Uwe Leifeld
Tabakrauch und Tatendrang

Leifeld. Der Name steht immer noch über einem zurzeit ungenutzten Laden an der Rothenburg. Vor einigen Wochen noch kauften Stadtflaneure hier Zigaretten und Zeitung und tauschten den neusten Stadtklatsch aus. Ungewöhnlich schnell kam das Gespräch immer wieder auf ein Thema: Fußball. Und der ein oder andere aufmerksame Raucher wird sie vielleicht bemerkt haben: die verdächtig ausgeprägten Waden des fachkundigen Besitzers.
Klarissa Kunze im Gespräch mit Uwe Leifeld.
Ihr Laden ist vor einigen Wochen ausgebrannt. Wie geht es weiter?
Im Juni wird die Lottoannahmestelle wieder aufgemacht und dann wird man
sehen, wie viele Stammkunden noch zurückkommen. Es bleibt beim alten
Konzept. Tabakwaren, Zeitschriften, Fanartikel und Lotto. Ich mach den
Job in dem Laden ja gerne. Aber ich steh da täglich von sieben bis halb
sieben. Die Kunden wissen ja gar nicht, wer ich bin. Die wissen nur,
ich bin der, der da schon seit 12 Jahren steht und immer weiß, wer was
raucht. Dann freuen die sich und sagen: „Mensch, dass sie sich das
alles merken können.' Das ist das Kompliment, das man heute so hört.
Zu Ihrer Zeit als Profispieler waren das andere Komplimente ...
Respekt haben die Leute, die mich damals Fußball spielen gesehen haben
immer noch. Ich hab einmal in einer Saison hintereinander 16 Tore
gemacht. So jemand verdient heute über 3,5 Millionen Euro. Für die
knapp 168 Spiele mit 48 Toren ist das 'ne ganz gute Quote von mir. Ich
kann mir da heute aber nichts mehr für kaufen. Da hab ich nie was draus
gemacht wie alle anderen Fußballer, die aufgehört haben. Ich werde
dieses Jahr 40 und hoffe immer noch, dass ich irgendwann wieder in
diesen sportlichen Bereich reinkomme, weil ich sehe, dass das, was ich
jetzt mache, nicht meine Lebensaufgabe ist. Ich hoffe, dass einer sagt:
„Hast du nicht Lust, was bei uns zu machen?' Deswegen hab ich den
Gedanken: Ich würde gerne in irgendeinem Verein als Spielerbetreuer,
als Sportdirektor weitermachen. Oder auch im Merchandising-Bereich. Und
wenn ich das nicht schaffe, dann hab ich wenigstens noch meinen Laden.
Dann wäre ich da, wo ich vor 12 Jahren auch schon war.
Was sind die schönsten Erinnerungen an Ihre aktive Zeit?
Also, für mich kommen diese Erinnerungen erst, wenn ich zu Hause meine
Kartons aufmache mit Fotos oder Zeitungsausschnitten, die meine Mutter
gesammelt hat. Dann kommt das wieder hoch. Ich war stolz,
Bundesligaprofi zu sein, war stolz, 1988 mit dem Vfl Bochum im
Pokalendspiel zu stehen, war stolz, in der Nationalmannschaft
vorspielen zu dürfen. Hab auch mit Berti Vogts als Trainer Spiele
gemacht. Habe unter einem Präsidenten, der Günter Eichberg hieß,
gespielt. Das war 'ne Ehre, das war Kult, das war Religion, Schalke 04
einmal mitzuerleben.
Legendär ist Ihr aberkanntes Tor von 1988...
Ja, im Pokalendspiel für Bochum. Ich hab' ein Tor gemacht, was
eigentlich regulär war, und der Linienrichter hatte die Fahne hoch und
der Schiedsrichter hatte Abseits gegeben. Nachher im Fernsehen kam
raus, dass es kein Abseits war. Wir waren die bessere Mannschaft, haben
1:0 verloren, aber da spricht heute keiner mehr drüber. Es spricht
keiner mehr über Uwe Leifeld. Ich habe es verpasst, meinen Namen zu
nutzen.
Warum haben Sie das nicht gemacht?
Ja, warum
eigentlich nicht? Ich bin hier nach Münster zurückgekommen und hab noch
drei Jahre beim Preußen Münster gespielt, mit der Voraussetzung, dass
ich danach in diesem Verein irgendwas weiter mache. Ich hab dann ein
Jahr die A und B Jugend trainiert und dann kam die Auflage: „Sie müssen
einen Trainerschein haben, um das weiterzuführen.' Da ich mit dem Laden
aber so unter Druck stand, hab ich keine Zeit gehabt, die Scheine zu
machen. Und so ist es halt gekommen, dass man gesagt hat „Das war’s
dann'.
Soweit ich weiß, gab es da einen Versuch, Ihren Namen für eine Geschäftsidee zu nutzen ...
... Ja, ich hab mich zwei Jahre bemüht, an der Hammer Straße die große
Tennishalle zu bekommen. Wollte 'ne Fußballhalle aufmachen. Die hat
jetzt Michael Rummenigge. Ich hatte da zwei Freunde gehabt, die wollten
das mit mir machen. Irgendwie wollten wir das über die Bühne bringen.
Da war ja schon alles fast unterschriftsreif, wir mussten uns nur noch
finanziell unterhalten. Wir drei, wie wir das auf die Beine bringen.
