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(22.11.2007 08:00 Uhr)

Die missbrauchte Litfaßsäule



Skulpturen - Streit

Es gab den Historikerstreit. Den Karikaturenstreit. Es gab den Fossilienstreit, den Evolutionsstreit und den Differentialgleichungsstreit. Willkommen im Skulpturen-Streit. Stadtgeflüster blickt zurück auf eine über die Grenzen Münsters als lächerlich-absurd bekannt gewordene Debatte. Dr. Dietmar Erber, kulturpolitischer Sprecher der CDU, hatte sich gegen den Verbleib der Skulpturen ausgesprochen. Warum, erklärt er hier:

Klarissa Kunze spricht mit Dr. Dietmar Erber.





Herr Dr. Erber, die CDU hat, so kritisieren die Grünen, „ausgerechnet und ausschließlich die beiden Werke gewählt [.], welche sich mit der Geschichte des Dritten Reiches beschäftigen.“ Hören Sie auch diesen leisen Subtext?

Dieser Vorwurf wird meiner Meinung nach von den Linken sehr gerne genutzt! Es handelt sich hier um puren Zufall. Ich finde es sehr befremdlich, dass man solche Zusammenhänge überhaupt unterstellt und habe das Gefühl, dass Rot-Grün das 3. Reich gerne instrumentalisiert. Die CDU ist aber verantwortlich genug, dieses Thema mit erhöhter Sensibilität inhaltlich und nicht parteipolitisch zu diskutieren! Ich möchte nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn auf die öffentlich zur Schau gestellte Litfaßsäule ein Hakenkreuz geschmiert wird!

Was also sind die Gründe für die Ablehnung der Paul Wulf-Skulptur im Kulturausschuss?

Man muss sich doch überlegen, was man mit dieser Paul Wulf- Skulptur ausdrücken wollte. Man wollte die Leidensgeschichte dieses Mannes noch einmal präsent machen. Ich bin der festen Meinung, das wird seiner Persönlichkeit nicht gerecht. Wenn es darum geht, die ganze Geschichte aufzuarbeiten und diesem Mann in geeigneter Weise zu gedenken, gut! Aber die Thematik der leidvollen Zwangssterilisation hat mit Kunst so erst mal gar nichts zu tun.

Auch die Reichsadler-Skulptur der jüdischen Künstlerin Martha Rosler wurde von Ihnen abgelehnt – mit der Begründung, man würde ihrem Werk nur mit einer Skulptur nicht gerecht. Die Künstlerin hatte aber schon ihr Einverständnis signalisiert!

Richtig ist, dass die Kunstkommission beschlossen hat, dass das gesamte vierteilige Kunstwerk erhalten werden sollte. Da das hier nicht der Fall ist und damit die wesentlichen Erläuterungen zum Kunstwerk daher zwangsläufig fehlen müssen, wäre eine solche verkürzte fragmentarische Darstellung der ohnehin fragwürdigen Intention der Skulptur nicht mehr gerecht. Das darf die Künstlerin anders sehen. Sie wird Ihre Gründe haben.

Hat ihre Ablehnung auch etwas mit der Darstellung Paul Wulfs als Litfaßsäule zu tun? Glauben Sie an den makabersten Fall? - Ein „Komm poppen“- Werbeplakat von der Luna Bar ziert die Skulptur des zwangssterilisierten Paul Wulf.

Um Himmels Willen! Es kann passieren, dass diese Litfaßsäule missbraucht wird! Wir haben ja gar nichts gegen diese Skulptur! Wir wollen sie nur nicht im öffentlichen Raum haben – sie kann dahin, wo sie ihren gerechten Platz hätte: z.B. im Landesmuseum, dort, wo man sie überwachen kann.




Kommentare

Kommentar von ich:
(02.12.2007 17:46 Uhr)
Vielleicht sollte man auch das Landesmuseum abreißen, nicht, dass da jemand ein Hakenkreuz dran malt.

Man könnte drüber lachen, wenns nicht so traurig wäre....


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Kommentar von unbekannt

(19.08.2010 22:04 Uhr)

Ist dieser hübscher Kerl vergeben?
» Kommentare zum Interview
Kommentar von moni

(15.08.2010 20:05 Uhr)

guido ♥ die kluftpuppe ist auf sparflamme geworfen :D
» Kommentare zum Interview
Kommentar von roulette system

(12.08.2010 20:24 Uhr)

Irgend ne Ahnung wie sehr das verallgemeinerbar ist?
» Kommentare zum Beitrag
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