Gisbert Schmitz

DIE STUDI-STÜTZE

„Oh, deine Zukunft ist so ungewiss, dein Leben voller Angst und Schiss“, singt Gisbert zu Knyphausen. Das würden viele Studenten so unterschreiben. Noch dazu keine Kohle, nix zu essen und Schimmel in der 9m2-Bude. Aus so einer Situation kommt man manchmal nicht alleine raus – wer kann da schon helfen? Bill Gates beantwortet deine E-Mails nicht und du kannst nicht immer bei deinen Eltern schnorren! Die Antwort liegt auf der Hand – oder gerade auf deinem Schoß: Das Studentenwerk Münster kann einiges.
Sarah Bornemann

Herr Schmitz, als Mitarbeiter des Studentenwerks sind Sie nah dran am Homo sapiens studiosus. Wie sehen Sie die Lage der Studierenden?

Tatsache ist, dass die Studierenden heute arg belastet sind. Schon der normale Studienalltag nimmt sie sehr in Anspruch, dazu kommen unübersichtliche Studienstrukturen nach Bachelor und Master und trotzdem ist eine möglichst effiziente Selbstorganisation gefordert. Und wenn sie dann noch arbeiten müssen, um den Lebensunterhalt zu bestreiten und Studiengebühren bezahlen zu können, dann wird es problematisch.

Da kann ich ein Lied von singen.

Ich habe den Eindruck, dass viele Studierende heute auf dem Weg zu einem schnellen und erfolgreichen Studienabschluss leider nicht mehr links noch rechts schauen. Das halte ich für eine bedenkliche Entwicklung. Die Wahlen in den USA haben gezeigt, dass es dort eine zunehmend politisierte Jugend an den Hochschulen gibt. Ich bin kein Anhänger der 68er-Verhältnisse, aber das wünsche ich mir auch in Deutschland. Ich wünsche mir, dass die Studierenden etwas mehr aufbegehren.

Was tut das Studentenwerk, um Studierenden den Rücken zu stärken?

Wir sind zuständig für die weichen Standortfaktoren, die eine Studienplatzwahl heute maßgeblich mit beeinflussen. Dazu zählt das soziale Umfeld der Hochschulen in Münster. Das Studentenwerk bietet für über 6.000 Interessenten preiswerten Wohnraum an. Man kann sagen, dass Studierende im Durchschnitt bei uns rund 100 Euro preiswerter wohnen als auf dem freien Markt.

Wie geht das?

Wir erheben lediglich kostendeckende Mieten. Das Studentenwerk finanziert sich hauptsächlich durch die Sozialbeiträge der Studierenden und Zuschüsse des Landes NRW, wobei man sagen muss, dass es keine Zuschüsse mehr für Wohnraum gibt.

Sozialbeitrag? Das ist das, was ich an die Uni überweise, oder?

Dies ist nur teilweise richtig. Bestandteil des Semesterbeitrags ist der Sozialbeitrag, der vom Studentenwerk zur Teilfinanzierung aller sozialen Dienstleistungen verwendet wird. Jährlich sind das um die 5 Mio. Euro. Der Verwaltungsrat, in dem unter anderem auch Studierende mitarbeiten, legt die Höhe des Sozialbeitrags fest. In Münster erheben wir den niedrigsten Sozialbeitrag aller Studentenwerke in NRW, und das ist gemessen an den Leistungen sehr gut.

Das ist ja eine erfreuliche Nachricht …

Wir sehen ja, dass die Studenten belastet sind, und werden dann eben kreativ tätig. Eine ständige Innovationsbereitschaft ist da sehr wichtig. Es ist ja sozusagen ein Spagat: Bei sinkenden Zuschüssen müssen wir neue Angebote kreieren und die Produktivität steigern. Das ist uns bislang auch sehr gut gelungen. Aber bei sinkenden Studierendenzahlen sinken auch die Beitragseinnahmen.

Hhmm ... Was passiert dann? Werden die Beiträge erhöht?

Das versuchen wir zu vermeiden. In den letzten zehn Jahren haben wir ca. 60 Mio. Euro an Eigenmitteln investiert und sind überwiegend gut aufgestellt. Die Einnahmen unserer frei konzessionierten Cafés Uferlos, Viva und Relax dienen unter anderem dazu, die Preisstabilität unserer sozialen Dienstleistungen halten zu können. Und auch die Erlöse der zwei agora: Hotels und des agora: Tagungsorts kommen letztendlich den Studierenden zugute. Daneben betätigen wir uns im Veranstaltungsmanagement, haben zum Beispiel jetzt den Jazz-Frühschoppen ins Uferlos geholt.

Was sind denn die ursprünglichen Aufgaben des Studentenwerks?

Für die über 46.000 Studenten in Münster bieten wir sowohl Service- als auch Beratungsdienstleistungen an. Da geht es dann um Wohnen, Verpflegung, Sozialberatung, Studienfinanzierung und auch Kinderbetreuung. Wir haben schätzungsweise 4.000 Studierende mit Kind in Münster und bieten als sogenannter armer Träger mit unseren zwei Kindertagesstätten über 100 Plätze an.

Neben den Wohnheimen sind die Mensen ja die wohl am stärksten frequentierten Einrichtungen des Studentenwerks.

Das kann man so sagen. In sechs Mensen und zehn Bistros produzieren wir über zwei Mio. Mahlzeiten im Jahr und bieten für sehr bedürftige Studierende auch Freitische an. Allerdings haben wir vor Jahren schon die Mensen offensiv für alle Münsteraner geöffnet. Heute wird unser Angebot auch zum Beispiel von Familien mit Kindern oder von Alleinstehenden in Anspruch genommen, die auf Qualität achten, aber sich Preise in der normalen Gastronomie nicht mehr ohne weiters leisten können.

Essen Sie denn auch in der Mensa? Na?

Ich esse relativ häufig in der Mensa! Gerne Fisch, Forelle. Bei den Aktionswochen zum Oktoberfest hab ich mir auch ’ne Schweinshaxe gegönnt.

A Woahnsinn! Vielen Dank für das Gespräch!



Gisbert Schmitz
Geb. am 07. Oktober 1957 in Münster. Für kurze Zeit zog es ihn nach Berlin und Frankfurt. Er studierte Visuelle Kommunikation und Filmsemiotik, machte dann an einer Berufsakademie den Abschluss als Fachwirt für Marketing-Kommunikation. Seit 1997 ist er Referent für Marketing und PR beim Studentenwerk in Münster. Schmitz mag Sport, Musik, Literatur, Kabarett, gutes Essen und gute Gespräche.

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Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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