Carsten Höfer
HEIRATEN FÜR EINE NACHT

Als Kind trugen Sie
Lederhosen ...
Meine Schwester war diejenige, die mir diese Hose angezogen hat. Als Kind kann man sich da noch nicht so gegen wehren.
Kommt drauf an, wie
groß der Altersunterschied ist.
Sie ist sechs Jahre älter als ich und hat so allerlei Sachen mit mir angestellt. Gerne hätte sie ein Schwesterchen gehabt, da kam aber ich – mit allen Anzeichen von Männlichkeit – auf die Welt. Zuerst war sie enttäuscht und dann beschloss sie, aus mir ein Mädchen zu machen.
Wie stellte sie das
an?
Sie zog mir ihre alten Klamotten an – Röckchen zum Beispiel.
Ich hatte wenige
männliche Freunde in der Zeit, ich war immer mit meiner Schwester und ihren
Freundinnen unterwegs. Ich lernte also früh, Frauen zu verstehen. Auf diesen
Erfahrungen gründete mein vorheriges Programm „Frauenversteher“.
Sind Sie als Mädchen
in die Schule gegangen?
Nein, das nicht. Dem hat meine Mutter zum Glück einen Riegel vorgeschoben und mich, bevor es zur Schule ging, vom Röckchen befreit. Aber immer, wenn meine Eltern mal nicht da waren und meine Schwester auf mich aufpasste, hatte ich schwuppdiwupp wieder eins an.
Gab’s da von den
Nachbarsjungen nicht mal eins auf die Mütze?
So viele Jungs gab’s da gar nicht. Die Mädchen aus der Nachbarschaft und meine Cousinen fanden eine Freundin mehr zum Spielen natürlich gut.
Was ziehen Sie heute
gerne für Klamotten an?
Heute trage ich in erster Linie italienische Mode. Ich arbeite hier in Münster mit einem Herrenausstatter zusammen [Anm. d. Red.: Na gut, wer es unbedingt wissen will: Es ist „lui“]. „Mein Italiener“ pflegt einen ganz eigenen exklusiven Stil, der mir sehr gefällt. Einige sagen, ich würde dafür zu viel Geld ausgeben, aber für die Bühne und auch privat ziehe ich diese Mode wirklich gerne an. Sie kommt mir sehr entgegen, weil ich groß und recht schlank bin, da passen die Sachen gut.
Zum Rock passt „groß
und schlank“ aber auch.
Während der Pubertät ist das vollkommen umgeschlagen. Da habe ich dann mehr als andere Jungs meine Männlichkeit entdecken müssen. Bis ich in der zehnten Klasse von meiner Klassenkameradin Sybille Hansen als „Macho-Arschloch“ geadelt wurde. Ich bin inzwischen komplett anders gestrickt, ich ziehe also nicht heimlich noch Frauenklamotten an.
Was tragen Sie, wenn
Sie in die Muckibude gehen? So ganz italienisch schulterfreie Muskelshirts?
Ne, das nicht, aber es kommt vor, dass ich Feinrippunterhemden anhabe [lacht]. Normalerweise aber ein T-Shirt.
Als Frauenversteher!?
In meinem Fitnessstudio bin ich ja ganz privat! Dort war ich als Student schon Trainer, die Leute da kenne ich seit 15 Jahren. Da bin ich so privat, da muss ich jetzt nicht auch noch die Frauen verstehen [lacht].
Privatleben und
Kabarettistendasein ist also trennbar?
Manchmal muss ich auf jeden Fall mal abschalten. Dann bin ich auch überhaupt nicht witzig! Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, muss ich mich nicht in den Vordergrund spielen. Dafür habe ich dann ja die Bühne und mein Publikum. Auch wenn ich Urlaub mache, bin ich ganz privat. Da kriegen mich dann keine zehn Pferde auf eine Bühne.
Aber zum Ausdauersport
kriegen sie Sie. Privat machen Sie Triathlon und laufen Marathon. Waren Sie vor
Kurzem beim Citymarathon auch am Start?
In diesem Jahr konnte ich beim Münster-Marathon nicht mitlaufen, weil ich an dem Tag einen Auftritt hatte. Aber ich habe wieder am Triathlon in Saerbeck teilgenommen. Ausdauersport ist für mich eine wichtige Ergänzung zu meinem Beruf als Kabarettist. Gesunder Körper – fit in der Birne, wie die alten Lateiner sagen.
