. Ich konnte wunderbar singen. Mit meinem Bruder und gefalteten Händen habe ich die Weihnachtsgeschichte gesungen. Die Omas zerflossen vor Rührung.
Was war die Konsequenz?
Ich bin ausgetreten und Kommunist geworden. Aber meine neunjärige Tochter hat sich taufen lassen.
Das durfte sie selbst entscheiden?
Meine Frau und ich haben vereinbart, dass wir unsere Kinder nicht schlagen, und so konnten wir da nicht viel ausrichten. Unsere Tochter hat’s gewollt und wir mussten eben in den sauren Apfel beißen. Aber es ist ja noch genügend Zeit, den Irrtum – falls es einer ist – zu beheben.
Was wäre Ihrer Meinung nach denn der richtige Weg?
Vielleicht ist eine Taufe ja sogar der Anfang eines richtigen Weges, kann ja sein. Meine Tochter wird eine heilende Fee, die nach Afrika geht, um dort Menschen zu helfen. Und es gibt doch einen Gott und ich irre mich. Das glaube ich allerdings nicht. Aber: Aus mir ist was geworden und ich war katholisch.
Was hat das aus Ihnen gemacht?
Ich denke, eine religiöse Erziehung prägt immer. Das grenzt an ein Warnsystem, dem man verfallen ist. Man muss an Sachen glauben, die sich als überhaupt nicht einleuchtend darstellen: Übersinnliche Wesen, Himmel und Hölle, wobei man nie weiß, wo die eigentlich sein sollen.
Das macht Kindern ja ersteinmal nichts aus.
Das stimmt, Geschichten glauben Kinder eh. Belebte Dinge, Tiere, Zauberwesen – deswegen ist Religion auch nicht viel anders als eine ganz schöne Erzählung. Ich habe ohnehin nicht mehr diesen Hardcore-Katholizismus mit Strafen, Feuer und Hölle mitbekommen. Wahrscheinlich macht einen das schon ein bisschen verrückt. Was man aber mitkriegt ist eine gewisse moralische Grundhaltung. Weil die Worte „gut“ und „böse“ eine große Rolle im Christentum spielen. Dadurch bin ich wohl eher ein guter Mensch als ein Schwein geworden.
Waren Sie trotzdem beichten?
Klar, allerdings nur alle drei Wochen. Mir ist immer nichts eingefallen, was ich dem Priester hätte beichten können. Dass ich mir also manchmal etwas ausgedacht habe, konnte ich ebenso wenig nicht beichten – Sünden erfinden ist ja auch eine Sünde. Wenn man das beichtet, geht die komplette Beichte kaputt.
In der aktuellen „Titanic“-Ausgabe geht’s im Artikel „Reuelos im Sündenstuhl“ auch um Beichte. Ist das ein ¾ Hakenkreuz rechts oben auf der Seite?
Ich hab die Ausgabe leider nicht zur Hand, aber vorstellen könnte ich’s mir. Das kann man machen, das Hakenkreuz ist ja ein altes Zeichen, das die Faschisten nur übernommen haben. Alle Kreuze haben Haken...
Wie das Leben selbst...
Genau.
Wo hört denn der Spaß bei Ihnen auf?
Exakt dort, wo er eben aufhört. Wenn man merkt „Das will lustig sein, ist aber nicht lustig“, dann wird da eben kein Spaß draus gemacht. Bei der „Titanic“ gibt es erstmal keine Grenzen, vielmehr zeigt die 30jährige Erfahrung, ob ein Witz geht oder nicht. Es gibt zu bestimmten Themen einfach keine Witze. Die verbieten sich von selbst, weil sie einfach nicht gut werden. Man kann zum Beispiel versuchen, über Juden als Vernichtungsopfer einen Witz zu machen, aber daraus wird nichts. Klappt einfach nicht.
Wo funktioniert es hingegen?
Man kann durchaus Witze über Behinderte und Alte machen, über Esel, Gauner und Lügner sowieso. Weil die in den verschiedenen Medien rummachen. Wir haben beispielsweise viele Witze über den behinderten Schäuble gemacht, weil er alles andere als ein angenehmer Politiker ist.
Bestätigten Sie verbotene Ausgaben, Gerichtsverfahren, einstweilige Verfügungen und Unterlassungserklärungen in Ihrer Arbeit?
Zum einen sind alle Klagen Presse und Presse hilft uns als Beklagten. Zum anderen ist es schade, weil Klagen einen Mehraufwand bedeuten. „Titanic“ ist das meist verbotene Heft, es sind inzwischen an die 40 verbotenen Ausgaben – von knapp 400! Einige der Klagen sind richtig blöd: Der Engholm hat uns mal 100 000 DM Schmerzengeld und Prozesskosten gekostet, weil wir etwas Wahres angedeutet haben, bevor später die volle Geschichte der Barschel-Affäre ans Licht kam.
Haben Sie ein Beispiel eines aktuellen Politikers?
Auf dem Titel hatten wir vor einiger Zeit Kurt Beck, den wir mit dem durch die bayrischen Wälder streifenden Braunbären verglichen. Stoiber ließ diesen Bären bekanntermaßen erschießen – leider wenige Tage, bevor unser Titel herauskam. Unter dem Bild von Beck stand dann, obwohl der Bezugswitz gestorben war, die Aufforderung „Problembär außer Rand und Band. Knallt die Bestie ab!“ Beck klagte auf einstweilige Verfügung.
Wie fanden Sie das?
Naja, durch die veränderten Umstände ist die ganze Sache ja tatsächlich schief gegangen. Es ist letztendlich aber schon schön, wenn ein wichtiges und kluges Magazin wie die „Titanic“ auch und gerade von denen wahrgenommen wird, die es meint und angreift. Macht schon Spaß, wenn diejenigen dann verärgert sind.
Haben Sie Lieblingsvorurteile, aus denen sich immer wieder eine Pointe rausholen lässt?
Ne, eigentlich nicht. Dass sich Pointen häufig gleichen, liegt daran, dass es nur eine begrenzte Formvielfalt in der Satire gibt und dass sich das Danebenbenehmen und die Missgriffe der Leute, die in den Medien herumlärmen, ähneln. Die Vergehen bleiben die gleichen: Dummheit, Gier, Falschheit und Lüge, Uniformiertheit und Eitelkeiten – das sind die Todsünden, die wir aus der Distanz verfolgen.
Sind Sie selbst ganz frei davon?
Als Satiriker – ja klar!


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