Bettina Tietjen
TALK MIT TIETJEN

Frau Tietjen, wie sind
Sie zum Journalismus gekommen?
Ich habe nach dem Abi ein Praktikum bei der Westdeutschen Zeitung gemacht. Das war aber nicht so mein Ding, weil ich nur über Bezirksversammlungen und Karnevalsvereine berichten musste. Während des Studiums habe ich dann für die Stadtzeitung „Citymagazin“ geschrieben. Das hat mir viel besser gefallen, weil ich für Theater und Ballett zuständig war und schreiben konnte, was ich wollte. Danach habe ich diverse Praktika gemacht und für den Lokal- und Kulturteil der Münsterschen Zeitung geschrieben.
Sie haben in Münster
studiert. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Als sehr schöne Zeit, weil das Studium noch nicht so reglementiert war wie heute. Ich habe mir meine Termine so gelegt, dass ich nicht zu früh aufstehen musste und habe viele Partys gefeiert [lacht]. Das Studium lief so nebenbei, das habe ich nie als Stress empfunden.
Wo sind Sie damals so
hingegangen?
Bunter Vogel, Odeon, Jovel, Schwarzes Schaf und zum Tanzen ins Go-Go. Existiert das noch?
Ja, das gibt’s noch.
Und natürlich gab’s ständig irgendwo Wohnheimfeten. Ich war wirklich kein Kind von Traurigkeit. Das Examen war natürlich viel Arbeit, aber ich habe mit Eins abgeschlossen. Dann findet man das Studium im Nachhinein klasse [lacht].
Zwischen Uni-Abschluss
und Volontariat waren Sie ein halbes Jahr in New York. Was haben Sie dort
gemacht?
Da habe ich bei einer Tante gewohnt, die eine Wohnung in Manhattan hatte. Ich wollte unbedingt mal nach Amerika, Englisch sprechen und andere Luft schnuppern. Und natürlich habe ich gehofft, irgendwie journalistisch arbeiten zu können.
Hat sich was ergeben?
Ich habe zunächst ein
paar Korrespondentenbüros abgeklappert, SPIEGEL, WELT, was es so gab. Die haben
nur lächelnd abgewunken. Meine Tante hatte aber zum Glück Beziehungen zum
PBS-Sender WNYC. Da konnte ich dann als Praktikantin anfangen. Ich habe
Journalisten aus aller Herren Länder kennengelernt – war eine spannende Zeit.
Danach haben Sie Volontariat beim RIAS gemacht.
Erst beim Radio, richtig?
Es fing an mit Hörfunk,
dann kam Fernsehen. Irgendwann fiel beim Frühstücksfernsehen eine Moderatorin
aus. Der Fernsehdirektor fragte, ob ich mir das vorstellen könnte. Kurzes
Coaching und zack – war ich im Fernsehen …
Wie sind Sie später beim NDR gelandet?
Durch meinen Mann – er
ist Hamburger. Ich habe beim NDR als Reporterin angefangen, parallel
moderierte ich ja schon bei der Deutschen Welle (Anm. d. Red.: ehemals RIAS TV)
und beim WDR, Aktuelle Stunde. Irgendwann wurde ich dann beim NDR für das
Vorabendmagazin DAS! gecastet – und da bin ich bis heute!
Gab es mal witzige
Pannen bei Radio oder Fernsehen?
Ständig [lacht]. Beim
Radio konnte ich nicht mit dem sogenannten „Selbstfahrerstudio“ umgehen. Das
war damals ganz neu. Ich musste selbst Platten auflegen, Wortbeiträge starten,
die ganzen Jingleknöpfe drücken. Haben Sie das mal gemacht?
Nee, bisher nicht.
Mir sind oft Pannen
passiert. Ich habe zum Beispiel zu früh den Verkehrshinweis gemacht oder ihn
ganz vergessen – da war Improvisation gefragt.
Und im TV?
Meinen ersten
schrecklichen Lachkrampf hatte ich beim Frühstücksfernsehen. Im Studio musste
jemand niesen, während ich die Nachrichten las. Das hat mich dermaßen aus der
Fassung gebracht, dass ich mich vor Lachen auf das Nachrichtenpult geworfen
habe und nicht mehr konnte. Total kollabiert! Das passiert mir bis heute
manchmal. „Fou rire“ nennen die Franzosen das – irrsinniges Lachen.
Sie wollten
ursprünglich Theaterregisseurin oder Dramaturgin werden. Was hat Sie davon
abgebracht?
Ich bin zur
Berufsberatung gegangen, und da waren auch Regisseure und Dramaturgen. Die
erzählten, dass man als Frau in der Theaterbranche schwer Fuß fasst, nicht
ernst genommen wird und wenig Geld verdient. Da habe ich’s mir anders überlegt.
Was hatten Sie noch
für Berufswünsche?
Konkrete eben nicht
[lacht]. Ich dachte, Auslandskorrespondentin wäre interessant, Bibliothekarin
oder Übersetzerin, Dolmetscherin. Auch zu promovieren und an der Uni zu bleiben
wäre eine Alternative gewesen. Was mich aber immer am meisten interessiert hat,
war das Theater. Und damit habe ich durch meinen Beruf ja bis heute zu tun –
durch die vielen Schauspieler, die bei mir zu Gast sind.
Seit einiger Zeit ist
Yared Dibaba Ihr Talkpartner. Wie gefällt Ihnen die Zusammenarbeit?
Gut. Wir mögen und verstehen uns. Es ist ganz anders, mit einem Mann zusammen zu moderieren. Zu beobachten, wie er sich als Newcomer in so einer Talksendung zurechtfindet und was ihn interessiert. Er fragt manchmal unbefangener und neugierig – ich bin da routinierter und dadurch auch abgeklärter.
Ich hab über den neuen
Titel, „Die Tietjen und Dibaba“, geschmunzelt. Wie kam es dazu?
Das war eigentlich ein Witz. Erst hieß es ja „Talk mit Tietjen“ und dann kam Yared dazu. Der Kollege Jens Riewa von der Tagesschau schlug vor „Die Tietjen und der Baba“. Daraus wurde dann „Die Tietjen und Dibaba“. Das fanden unser Unterhaltungschef und der Programmdirektor so lustig, dass es dabei blieb.
Welchen Gast hätten
Sie gerne mal für die Sendung?
Ich sag immer, den Papst und den Dalai Lama, am liebsten beide zusammen. Nee, Spaß beiseite – die Bundeskanzlerin hätte ich gern. Die ist ’ne gute Type, hochintelligent, witzig und schlagfertig. Und mittlerweile sehr cool.
Gibt’s auch jemanden,
den Sie nicht möchten?
Ja, aber da nenne ich keine Namen [lacht]. Ich finde, grundsätzlich muss man sich auf jeden einlassen und jeder Mensch hat auch irgendetwas, das ihn interessant macht.
Gucken Sie Ihre
Sendung?
Selten. Manchmal, wenn etwas schief gegangen ist. Aber eigentlich nicht gerne, weil ich nie mit mir zufrieden bin – vor allem nicht mit meinem Aussehen …
Was würden Sie in der
Zukunft gerne noch machen?
Ich bin eigentlich zufrieden. Klar hätte ich gern nochmal eine bundesweite Sendung, aber ich bin in der regionalen Nische ganz gut aufgehoben. Da ist die öffentliche Aufmerksamkeit nicht zu groß. Gern würde ich wieder mehr schreiben, Kolumnen oder vielleicht auch mal ein Buch. Aber man wird leider schreibfaul, wenn man viel vor der Kamera steht.
Vielen Dank fürs
Gespräch!


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