BLOGS

(22.11.2007 08:00 Uhr)

Superhelden für Paul Wulf



Skulpturen - Streit

Berthold Tillmann hat gesprochen: Die Entscheidung des Kulturausschusses, die Reichsadler- und Paul Wulf-Skulptur nicht zum Ankauf vorzuschlagen, ist „aus formalrechtlichen Gründen“ bindend. Aber: Die BV Mitte spielt den Superhelden und hat für den Erhalt der beiden Kunstwerke gestimmt.

Das ist nämlich formalrechtlich total ok. Das findet auch Tim Rohleder, kulturpolitischer Sprecher der Grünen.

Klarissa Kunze spricht mit Tim Rohleder.



Herr Rohleder, wie fühlen Sie sich? Erst in der Kulturausschuss-Abstimmung unterlegen, jetzt schon dank des BV-Mitte-Zaubertricks auf der Seite der rot-grünen Kulturgewinner!

Ganz recht, die grün-rote Bezirksvertretung Mitte hat dafür gesorgt, dass die beiden Skulpturen in Münster bleiben dürfen! Bezirksvorsteher Peter Fischer-Baumeister hat mit einem geschickten Antrag die Zuständigkeit für den Verbleib der beiden Werke an die BV herangezogen, Landesmuseumsdirektor Dr. Arnhold hat in Windeseile Sponsoren gefunden – somit stehen die Chancen sehr gut, dass der schwarz-gelbe Imageschaden für Münster noch begrenzt werden kann!

Herr Rohleder, die Grünen haben sich darauf kapriziert, dass „ausgerechnet und ausschließlich“ 2 Skulpturen von CDU/FDP abgelehnt wurden, die sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit auseinandersetzen. Droht da die NPD-Keule?

Nicht doch, aber der „Schlussstrich-Verdacht“ zwängt sich schon auf! Den von der CDU genannten Grund, dass die „Persönlichkeitsrechte“ von Paul Wulf verletzt werden, halte ich jedenfalls für vorgeschoben! Also müsste die CDU ihre Gründe für die Ablehnung schon noch mal erklären. Konsens ist doch, dass es einer kritischen Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit bedarf – und CDU/FDP erwecken den Anschein, als würden sie von diesem Konsens abweichen. Die sollen einfach mal den wahren Grund nennen.

Also – was ist denn Ihrer Meinung nach der tatsächliche Grund?

Der gute Herr Viehoff von der FDP ist ja dankenswerterweise manchmal blauäugig genug, zu sagen, was er wirklich denkt: Er mag „keine provozierende und politische Kunst“. Möglich wären auch politische Gründe – aber die haben in einem Kulturausschuss nichts zu suchen. Die Kunstwerke müssen nach rein fachlich-künstlerischen Gesichtspunkten beurteilt werden!

Nun argumentieren die Grünen aber auch mit der hohen Beliebtheit der Skulptur bei den Münsteraner Bürgern – jetzt mal ehrlich, Herr Rohleder, das ist doch auch mehr Klassensprecherwahl als Kunstexpertise!


Das ist nur ein scheinbarer Widerspruch. Natürlich ist die Mehrheitsmeinung kein absoluter Maßstab. Aber es ist auch nicht ungehörig, darauf zu achten, was sich ein Großteil der Bürger wünscht. Gerade wenn es sich um so kunstinteressierte Menschen wie in Münster handelt. Außerdem hat ja die eigens einberufene Kunstkommission selbst diese Skulptur empfohlen!

Was kritisieren Sie denn nun an dem Vorgehen der CDU/FDP?


Ich finde, wenn eine Kunstkommission einberufen wird, dann sollte man diese nicht so missachten, wie dies CDU/FDP nun gezeigt haben. Politik muss Kunst die Freiheit geben, auch kritisch oder provokant zu sein. Dieses Verhältnis hat die CDU missachtet. CDU/FDP saugen sich für ihren Eingriff in die Kunstfreiheit die Argumente aus den Fingern und nehmen dabei böse Verdachtsmomente billigend in Kauf. Ein schlechteres Licht könnten sie auf die weltoffene Kulturstadt Münster kaum werfen.

Die CDU hat Angst vor Missbrauch der Litfaßsäule – dürfte denn da nun wirklich jeder seinen Einkaufszettel dran pinnen?


Nein! Das hat die CDU mal wieder absichtlich falsch verstanden. Das läuft alles innerhalb des Konzeptes der Künstlerin, die sich zusammen mit dem Freundeskreis Paul Wulf um die Bestückung der Litfaßsäule kümmern würde. Wenn man der Angst vor Vandalismus nachgibt – dann müsste man ja jedes kritische Kunstwerk wegsperren. Das würde die Kunstfreiheit schwer beschädigen!





Kommentare

Kommentar von kambach:
(22.11.2007 09:47 Uhr)
Ja, die Argumente der Lokalpolitiker gegen die beiden fraglichen Skulpturen sind wahrlich provinziell. Fast schon niedlich, wenn es nicht einen ernsten Hintergrund gäbe. Einen Imageschaden sehe ich für Münster deshalb aber nicht, denn die Diskussion ist äußerst schwach und unbedeutend.

Neuer Kommentar
Sie schreiben als:

Kommentar:





Kommentare

Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
Benutzeranmeldung