Außerdem ist die Luft
beim Marathonlaufen besser als im Fitnessstudio.
Im Power Sports trainieren viele Frauen, mehr Frauen als Männer sogar. Und Frauen riechen besser als Männer, wenn sie trainieren. Außerdem wird dort gut gelüftet.
Waren Sie auf einer
Comedy-Schule?
Das gab’s damals, als ich 1994 mit meinem ersten Soloprogramm gestartet bin, noch gar nicht, hätte ich auch nicht machen wollen. Ich bin Autodidakt. Ich habe einfach angefangen, mich auf die Bühne zu stellen – da merkt man durch die direkte Rückmeldung des Publikums schnell, was man kann und was man vor allen Dingen nicht kann. Seine Stärken verbessert man und das, was man nicht kann, lässt man irgendwann bleiben.
Zum Beispiel?
In meinem ersten Programm
habe ich noch mit der Gitarre auf der Bühne gesungen. Wer jetzt mein Programm
anschaut, wird feststellen: Er singt nicht und er spielt kein Instrument. Das
hat auch gute Gründe. Mit den drei Griffen, die ich auf der Gitarre kann, kommt
man eben nicht weit. Obwohl einige Bands damit eine ganze Karriere gestalten
[lacht]. Meine Gesangskünste halten sich auch stark in Grenzen. Ich kann andere
Sachen besser: Ich kann gut beobachten und das dann auf die Bühne bringen.
Deswegen wird jetzt nicht mehr gesungen.
Und wie kamen Sie ursprünglich trotz
Talentfreiheit auf die Idee zu singen?
Damals dachte ich noch:
Wer Kabarett macht – Comedy gab’s damals noch nicht –, muss auch zwei, drei
Lieder singen. Das gehörte sich so. Ich kam dann aber darauf, dass ich das eben
nicht automatisch auch machen muss, deswegen habe ich Kabarett für mich neu
definiert.
Hat der
Tagesabschlussgefährte etwas mit dem Frauenversteher zu tun? Frauenverstehen
für wenige Stunden!?
Der Tagesabschlussgefährte ist eine Weiterentwicklung des Frauenverstehers. Ich musste feststellen, dass es den meisten von uns Männern eben nicht gelingt, die Frauen zu verstehen. Was die Länge der Beziehungen angeht: Aus dem Lebensgefährten – meine Eltern sind seit 40 Jahren verheiratet – wurde plötzlich der Lebensabschnittsgefährte. Inzwischen ist das noch mal deutlich kürzer geworden, Discotheken werben mit dem Party-Special „Heiraten für eine Nacht“ – der Tagesabschlussgefährte ist da! Es geht bei mir aber immer noch um Männer und Frauen – auf gehobenem Niveau.
Tauschen Sie sich mit
Mario Barth aus?
Nein, überhaupt nicht. Wir haben uns mal kennengelernt, als wir zusammen im Quatsch Comedy Club gespielt haben. Er macht aber etwas komplett anderes, er hat einen ganz anderen Stil. Ich hingegen behandele das Thema „Männer und Frauen“ auf einer anderen Ebene. Es gibt da keinen Vergleich. Er ist inzwischen natürlich ganz vorne dabei, füllt das Berliner Stadion mit 70.000 Leuten. Das gab es vor ihm nicht. Gratulation.
Würden Sie Ihr
Programm auch gerne in so großem Stil betreiben?
Interessante Frage. Dafür spräche, dass man aufgrund der zu erwartenden Gage ja bescheuert wäre, es nicht zu tun, sofern es denn gelingen würde. Kabarett und Comedy wirken allerdings viel intensiver, wenn man ganz direkten Bezug zum Publikum in kleinen Theatern hat, wie es z.B. im münsterschen Kreativhaus mit 120 Sitzplätzen der Fall ist. Was mir allerdings tatsächlich widerstrebt, ist, dass man auf eine so große Masse von Leuten trifft, die sich plötzlich so sehr für das eigene Privatleben interessieren. Das Öffentlichsein in dieser Form würde mir nicht behagen.
Dankeschön für’s Gespräch!


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