Klaus-Jürgen (Knacki) Deuser
Stadgeflüsterinterview in der MZ am 26.02.2009

Knacki auf Hochtouren

Vor gefühlten hundert Jahren haben wir uns schon einmal getroffen, der Knacki Deuser und ich. Seitdem ist soooo viel passiert, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll und ich weiß auch gar nicht wo ich aufhören soll, denn es geht ja immer weiter. Es? Was ist "es" überhaupt, fragst du mich? Tja, in diesem speziellen Fall ist es Knacki oder Klaus-Jürgen oder lies selbst.

Elisabeth Ostermann
Knacki, die jecke Zeit ist seit gestern vorbei. Hast du Karneval gefeiert?
Ja, dieses Jahr hab ich mitgemacht. Ich hatte sogar einen Auftritt, in meiner Heimatstadt Koblenz. Ich war als moderner Pirat verkleidet: Als Banker.

Wie originell!
Ich hab mich vorher nur gefragt, ob überhaupt jemand mein Kostüm versteht. Einmal bin ich als existentialistischer Clown gegangen, das hat keiner verstanden. Ich war ein Clown, der nie gelacht hat und ein Sartre-Buch dabei hatte. Das hat mich leider ziemlich zur Passivität verdammt.


Wie verkleidet man sich als Banker?
Ich hab einen Hut auf, trage einen Anzug und eine Augenklappe. Leider kann man mich erkennen. Eigentlich bleibe ich lieber inkognito, dann kann ich mich betrinken und nach Hause gehen.

Beruflich nennst du dich nicht mehr "Knacki". Warum?
Erstens will ich noch lange auf der Bühne stehen und außerdem leite ich viele Konferenzen für Industriejobs, die ich moderiere und da ist es schwierig, sich mit "Knacki" vorzustellen. Auch wenn ich privat jemanden kennen lerne, weiß derjenige dann manchmal nicht, wie er mich ansprechen soll und fühlt sich unwohl. Da hab ich gedacht, komm, da heiß ich jetzt "Klaus-Jürgen", dann hat keiner mehr Probleme.

Bei unserem letzten Gespräch hast du "NightWash" als dein "Baby" bezeichnet. Das Baby wird langsam groß, nicht wahr?
Ich gebe mir auch viel Mühe.

Es bekommt nur beste Vaterliebe?
Ja, und ich lasse es wachsen, denn so ein Baby muss irgendwann Eigeninitiative zeigen. Es ist gezwungen zu wachsen, sonst kommen andere, die es überholen.

Und deshalb expandiert ihr in andere Städte, NightWash wird flügge.
Genau. Ich finde, Comedy wirkt live am Besten. Wenn man die Sachen erlebt ist das ist viel lustiger, als wenn man sie vorm Computer oder vorm Fernseher anschaut. In Deutschland gibt es viele Talente aber zu wenig Locations, wo man Stand-up Comedy spielen kann. Deshalb haben wir mittlerweile in 27 Städten einen NightWash Club. Da wird nach dem NightWash- Prinzip gespielt, also ein Moderator und vier Künstler. Alle ein bis zwei Monate findet das mit einer komplett neuen Show und neuer Besetzung statt. Ich bin dann nur noch jedes dritte oder vierte mal dabei.

Macht ihr das in ganz Deutschland?
Wir haben uns kreisförmig von Köln aus ausgedehnt und hatten ursprünglich geplant, nur in Orten zu spielen, die maximal zwei Stunden entfernt liegen damit wir danach wieder zurückfahren konnten. Aber irgendwie sind wir dann immer weiter gekommen und jetzt haben wir vom Westen aus schon den Norden und den Süden erobert. Das erfordert natürlich Planung und ist eine enorme Organisiererei.

Und die Ossis müssen auf euch verzichten?
Mit unserem klassischen jährlichen Tourprogramm spielen wir schon in Dresden, Leipzig und Cottbus.

Na, bloß gut, dass die nicht zu kurz kommen! Müsst ihr das Programm regional anpassen? Funktioniert der Humor in Deutschland überall gleich?
Da gibt es schon graduelle Unterschiede, aber die findet man eher zwischen Stadt- und Landbevölkerung. Außerdem suchen wir unsere Hosts danach aus, ob das Publikum mit ihnen vertraut ist und sie dadurch gewisse lokale Noten und somit Vorteile haben. Aber ich kann überall auftreten, das funktioniert immer.

Hauptsache im Waschsalon, oder?
Nein, nur den in Köln, den gibt es wieder. Wir haben jetzt seit einem knappen Jahr einen in Zollstock, das ist die Mutter aller Shows. Manchmal habe ich das satt, aber wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich glücklich. Seit achteinhalb Jahren mache ich das alle zwei bis drei Wochen. Wir nehmen keinen Eintritt, verdienen nichts daran, und manchmal frage ich mich, was ich schon wieder neues erzählen soll. Aber ich muss sagen, es wird eigentlich immer besser statt schlechter.

Na klasse, das freut mich aber.
Ja, mich auch, weil ich immer mal zweifele, ob wir überhaupt noch neue Talente finden können. In solchen Tiefpunkten tauchen dann plötzlich total überraschende Leute auf und dann geht es weiter.