Und einen Abend vorher, bevor ich das Gespräch hatte mit den beiden
Freunden, kam dann Ansgar Brinkmann und sagte: „Wie viel Geld brauchst
du denn?' Und er würde mir das alles besorgen und ich sollte dann vor
Ort die Leifeld-Brinkmann-Fußballhalle machen. Er hat mir so den Kopf
verdreht mit seinen Schauermärchen. Und dann hab ich den beiden
Freunden das gesagt. Und es tut mir sehr leid, dass ich heute zwei
Freunde weniger habe. Die beiden Freunde sind dann natürlich
aufgestanden und wir haben das nicht verwirklicht. Das war jetzt vor
eineinhalb Jahren. Seitdem hat er sich auch nie wieder gemeldet. Das
war wieder ein Märchen von Ansgar. So kenn ich ihn halt. Und jetzt
möchte ich nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er hat mich so enttäuscht.
Weil er mir so viel versprochen hat und ich wieder auf ihn reingefallen
bin.
Wieder?
Man kennt den Ansgar ja. Ich hab ihn
erst dadurch kennen gelernt. Und alle Fußballer, die ich kenne und die
Ansgar kennen, haben mir abgeraten. Ich soll dem bloß nichts glauben.
Und ich bin so gutmütig gewesen und hab ihm geglaubt. Es wär so ein
schönes Ding gewesen. Ansgar – den kennt man aus den Medien. Ich hab
mit ihm schon selber gespielt, ich kenn ihn und ich würd sagen, dass zu
80% alles stimmt, was in den Medien steht.
Sie haben sich dagegen für ein sehr solides Leben entschieden - bereuen Sie das?
Nein.
Ich war eben verletzt und hatte kein Angebot, dass ich bei Preußen
weiter beschäftigt werde, und wollte dann später meine Familie auch
weiter ernähren können. Aber wenn Sie immer draußen waren, auf dem
Rasenplatz, frische Luft geschnappt haben ... Ich sag’ Ihnen: Ich würde
gerne wieder sofort tauschen und auf dem Platz stehen, um mein Talent
weiterzugeben. Der Laden läuft ja ganz gut und ich geh ja auch gerne
mit Menschen um. Aber uns kleine Unternehmer hat der Euro kaputt
gemacht.
Das sagt jemand, der fast Weltmeister geworden wäre.
Ja, da ärger ich mich schon, dass ich mich damals verletzt habe und
jemand anders 1990 für mich mit zur WM gefahren ist. Wenn man
Weltmeister ist, dann wär das für mich alles einfacher gewesen. Ich war
eben verletzt, wurde operiert und dann hat sich das Thema erledigt. Da
kann ich nur sagen: Mein Gott, was hast du da für einen großen Fehler
gemacht, ja?
Wie gehen Sie mit ihren Fehlern um?
Man muss
sich ändern. Nach dem Brand will ich die Freude am Leben wiederfinden.
Ich würde die Stadt Münster gerne sportlich nach vorne bringen. Privat
versuch ich, die Liebe meiner Frau zurückzugewinnen. Ich hab sie
letztes Jahr verloren, meine Frau und meine Familie. Nach drei Monaten
Trennung will ich die Chance, die uns irgendjemand gegeben hat, nutzen.
Sind noch nicht ganz durch, aber man muss damit fertig werden und
hoffen. Ich will um die Liebe meiner Frau kämpfen. Ich will sie
zurückgewinnen.
Sind sagen, Sie wollen „kämpfen' und „gewinnen' – sind Sie ein Kämpfer?
Ja.
Das ist mein schwerster Kampf. Wenn man die Frau seiner Träume verliert
und seine Kinder so vermisst, dann versucht man alles, sie
zurückzugewinnen. Da müssen Sie viel Glück haben und viel Ausdauer.
Deswegen haben wir uns entschlossen, uns professionell helfen zu
lassen. Das geht aber nur, wenn beide Parteien das auch wirklich
wollen. Es ist sehr schwer. Es ist wirklich schwer, sich im Leben noch
mal zu ändern. Aber was tut man nicht alles, um die Familie
zusammenzuhalten. Die Familie, die man liebt, das, was man aufgebaut
hat. Wir sind da wieder am Anfang, da, wo wir mal waren. Wir wollen
nicht den gleichen Fehler noch mal machen. Die erste Zeit nach dem
Brand war sehr hart. Nach meiner Karriere als Fußballer war die
Situation die gleiche. Ich glaub, dass ich mich nach der Verletzung
geändert habe, weil ich ja mehr zu Hause war. Und die erste Zeit dann
auch frustriert war, dass ich nicht weiterspielen konnte. Ich hab immer
gedacht: „Ach, dir passiert nichts mit dem Knie. Du wirst irgendwann
mal nen Riesenvertrag unterschreiben und dann ist auch die Familie
sicher.' Ist halt eben nicht passiert. Und deshalb muss ich kämpfen.
Sonst haben Sie irgendwann nur den Part zu sagen: „Mein Gott, was hast
du eigentlich gemacht aus deinem Leben?'
Und? Was haben Sie aus Ihrem Leben gemacht?
Mein Leben ist ja noch lange nicht vorbei. Ich bin ja erst 39 Jahre
jung. Mein Glück ist, dass ich zwei gesunde Kinder, eine tolle Frau und
noch viele Wünsche habe. Frau und zwei Kinder, das ist ja alles ganz
schön. Nur muss das auch bis zum Lebensende klappen. Und dafür lohnt
sich der Kampf.
Danke und viel Glück.
Uwe Leileld


Kommentare
Kommentar von unbekannt:
(14.11.2008 11:17 Uhr)arme Sau
Kommentar von Kim:
(08.05.2010 16:20 Uhr)voll nicht!!!! Mein Vater ist spitze