Ralf Bauer - MZ Interview: 12.02.2009
Bauer in Love

Wer kennt Ihn nicht, diesen deutschen Schauspieler? Sie brauchen jetzt nicht zu antworten, das war eine rhetorische Frage! Unzählige Teenies, die heute eher "Thirties" sind, haben ihm auf rosa Briefpapier ihre Liebe gestanden. Und liebe Damen, der Titel dieses Interviews soll Sie nicht in die Irre führen, er ist ernst gemeint. Was ist aus ihm bloß geworden? Was macht er denn mittlerweile, außer Weltrekorde im Küssen aufzustellen? Die Antwort auf diese Frage ist so kurz wie einfach: verdammt viel!
Elisabeth Ostermann
Ist ja lustig, dass ich mit Ihnen spreche, das letzte mal hab ich sie im "Disneyclub" gesehen.
Oh, das ist dann aber mindestens zwei Tage her.
Ja, ja, die alten Zeiten... damals waren wir noch junge Dinger! Ich habe das unglaublich gerne geschaut aber dann sind unsere Interessen ziemlich auseinander gegangen. Jetzt nähern wir uns wieder aneinander an, denn ich mag Gedichte sehr und Sie kommen bald nach Münster, um welche vorzulesen, nicht wahr?
Es handelt sich dabei eigentlich eher um ein Performance. Das ist allerdings etwas schwierig zu erklären, weil nur der Anfang und das Ende feststehen: es beginnt und endet nämlich mit Goethe. Ich hangele mich von klassischen Dichtern zu beispielsweise Heinz Erhard und bleibe dabei immer im Dialog mit dem Publikum, natürlich mit Musik. Musik ist immer ein guter Katalysator für die Stimmung, einem Rilke-Gedicht zum Beispiel tut es ganz gut, wenn es eine musikalische Untermalung hat.
Die Idee kenne ich doch schon: vom "Rilke Projekt".
Der große Unterschied zum "Rilke Projekt" ist, dass dafür die Musik extra komponiert wurde und ich im Gegensatz schöne Melodien, Songwriter-Stücke oder auch bekannte Lieder aufgreife. Im Grunde könnte die Musik für sich alleine stehen.
Das ist schön, hoffe ich.
Ja, wir waren letztes Jahr damit auf Tour und jetzt wurde ich nach Münster zum Valentinstag eingeladen, weil der Titel "Bauer in Love" dazu passt.
Stimmt, das passt wie die Faust aufs Auge! Ist "Bauer in Love" das einzige, was sie im Moment beruflich machen?
Nein, dann würde ich nicht überleben können. Ich hab bis Ende des letzten Jahres viele Filme gemacht, der nächste läuft am 24.2. auf Sat 1, und heißt "Claudia, das Mädchen von Kasse 1". Am Samstag hatte ich die Premiere von "Die Geständnisse des Hochstaplers Felix Krull" und ich habe einige Veranstaltungen moderiert. Dazu kommen viele Pressetermine, weil demnächst eine amerikanische Serie anläuft, in der ich mitspiele, die ab Mitte März bei uns auf Tele 5 zu sehen ist.
Das hört sich nach knallhartem, unglamourösem Arbeitsalltag an. Wie andere jeden Morgen ins Büro müssen, gehen Sie ans Set.
So schlimm ist es nicht, letzte Woche war ich zum Beispiel in Thailand.
Das ist vielleicht der Unterschied, Sie kommen mehr herum, aber ansonsten ist es doch auch immer die selbe Tretmühle, wie mein Chef so schön zu sagen pflegt.
Ach, eigentlich nicht, denn dafür sind die Sachen, die ich mache zu unterschiedlich und auch zu schön. Ich wollte ja schon immer vor der Kamera und auf der Bühne stehen. Und wenn man etwas gerne macht, dann kann man es, glaube ich, nicht als Tretmühle bezeichnen.
Haben Sie denn Familie?