Was braucht man denn für Qualitäten, um auf die NightWash-Bühne zu steigen?
In erster Linie Mut und Commitment. Du solltest dich wirklich für das, was du willst, einsetzen und es als Job ansehen. Die Bühne wird oft als Selbsttherapie empfunden, das ist sie aber nicht. Es ist ein Beruf. Man muss Leute unterhalten und zum Lachen bringen. Das kann eine verdammt schwierige Aufgabe sein. Stell dir mal vor, du stehst vor fremden Leuten und nicht erst wenn alles stimmt und jeder etwas getrunken hat, sondern auf mein Kommando musst du lustig sein. Natürlich kann etwas Charme nie schaden, ein gutes Timing ist wichtig und witzige Texte auch, aber die wichtigste Voraussetzung ist der nötige Wille und Mut. Es schaffen hier, wie in vielen Jobs, nicht unbedingt die Allertalentiertesten, sondern diejenigen, die es einfach tun und nicht so viel zögern.

Hattest du ein Vorbild?
Nein, ich wollte ja nie Comedian werden. Ich bin da so reingerutscht.

Wie passiert das denn?
Eigentlich wollte ich Sportler und Lehrer werden. Davon wurde mir aber vehement abgeraten. Dann kamen zwei Freunde zu mir und meinten, dass wir doch in der Schule schon zusammen auf der Bühne standen und das wieder tun könnten. Das war eine super Zeit. Ich war nie der Allerlustigste, aber hatte immer jede Menge Energie. So habe ich mir nach und nach die nötigen Qualitäten zugelegt und eigentlich erst gelernt, was Stand-up-Comedy ausmacht, nachdem ich NightWash schon aufgemacht hatte. Die Leute, die bei mir auftraten, waren alle viel lustiger als ich. Mittlerweile kann ich das auch richtig gut. Selbst wenn das Publikum nicht mitmachen will, in fünf Minuten habe ich sie alle. Das hat aber acht lange Jahre gedauert, sich so zu entwickeln. In dieser Zeit gab es oft Situationen, in denen ich dachte, Scheiße, du bist überhaupt nicht lustig.

Hast du nie überlegt, alles hinzuschmeißen?
Doch, schon öfter! Manchmal nervt mich, dass ich ziemlich hart dafür arbeite, dass man mich einigermaßen kennt, aber es ist nun nicht gerade so, dass ich in Geld schwimme. Es ist immer viel Arbeit und oft belastend, dass ich jedes mal überlegen muss, wie ich das Ding weiter produziert kriege und Geld auftreibe, um die Firma am Leben zu erhalten.

Hast du denn eine Alternative?
Oh, lass mich kurz nachdenken... Im Moment arbeite ich noch an einem eigenen Blog, der heißt "Deuserordie". Da schreibe ich über das ganze Comedy-Business. Als nächstes möchte ich ein Buch herausbringen, ein kleines Handbuch namens "How to be lustig". Dafür suche ich gerade einen Verleger und wenn ich keinen finde, mache das im eigenen Verlag. Heutzutage ist ja alles möglich. Außerdem hatte ich mal überlegt, ein Bistro aufzumachen. Für mich sind Lebensmittelallergien ein großes Thema, weil viele Kinder und Erwachsene welche haben.

Du auch?
Nein, aber meine Tochter. Und es gibt leider kein cooles Restaurant, dass etwas anbietet, fernab von dieser wenig appetitanregenden Öko-Attitüde. Das fände ich spannend und würde es gerne mal ausprobieren.

Kannst du denn gut kochen?
Nö, überhaupt nicht. Aber das krieg ich hin.

Da bin ich mir sicher. Aber im Moment bist du doch ganz zufrieden mit dem, was du tust...
Manchmal gibt es Dinge, die machen einfach Spaß und es ist ein Geschenk, wenn man irgendwie die Möglichkeit findet, damit oder woanders genug Geld zu verdienen, um diesen Sachen nachgehen zu können. Das ist das tolle an "NightWash", dass mir das wirklich Spaß macht und dass ich es schaffe, damit eine kleine Firma zu unterhalten und es weiter aufzubauen. Wenn das irgendwann nicht mehr geht, muss ich halt was anderes machen aber ich schlage mich seit 25 Jahren selbstständig durchs Leben. Man wird Mitte 40 natürlich das erste mal mit dem Alter konfrontiert, aber ich habe einen tiefen Glauben daran, dass mir immer etwas einfallen wird. Das tröstet mich in schwierigen Phasen, wenn ich überlege, dass es sicherlich besser bezahlte Jobs gibt, oder es privat schwierig wird. Ich bin zutiefst zufrieden mit meiner Arbeit, weil ich es selbst aufgebaut habe, so dass der alltägliche Frust dem eigentlich wenig anhaben kann. Ich hoffe, dass ich dieses Denken nie verliere.

Das hoffe ich auch. Alles Gute!




Vita:
Klaus-Jürgen Deuser, am 28. Mai 1965 geboren, ist ein Comedian, der zwischen existentialistischen Karnevalsverkleidungen und existentialistischen Blogs (www.deuserordie) existiert. Dem Nachwuchs gibt er immer eine Chance, das sieht man an den vielen neuen Talenten, die seine Supershow "NightWash" hervorbringt und daran, dass er eine zehnjährige Tochter hat. Mit NightWash geht er jetzt wieder auf Tour, wir empfehlen diese sehr, denn fernab gefüllter Olympiastadien gibt es hier tatsächlich viel zu lachen, alle Termine findet man auf www.nightwash.de

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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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