Ja, ich habe viele Cousins, Cousinen, Onkel, Tanten, Papa, Mama und so, aber noch keine eigene, also noch keine Frau und kein Kind.
Dann sind sie ja der ideale Kandidat für "Bauer sucht Frau"!
Ja.
Dürfen wir Sie da bald bewundern?
Gott behüte mich davor. Aber ich bin ja im Grunde schon einen Schritt weiter mit "Bauer in Love".
Sie sind ein Romantiker!
Ich bin ein realistischer Romantiker.
Dann entsprechen Sie wohl genau dem Typ Mann, den sich jede Frau wünscht.
Das kann ich nicht beurteilen. Mein Vater sagt, die Frauen zu verstehen ist für uns Männer wahnsinnig schwer. Außerdem bin ich schüchtern.
Tatsächlich?
Durch meine jahrelange berufliche Erfahrung habe ich natürlich eine gewisse Selbstsicherheit aufgebaut, aber was das Thema Frauen angeht, bin zurückhaltend. Da muss bei mir zuerst das Grundgefühl stimmen.
Im "Disneyclub" waren sie ja der schönste, der Mädchenschwarm, was neben Stefan Pinnow damals nicht schwer war, und bei "Gegen den Wind" galten sie auch als Teenietraum. Bekommen Sie heutzutage immer noch viele Liebesbriefe?
Mittlerweile sind das eher E-Mails als Briefe und die gehen manchmal auch in eine andere Richtung. Manche schreiben mir über Themen, mit denen ich zu tun habe wie Yoga, Tibet oder Rumänien. Dann kann ich schwer unterscheiden, ob sich die Leute wirklich dafür interessieren, oder ob das nur eine Masche ist, um an den Bauer ranzukommen.
Versuchen denn viele Frauen, "an den Bauer ranzukommen"?
Ich müsste das mal mit Kollegen vergleichen, aber im Gegensatz zu Till Schweiger sind das sicherlich nicht viele.
Sie haben ein Yoga-Video herausgegeben. Sind Sie denn darüber hinaus buddhistisch angehaucht?
Mich interessieren unterschiedliche Religionen generell, besonders, wie sie tatsächlich gelebt werden und die freundlichsten Menschen auf den vielen Reisen in meinem Leben, traf ich in buddhistischen Ländern. Die Leute scheinen mit sich selbst eher im Reinen zu sein als in islamisch oder katholisch vorherrschenden Ländern.
Woran erkennt man denn, ob jemand mit sich selbst im Reinen ist?
Das spürt man intuitiv, die Menschen lächeln mehr, und zwar nicht aufgesetzt, sondern echt. Außerdem sind sie dort sehr geduldig und ausgeglichen. Wie willkommen man sich in einem Land fühlt, steckt letztlich im Detail. Ich war zum Beispiel mal in einem fünf-Sterne-Hotel in Kairo und hab mich dort im Foyer mit meiner damaligen Freundin geküsst und direkt kam ein Kellner zu uns und hat gesagt, dass das nicht erlaubt sei. Da war ich natürlich vor den Kopf gestoßen.
Wenn Ihnen das Lächeln so wichtig sind, ist Hamburg aber eigentlich nicht unbedingt die richtige Stadt für Sie, denn das sagt man den Fischköppen da oben ja eher nicht nach.
Man muss die Rahmenbedingungen beachten. In Thailand scheint viel öfter die Sonne, da würde es uns auch leichter fallen, gute Stimmung zu verbreiten. Aber wenn man die Leute hier erstmal kennen lernt, wird man überrascht sein und eventuelle Voreingenommenheiten begraben.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Seit Sylvester habe ich den Fokus darauf gelegt, mich um eine eigene Familie zu kümmern.
Das ist ja wieder etwas ganz anderes, als das was Sie bisher gemacht haben.
Ja, davon habe ich schon gehört.
Na dann wünsche ich Ihnen dafür alles Gute, Herr Bauer!


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